Deutschland: Segelschulschiff Gorch Fock- ein Auslaufmodell?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Deutschland: Segelschulschiff Gorch Fock- ein Auslaufmodell?

Herrlich sind die Bilder, wenn zu Hafengeburtstagen, Rahensegler unter vollem Zeug in den Hafen einlaufen. Tausende stehen an der Pier und erfreuen eines imposanten Schauspiels vergangener Zeiten. Zeiten, die sie nie miterlebt haben und damit auch nicht wissen, wie hart das Leben auf solchen Schiffen sein kann.

Ich selbst habe meine Grundausbildung für die Handelsmarine (1955) auf dem Segelschulschiff „Deutschland“ in Bremen erhalten. Einem Dreimast-Vollschiff! Die Ausbildung war hart. Wir durften erst in die Masten (Takelage) aufentern, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben waren. Im Laufe der Ausbildung wurde das Aufentern immer wieder geübt. Wir traten dabei divisonsweise vor den Masten an und enterten um die Wette in die Masten (Takelage) auf. Dabei galt die alte Seemannsregel: „Eine Hand für den Mann, eine Hand für das Schiff.“ Die Grundausbildung in der Takelage erfolgte damals unter der Annahme, dass das Schulschiff „Deutschland“ wieder auf große Fahrt gehen sollte. Mit schlafwandlerischer Sicherheit musste jeder Handgriff sitzen- so lange wurde geübt( früher hieß das gedrillt). Nur eine Ausbildung als Seemann ist dann erfolgreich und dient seiner Sicherheit und der des Schiffes, wenn der zukünftige Seemann seine Grenzen klar erkennt und auch bereit ist, an diese zu gehen.

Die heutige Ausbildung der Offiziersanwärter auf der Gorch Fock ist im Laufe der Zeit weichgespült worden. Grenzerfahrungen der Anwärter werden kaum noch zugelassen. Man will ja schonend mit den Kadetten umgehen. Sie sollen sich von Anfang an an Bord wohlfühlen. Es soll eine sogenannte Wohlfühlatmosphäre entstehen, die keine Kritik zulässt.

Dabei werden aufgrund der öffentlichen Meinung die Gefahren, die die christliche Seefahrt zwangsläufig mit sich bringt, ausgeblendet. Man will ja mit der Ausbildung nicht öffentlich anecken.

Von Stackelberg, ehemaliger Kommandant der Gorch Fock, brachte es auf den Punkt: „In relativ kurzer Zeit lässt sich die „Spreu vom Weizen“ in unmissverständlicher Weise trennen." Eine solche Auslese, die zum Schutz der Kadetten auch heute durchaus noch notwendig wäre, ist heute nicht mehr mehrheitsfähig. Eine weichgespülte Ausbildung auf einem Rahensegler macht keinen Sinn und kostet nur Geld.

Vielmehr sollten die Kadetten-das gilt auch für die Mannschaften- ihre Seetauglichkeit auf seetauglichen Marineschiffen und auf langen Seeturns erwerben. Wer einmal Schlechtwetter in Nordatlantik abgeritten hat, wer einmal auf den „Roaring Forties“ nach Australien geritten ist, der weiß, was Seefahrt bedeutet. Der weiß dann auch, ob er den richtigen Beruf ergriffen hat. Hier „schleift“ die See die Kadetten und Mannschaften. Eben- eine harte Schule auf See - durch die See!

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