Milchkrise 2016
Der globale Markt soll alles regeln
Endlich - nach 31 Jahren - wurde die Milchquote abgeschafft. Ein Jubel brach beim Bauernverband, der Milchindustrie und vielen Milchproduzenten aus, denn nun hatte man das Ziel erreicht einer ungehemmten Milchproduktion.
Bauernverband S-H: „Mit dem Wegfall der Milchquote zum 31.03.2015 wird die Milchwirtschaft endgültig in den Markt entlassen. Damit haben weder Verbände noch Politik die Möglichkeit, grundsätzlich preisbestimmend in den Markt einzugreifen. Nach den Erfahrungen mit mehr als 50 Jahren europäischer Agrarpolitik wird deutlich, dass der Markt noch am besten in der Lage ist, die Entwicklung der Milchwirtschaft effizient auszurichten. Deshalb ist der Weg aus der Quote richtig und unumkehrbar“.
Weiter:“Der weitaus größte Teil der 4500 Milchbauern in Schleswig-Holstein sehnt aber das Ende der Planwirtschaft herbei. Die Molkereien handeln mit dem Lebensmitteleinzelhandel die Preise aus oder geben ihre Produkte in den Export, der bei einer Wachstumsprognose bis 2020 mit einem Nachfrageplus von über 60 Prozent weltweit rechnet. Begrenzung?"
Was soll da eine Produktionsgängelung, die den unternehmerischen Spierlaum nur einengt, fragt man sich.
Kaum vier Jahre später klagt der Vizepräsident des Bauernverbandes S-H, Peter Lüschow:“ Milch-Quote weg, Russland-Embargo, ein überfluteter chinesischer Markt und Unruhen im Nahen Osten schlügen auf den Milchpreis durch, klagt Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbands und Chef der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein. „In Krisengebieten wird kaum Geld für Lebensmittel ausgegeben.“ Doch auch die Meiereien im Land – knapp 20 sind es – träfe eine Mitschuld an der tragischen Entwicklung. Angesichts der Milchkrise sollten sie stärker als bisher zusammenhalten. Es gelte, die Kräfte gegenüber dem „dominanten Einzelhandel“ zu bündeln statt sich vom Handel gegeneinander ausspielen zu lassen.“
Kein Wort darüber, dass der Bauernverband , neben der Milchindustrie, mit die Hauptschuld an dieser Entwicklung trägt. Denn er war und ist es, der der ungehemmten Milchproduktion das Wort redet .Angesichts der großen Unruhe unter den Landwirten , versucht der Bauernverband sich reinzuwaschen, indem er Milchindustrie, dem Handel und den Märkten die Schuld in die Schuhe schiebt. Ob ihm das gelingt? Zweifel sind angebracht. So dumm können die Landwirte doch nicht sein-oder?
Nun zur Milchindustrie: Die will, das ist ihr erklärtes Ziel, global agieren. Das Ziel ist nicht ein hoher Milchpreis für die Milchbauern – nein- es hat sich alles den Gegebenheiten der globalen Marktes unterzuordnen. Das machen allein schon die Investitionen deutlich, die sie getätigt haben im Billigsegment Massenprodukt Milchpulver aller Art. Insgesamt investiert die Milchindustrie in diesen Segment 220 Mill. € mit einer Verarbeitungskapazität von ca.2,3 Mrd. kg Rohmilch. Diese Verwertungsschiene erlaubt keinen hohen Milchpreis. Insoweit ist die Milchindustrie auf billige Rohmilch angewiesen.
Nun zum Markt: Es ist eine Binsenweisheit, dass der Markt den Preis regelt. Ist das Angebot knapp, ziehen die Preise an. Ist ein Überangebot da, fallen die Preise. Nur für den Bauernverband gilt das Gesetz nicht mehr, wenn die Preise fallen. Dann ist auf einmal nicht mehr der freie Markt mit seinem Überangebot schuld, sondern die Markteilnehmer, also der Handel, der sich marktkonform verhält- welch eine Schizophrenie!