Milchwirtschaft : Der "Runde Tisch" war ein Flopp

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

Milchwirtschaft:“ Der Runde Tisch“  war ein Flopp

Kaum ist der Runde Tisch der Ernährungswirtschaft , der von der  Bundesagrarministerin Ilse Aigner  zur Verbesserung der Marktsituation und damit zur Stabilisierung der Erzeugerpreise einberufen und abgehalten wurde, vorbei, da holt Aldi und Co. zum Gegenschlag aus.

Die Milchpreise werden auf breiter Front gesenkt

 Ab Montag dieser Woche senkte Aldi den Milch-Verkaufspreis deutlich ab. Für fettarme Milch muss der Verbraucher jetzt 42 Cent je Liter Mich berappen; für Vollmilch sind es 48 Cent. Alle anderen Milchprodukte folgen diesem Trend.  Wenn dass das Ergebnis eines Runden Tisches ist, dann hätte man auf diesen Gipfel verzichten können. In der  Tat: Jeder Gipfel, der mit lautem Getöse von den Protagonisten angekündigt wurde, hat bisher für die Erzeuger nichts gebracht. Im Gegenteil: Die Erzeugerpreise sind immer weiter gefallen.

Diese Preissenkung kostet den Milchbauern weitere 200 Millionen Euro

Nach  Angaben des Kieler Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft ( ife) wird diese Milchpreisrunde der Discounter den Milchgeldauszahlungspreis an die Bauern um weitere 0, 8 Cent je Liter Milch auf dann 22 Cent im Durchschnitt vermindern. Dr. Holger Thiele dazu: „ Allein durch die Trinkmilchpreissenkungen müssen die deutschen Milchbauern einen weiteren Umsatzeinbruch von mehr als 200 Millionen Euro im Jahr hinnehmen. Dieser Erlöseinbruch würde die 90 Millionen Euro Hilfe für die deutschen Milchbauern um mehr als das Zweifache übertreffen. Wenn es also bei  der Trinkmilch zu weiteren Preisreduzierungen kommt, wird sich die Milchkrise im Mai weiter dramatisch zuspitzen.“  

Ein Wissenschaftler in Erklärungsnot

Allein diese Tatsachenfeststellung des Herrn Dr. Holger Thiele reicht bei weitem nicht aus, wenn man als Wissenschaftler ernst genommen werden will. Hier muss eine genaue Analyse der Lage am Milchmarkt her, die er – davon gehe ich aus - zwar liefern kann, aber nicht liefern will, da es nicht in das Landeskonzept der „Schleswig-Holsteinischen Global-Player“ passt. Noch vor Wochen stellte vor  großem Fachpublikum jener Dr. Holger Thiele eine Milchstudie der Öffentlichkeit vor, die zu dem Ergebnis kommt, dass Schleswig-Holstein der Gunststandort schlechthin ist und seine Milchproduktion um mehr als 60% nach dem Wegfall der Milchquote steigern will.“ Das ist,“ so Dr. Thiele, „ das Ergebnis einer Umfrage bei den Milchbauern.“ Das  Ergebnis der Milchstudie stand schon bei ihrer Verkündung auf  tönernen Füßen und ist heute durch die Entwicklung zur reinen Makulatur worden.  Und  wenn man sich so irrt wie Herr Dr. Holger Thiele, dann schweigt man lieber.

Die Philosophie eines zukünftigen Milchriesen

Ungeachtet dieser  Entwicklung, die durchaus marktwirtschaftlich zu erklären ist, wird ein weiteres Fass aufgemacht. Erstaunt nahmen rund 300 Bauern in einer Meierei-Versammlung in Wollingst zu Kenntnis, dass eine Elefantenhochzeit bevorsteht. Der  Humana Vorstandschef Rolf Janshen kündigte die Hochzeit der beiden Meiereien  Nordmilch und Humana an. Und dann folgte eine unternehmerische Offenbarung, die es in sich hatte:  Der Humana Chef erteilte allen Träumern von einem gerechten Preis in Verbindung mit einer Mengensteuerung eine klare Absage.“ Der Milchmarkt,“ so Janshen, „ sei lange liberalisiert, die Preise derzeit weltweit tief im Keller-binnen nur eines Jahres sind sie um fast 50% gesunken- und von der Politik hätten Bauern und Molkereien nichts zu erwarten. Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen, “ fügte Janshen noch hinzu. Die Hausaufgaben nach „Janshener Prägung“ bestehen im Wachsen der Molkereistrukturen. Aus einer dann besseren Verhandlungsposition gegenüber den Discountern lassen sich bessere Preise erzielen. Dabei  wies er auf Berechnungen von  Prof. Dr. Hannes Weindlmaier hin, der davon ausgeht, dass bei einer weiteren Konzentration der Milchindustrie sich höhere Preise von 1-1,5 Cent je Liter Milch rausholen lassen. Ob die höheren Preise dann an die Bauern weitergeleitet werden, ließ er offen.

Wir brauchen den Weltmarkt

„Aber mit Lidel und Aldi allein lösen wir das Problem der mageren Preise nicht, „ konstatierte Janshen. Der Weltmarkt muss es richten!  Ein Weltmarkt, der derzeit heftig umkämpft ist, weil sich die Konkurrenz in den USA, Südamerika, Indien und in Australien wieder offensiv am Weltmarkt beteiligt, wird als zukünftiger Tummelplatz für den neuen Milch- Riesen ausgemacht. „Wir wollen mitmischen,“ so das Kredo des Humana-Chefs. Wie das im Sinne der Milchbauern angesichts des Wegfalles der Exportsubventionen umzusetzen ist,  bleibt sein Geheimnis. Mit dieser Unternehmesstrategie setzt der Milchriese ganz auf Global - Wachstum.

Marktanteile sind wichtiger als der Milchgeldauszahlungspreis an die Bauern

Dabei nimmt er billigend Überproduktionen in Kauf, die ja zum heutigen Milchdesaster geführt haben und noch weiter führen werden. Mit anderen Worten: Dem Milchriesen geht es in erster Linie um seine Marktanteile im globalen Wettbewerb und nicht um die Absicherung bäuerlicher Existenzen.

Israel zeigt Vernunft

Im Gegensatz zu unseren Global-Fetischisten hat Israel 19.000 Kühe schlachten lassen. Sie wollen sich an dem Wahnsinsspiel der Überproduktion und damit des Preisverfalls nicht beteiligen. Ein Vorsatz, der auch bei uns Schule machen sollte. Aber davon sind unsere Experten noch weit entfernt. Die Bauern können – wenn sie denn wollen -  diese“ Herren „ zur Vernunft bringen.

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