Welt-Finanzsystem : Ein Sanierungsfall oder ein Auslaufmodell ?
Welt- Finanzsystem : Ein Sanierungsfall oder ein Auslaufmodell ?
Vor dem zweiten Weltkrieg fungierte das Pfund Sterling als Leitwährung. Sein Wert wurde immer durch Gold- oder Silberreserven gedeckt. England war immer bemüht, die Währung stabil zu halten. Das bedeutete für den Handel Sicherheit und vermied größtenteils Geldspekulationen. Im Verlauf des Krieges wurde das Pfund Sterling aufgrund der Kriege und amerikanischer Finanzspekulationen in die Knie gezwungen. Dies nahmen die USA zum Anlass, unter der Schirmherrschaft der UNO, eine Währungs-und Finanzkonferenz abzuhalten, an deren Ende das Ergebnis von Bretton Woods stand: Der US- Dollar wurde die neue Leitwährung. Vertreter von 44 Staaten besiegelten auf „Anweisung der USA“ am 1. Juli 1944 das Konferenzergebnis. Ziel des beschlossenen Systems war es, die Finanzmärkte durch feste Wechselkurse auf der Basis des US-Dollars bei freier Konvertibilität desselben neu zu ordnen. Damit sollte Protektionismus, Abwertungswettläufe und Finanzspekulationen verhindert werden, die in der Zwischenkriegszeit zu erheblichen sozialen Verwerfungen weltweit geführt hatten.
Aus ihm ging der IWF (Internationaler Währungsfonds und die Weltbank hervor (White-Plan).
Beide Institute sollten die weltwirtschaftliche Entwicklung fördern und Währungsspekulationen verhindern. Mit dem Abkommen vom 22.Juli 1944 wurde der Dollar dem Gold gleichgesetzt. Bis 1969 garantierte die USA 35 Dollar gegen eine Unze Gold einzutauschen. Die Wechselkurse der übrigen Währungen wurden gegenüber dem US-Dollar fixiert und die Zentralbanken der teilnehmenden Länder verpflichteten sich durch ihre Geldpolitik die Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar in einer Bandbreite von einem Prozent zu stabilisieren. In 1969 erkannten sieben europäische Notenbanken diese Garantieleistung in Gold nicht mehr an. Grund: Die Dollarvorräte der Europäer und Japaner waren 1960 schon höher als die Goldreserven der USA. Im August 1971 kündigte die Nixon-Regierung zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft die Garantieleistung in Gold auf. Das führte innerhalb von fünf Jahren zu einer Dollarabwertung von 20 Prozent. Seit Aufhebung der Golddeckung ist der US- Dollar eine ungedeckte Währung, die auf Vertrauen beruht. 1973 brach dass System zusammen. (Schon im Vorfeld hatten Währungspekulationen das System ad absurdum geführt. Es mussten also ständig Wechelkursveränderungen vorgenommen werden, die zum Teil bewusst erfolgen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen). Die Wechselkurse wurden aufgrund der Entwicklung freigegeben. Nun kamen die Währungsspekulationen erst so richtig in Fahrt.
Neue spekulative Betätigungsfelder für Finanzjongleure taten sich auf. Hinzu kam der Glaube, dass das freie Spiel der Kräfte – auch auf den Finanzmärkten -ein Gleichgewicht anstrebt, das zu Wohlstand weltweit führt. Weiter wurde als Argument angeführt, dass Spekulationen Wechselkursschwankungen glätten würden. Von diesem Irrglauben beseelt, kam es ab 1980 schrittweise zur Deregulierungen der Finanzmärkte, bis es dann ( fast keine ) keine Regeln mehr gab. Finanz-Global-Player wie George Soros nutzten die Gunst der Stunde und brachten durch Spekulationen Währungen ins Wanken. An diesen Währungspekulationen verdienten sie Milliarden US-Dollar(England 1992, die Asienstaaten 1997/1998). Um ihre Spekulationsgeschäfte ungestört jedweder Kontrolle betreiben zu können, wichen sie in allseits bekannte Steueroasen aus. Diese Globalisierung auf US-Dollarbasis ermöglichte es den USA, die Ersparnisse der Welt aufzusaugen und mehr zu konsumieren als zu produzieren. Dies alles weitgehend auf Kosten der Finanzgeber. Im Jahr 2006 betrug das Leistungsbilanzdefizit der USA 6,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Durch immer weiter sinkende Zinsen und raffiniert ausgeklügelte Finanzprodukte versuchte man den Konsumenten weiter bei Laune zu halten – sprich: Schulden zu machen! Das ging auch lange gut! Ganze Abteilungen der Finanzwirtschaft, besetzt mit hoch qualifiziertem Personal, waren ständig bemüht neue Finanzprodukte zu kreieren, die eine immer weiter steigende Verschuldung unterstützten. Eine Verschwendung geistiger Ressourcen, die der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung entzogen wurden.
