Vertragslandwirtschaft – was ist das?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

In einer interessanten Presseveröffentlichung zum Thema Vertragslandwirtschaft erläutert die Autorin, Dr. Eva-Maria Schmidtlein, LfL Agrarökonomie München, Vor-und Nachteile der Vertragslandwirtschaft. „Zielrichtung sei es für beide Vertragsparteien verlässliche Parameter festzulegen, um Unternehmensentscheidungen planbar zu machen“, so die Autorin.  Folgende Parameter sind vertraglich zu regeln:

In der Regel werden Art und Menge des zu liefernden Produkts, Qualitätsstandards, garantierte Anbaumaßnahmen und Termine vertraglich bestimmt. Der Vertragspartner verpflichtet sich im Gegenzug zur Abnahme der Ware zum vereinbarten Preis. Diese Anbau- und Lieferverträge bieten beiden Seiten Vorteile: Die Landwirte können ihre Produkte sicher und zu einem festen Preis absetzen; die Abnehmer haben dann die Garantie, bestimmte Produktmengen zu bestimmten Terminen in der vereinbarten Qualität zu erhalten( Quelle :Dr. Eva-Maria Schmidtlein).

Anmerkungen: Die Vertragslandwirtschaft kann, wenn die Partner auf gleicher Augenhöhe verhandeln, für beide Seiten von Gewinn sein. Gewinn deshalb

für die Bauern,

weil die Bauern wissen, welche Menge zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis sie die betreffenden Produkte absetzen können. Sie können also anhand von festen und für die unternehmerische Planung greifbaren Kriterien ihre Entscheidungen für oder gegen eine Vertragslandwirtschaft fällen. Dabei spielt naturgemäß ein ausgehandelter attraktiver Preis (die) eine entscheidende Rolle.

Für die Händler, Verarbeiter, Abnehmer usw. bedeutet das,

eine Sicherung ihrer Rohstoffbasis zu vertraglich vereinbarten Konditionen mit den Bauern. Dadurch kann der Vertragspartner bestehende Lieferverpflichtungen gegenüber seinen Kunden jederzeit und zu guter Qualität erfüllen. Dazu  haben  die Bauern sich ja verpflichtet. Diese Vorleistungen, die die Bauern vertraglich erbringen, honoriert der  Vertragspartner mit einem garantierten Festpreis. Diesen  „Vertrags-Preis“ kann ein Unternehmen nur dann an die Bauern zahlen, wenn er sein Marktumfeld genau kennt, eine hohe Wertschöpfung anstrebt und somit Marktpflege betreibt. Ein Verramschen der Ware würde seine Existenz gefährden. Insoweit wird er einem Preisverfall nicht tatenlos zusehen sondern versuchen durch Produktionsanpassung gegenzusteuern.

Und wie sieht`s bei der Milch aus?

In der Milchwirtschaft spielt die Vertragslandwirtschaft die dominierende Rolle. Es gibt eine Vertragslandwirtschaft auf genossenschaftlicher  und prívater Basis. In den Genossenschaften werden die Spielregeln durch Satzungen geregelt. Private Molkereiunternehmen schließen Lieferverträge mit den Milchbauern (Milcherzeugergemeinschaften) ab. In diesen Lieferverträgen werden alle relevanten Parameter vertraglich festgelegt. In einem  äußerst wichtigen Punkt unterscheidet sich die Vertragsgestaltung bei der Milch: Im Gegensatz zur „allgemeinen Vertragslandwirtschaft“ enthalten weder die Satzungen der Genossenschaften noch die Lieferverträge der Privat- Meiereien Mindest-oder Festpreise für die von den Milchbauern gelieferte Rohmilch an die Unternehmen.  Damit geht das volle Risiko des Marktes auf die Milchbauern über. Die genossenschaftlichen und privaten Molkereien bleiben außen vor. Von einer Verhandlungsbasis auf  Augenhöhe kann hier nicht mehr die Rede sein. Im  Gegenteil:  Der Milchindustrie wird damit der Ansporn zu einer verbesserten Wertschöpfung genommen. Ein Verramschen am Markt ist ebenfalls möglich, da die Milchindustrie kein Risiko trägt. Das Risiko trägt allein der Milchbauer. Deshalb muss auch das an die Milchbauern zu zahlende Milchgeld Gengenstand  von Satzungen und Lieferverträgen werden. Dabei muss über eine gewisse Bandbreite noch diskutiert werden. Nur so kann man die Milchindustrie zu marktbewusstem Handeln zwingen. Dann nämlich werden nicht mehr zu Lasten der Milchbauern „ Milchabschlüsse“ mit dem Einzelhandel getätigt. Die Milchindustrie würde auf ein Mal auch für eine dem Markt angepasste Produktion eintreten, da sie dann selbst in der Verantwortung  (Haftung) stünde.

Über den Tellerrand geschaut

Exkurs: Ein Lehrbeispiel bietet zurzeit die Situation der Krabbenfischer. Die Krabbenfischer fangen aufgrund des Preisdrucks immer mehr Krabben. Und jeder Tonne mehr an Krabben auf dem Markt führt wiederum zu fallenden Preisen. Dieser Teufelskreis des ständigen Unterbietens hat mittlerweile dazu geführt, dass, so ist zumindest zu hoffen, auch der letzte Krabbenfischer erkannt hat, dass ein „Fischen am Markt vorbei“ nur Probleme schafft und keine löst.   

 Erkenntnisse der Fischer  -  von denen die Milchbauern lernen können!