Das auf Pump aufgebaute Wachstum der Wirtschaft sorgte in seiner Glanzzeit für scheinbare Wertsteigerungen aller Art, die einen Kauf auf Pump erst zu einem „echten (unechten) Geschäft „ machten. Immer neue Finanzprodukte kreierte man, die so kompliziert waren, dass sämtliche Kontrollmechanismen versagen. Der Welt- Finanzmarkt geriet außer Kontrolle. Es entwickelte sich der so genannte Kasino-Kapitalismus, der wie ein Krebsgeschwür alle Bereiche der Finanzwirtschaft erfasste. An diesem System versuchten nun- fast alle – zu partizipieren und ihr Schäflein ins Trockene zu bringen. Da Gier bekanntlich blind macht, wollte man die mit diesem System einhergehenden Gefahren einfach nicht wahrhaben und setzte weiter auf Risiko. Dadurch entwickelte sich weltweit ein Finanzsystem , dass weitgehend auf Spekulation beruht, denn von den 1.600 Milliarden Dollar, die täglich über den Globus transferiert werden(virtuell), beziehen sich 96 Prozent auf Spekulationsgeschäfte und nur 4 Prozent decken tatsächliche Warenströme ab. Dass so eine Entwicklung langfristig nicht gut gehen konnte, musste allen Spielern bekannt gewesen sein. Dieses System hat die privaten Haushalte in den USA in eine Verschuldungsfalle von 14000 Milliarden US-Dollar getrieben. Hinzu kommt noch die Staatsverschuldung der USA in Höhe von 5181 Milliarden US-Dollar mit steigender Tendenz.
Öl, das Schmiermittel des US-Dollars ?
Etwa 68 % aller weltweiten Währungsreserven von sechs Billionen Dollar halten die Notenbanken der USA. China verfügt über eine Währungsreserve von 1,3 Billionen Dollar. Mit dem Geld stabilisieren oder manipulieren die Notenbaken u. a. ihre eigenen Währungen gegenüber dem US-Dollar. Der Rohstoff-und Öl - Handel erfolgt auf US-Dollar-Basis. Durch die weltweit starke Nachfrage nach Energie und Rohstoffen aller Art auf US-Dollar-Basis können die USA es sich leisten, unbegrenzt ihre Schuldenpolitik zu betreiben( sie benötigen keine Devisen ). Die Zeche dieser Entwicklung bezahlen die Kreditgeber. Aufgrund dieser hemmungslosen Schuldenpolitik gerät der US-Dollar immer mehr unter Druck. Dies wiederum ruft die ölexportierenden Länder auf den Plan, die um ihre US-Dollarreserven bangen. Schon versuchen einige Länder der OPEC, wie Iran, Norwegen u. Venezuela innerhalb der OPEC die Bindung des Ölpreises an den US-Dollar zu lockern bzw. zu beenden. Eine solche Entwicklung, wenn sie denn einträte, hätte unabsehbare Folgen für die USA. Aufgrund fehlender Devisenreserven könnte die USA ihre Verschuldungspolitik nicht weiter betreiben. Es käme zu einem Kollaps des US-Staatshaushaltes mit unabsehbaren Folgen für die US-Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass die USA sich vehement gegen eine solche Entwicklung stemmen. Ursache dieser, auch für uns bedrohlichen Entwicklung, sind die ungebremsten Staatsausgaben der USA, verbunden mit einer hemmungslosen Spekulation rund um den Globus, an der wir alle beteiligt sind. Die jetzt eingetretene Finanzkrise, deren Ende noch nicht abzusehen ist, hat eines klar und deutlich gezeigt: Der Markt regelt nur die Vorteile des jeweils Erfolgreichen(Ego-Trip). Weder Politiker, Finanzminister noch Notenbankchefs bestimmen heute die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen weltweit, sondern es sind zum großen Teil die international tätigen Spekulanten. Diese Verhaltensweise, bewusst durch die Politik gefördert, gefährdet ganze Staatshaushalte und somit auch das Gemeinwohl. Werden die Ursachen der Staatsverschuldung und der Finanzspekulationen nicht nachhaltig bekämpft und weltweit vernünftige und durchschaubare international verbindliche Regeln aufgestellt, dann ist der nächste
Kollaps vorprogrammiert. Nur dieser wird uns noch härter und massiver treffen als jener von heute. Das System in der jetzigen Form ist auch mit Milliardenbeträgen auf Dauer nicht mehr zu retten.