Oberste Maxime der Krabbenfischer sollte sein, die Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen. Die rechtlichen Möglichkeiten hierfür sind vorhanden.

 

Hierzu müssen die Betriebe allerdings bereit sein in ihrer Organisation mitzuarbeiten, auch wenn momentan nur ca. 50 % der gesamten Krabbenflotte in der EVKrEO organisiert sind, und somit nicht „ALLE“ mitmachen. Nach unserer Einschätzung bestünde dann durchaus die Möglichkeit, die Krabbenfischerei so zu betreiben, dass sie sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig ist und auch die Arbeitsbedingungen wieder stimmen.

 

Vorschläge für die weitere Arbeit der EVKrEO sind:

 

1. Ausloten, inwieweit tatsächlich eine Zusammenarbeit mit anderen Erzeugergemeinschaften oder deren Vereinigungen rechtlich möglich und dann praktisch umsetzbar ist. Was darf miteinander besprochen werden? Wozu sind die anderen bereit?

2. Gleich zu Beginn des Jahres eine ganzjährig gültige, wöchentliche Höchstfangmenge festle­gen (z. B. 5 t).

3. Wochenendfangverbot; jedes oder jedes zweite Wochenende übereinstimmend für alle und an der gesamten Küste.

4. Die Siebweite der Siebtrommeln an Bord darf nicht unter 6,0mm liegen.

  1. In der Zeit vom 01.07. bis zum 31.08. eines jeden Jahres muss jeder Betrieb eine Fischerei­pause von durchgängig 14 Tagen einlegen, die Fischereipause wird von Süden beginnend versetzt eingeteilt (z. B. Niedersachsen, gerade Schiffsnummern: die ersten 14 Tage im Juli, ungerade Schiffsnummern die nächsten 14 Tage, danach Schleswig-Hol­stein).

Dies hätte den Effekt, dass die zu der Zeit vorkommenden kleinen Krabben nicht im Über­maß angelandet würden, die Ressource geschont würde und auch der Fischer könnte die Liegezeit bereits am Jahresanfang einplanen. Andererseits hat jeder Betrieb in jedem Mo­nat Einnahmen und die Versorgung des Marktes ist jederzeit gesichert.

6. Vor Inkrafttreten einer jeden beschlossenen Maßnahme muss für jedes Mitglied klar ersicht­lich sein, wie die Kontrollen erfolgen und welche Strafe bei Nicht-Einhaltung zu er­warten ist. Hierzu sollte ein einheitlicher Strafenkatalog aufgestellt werden, nach dem dann auch zwingend verfahren werden muss.

  1. Es müssen Maßnahmen festegelegt werden, mit denen die Anfuhrmengen kurzfristig an die Bedürfnisse des Marktes angepasst werden können. Diese sollten beim Erreichen defi­nierter Grenzwerte automatisch in Kraft treten.

 

Diese o. g. Maßnahmen werden auf jeden Fall zu einer Verringerung der Anlandemengen, zu einer Verbesserung der Qualität und somit auch zu einer Stabilisierung der Preise führen, aber sie sind natürlich auch Einschränkungen für jeden einzelnen Betrieb, die von den Mitgliedern mitgetragen werden müssen. Der Erfolg der EVKrEO steht und fällt mit der Bereitschaft der Erzeugergemein­schaften und ihrer Fischereibetriebe, sich an die eigenen Regeln zu halten.

 

In der EU gibt es Stimmen, die sich dafür einsetzen, dass landwirtschaftliche Produkte nicht unter dem Gestehungspreis auf den Markt kommen dürfen. Hier ist es notwendig, dass sich Vertreter der EVKrEO informieren und ggfls. auch für die Krabbenfischerei ein solcher Preis ermittelt und festgelegt wird. Zunächst sollten sich alle beteiligten Fischereivertreter dafür einsetzen, dass der Interventionspreis für die Nordseegarnele erhalten bleibt( Quelle: Kutterfischer Eider,Elbe,Weser w.V.

 

Anmerkungen. Wenn auch nicht alles auf die Situation der Milchbauern übertragbar ist,  so zeigt doch eines ganz deutlich, dass sich nur an der Situation der Milchbauern etwas ändert, wenn die Milchbauern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.  Aufgrund der leidvollen Erfahrungen der letzten Jahre mit der abnehmenden Hand  wollen nun die Fischer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Krabbenfischer formulierte es so: „Wir Krabbenfischer müssen vor dem Auslaufen zum Fang wissen, was wir kriegen und  nicht im Nachhinein, denn dann haben uns die Großhändler in der Hand.“  Und fügte weiter hinzu:“Wenn wir vorher wissen was wir kriegen, dann laufen wir zum Fang erst gar nicht aus, wenn der Preis die Kosten nicht deckt.“

 Zu guter Letzt  -  Spruch der Woche!

Ein Edeka-Sprecher kündigte bereits an, „sich marktkonform zu verhalten.“ Andere Discounter wie Lidl und Penny hätten sich nicht zu Preissteigerungen äußern wollen ( Quelle: topagrar)

Anmerkung: Wann verhält sich die Milchindustrie im Interesse der Michbauern marktkonform?-  Unter Marktkonforme Geschäftsphasen versteht man das Stadium der Geschäftsprozesse, die konsekutive angepasst und optimiert werden als Reaktion auf Veränderungen im Marktverlauf ( Quelle: Wikipedia).


 


 

 

 

 

 

 

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