Landwirtschaft : Absturz der Milchpreise und kein Ende ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Absturz der Milchpreise und kein Ende?

Die Luftnummer des Bauernpräsidenten

„Mit Luftnummern“, so Bauernpräsident Gerd Sonnleitner,“ werden wir uns nicht mehr zufrieden geben, “ erklärte Bauernpräsident Sonnleitner zu Beginn des Runden Tisches in Berlin. Nun hat der Präsident die Luftnummer. Aldi und Gefolge senken zum wiederholten Mal die Milchpreise zu Lasten der Bauern. Und was fällt Sonnleitner dazu ein? Er beschimpft die Discounter und bezeichnet sie als moderne Raubritter. Zitat Sonnleiters: „ Was mich an dieser Situation besonders ärgert ist die Tatsache, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel zum Krisengewinner mausert und den Druck auf die Preise erhöht.“

Der Bauernpräsident wird nicht mehr ernst genommen

 In dieser Aussage wird die Hilflosigkeit des Präsidenten deutlich, der zwischen Ursache und Wirkung nicht mehr unterscheiden kann. Es ist zu befürchten, dass er von den Gesprächspartnern nicht mehr ernst genommen wird. Die Handelspartner bestätigen mit Ihren Entscheidungen diese Befürchtung. Dabei hätte sich  der Präsident bei seinem Mitarbeiter Michael Lohse sehr wohl  über die Mechanismen des Marktes informieren können. Zitat Lohse: Grund für diese Entwicklung: „ Es ist zu viel Milch auf dem Markt, da die Kühe im Frühjahr mehr Milch geben. Weltweit haben die Bauern auf die hohen Preise der vergangenen Monate reagiert und mehr produziert- auch die Bauern in der EU, die seit dem 1. April mehr Milch erzeugen dürfen, weil die Agrarminister jüngst in Brüssel die Aufstockung der Milchquote beschlossen haben.“

Schlimmer geht`s nimmer!

 Insoweit dienen die Äußerungen des Bauerpräsidenten nur dem Zweck, die Bauernwut von den eigenen Fehlern abzulenken und in eine falsche Richtung zu leiten. Denn was der Bauerverband seinen Mitgliedern abverlangt, sich am Markt als Unternehmer zu positionieren, verweigert er dem Einzelhandel. Schlimmer geht`s nimmer!  

Die Milchindustrie setz auf Export und damit auf sinkende Erzeugerpreise

Erinnern wir uns: Um auf dem Weltmarkt weiter expandieren zu können, hat die Milchindustrie die Aufhebung der Milchquote aktiv mit unterstützt. PM des MIV von 2006: „Es sollte das frühzeitige und eindeutige Signal aus Brüssel an die Erzeuger und Verbraucher gegeben werden, dass die Milchquote zum genannten Termin (1.April 2015) ausläuft. Die Agrarreform ist  ein politisch gesetztes Faktum, auf dass sich alle Beteiligten einstellen müssen“. Flankierend dazu werden die Exportsubventionen abgebaut, damit sich der EU --Milchpreis an den Weltmarkt anpassen kann. Dabei setzt die Milchindustrie auf sinkende Erzeugerpreise für die Bauern, um am Weltmarkt weiter wachsen zu können. Zitat des Vorstandsvorsitzenden der Nordmilch, Stephan Tomat, zu den niedrigen Auszahlungspreisen seines Unternehmens: „Profitables Wachstum gibt es auch in der Milchwirtschaft nicht zum Nulltarif.“

Der Bauer bezahlt die Zeche

Im Klartext: Der Bauer bezahlt die Zeche! Auch die Restrukturierung der Nordmilch war bisher nicht erfolgreich. Obwohl 21 Standorte geschlossen und 37 % der Arbeitsplätze abgebaut wurden, hat sich das bisher für die Bauern nicht ausgezahlt. Auch der Bauernverband unterstützt diese Entwicklung: Zitat Sonnleitner: „Man sollte sich nicht von Umfrageergebnissen über eine angeblich wachsende Zustimmung für eine Fortführung der Milchquote  täuschen lassen. Bei genauem Hinsehen stellt sich heraus, dass die Unterstützung der Quote zumeist von aufgebenden Betrieben kommt.“

Wissenschaftler irren

Garniert wird das Ganze noch durch Gutachten der FAL und der BfEL, die zum Ergebnis kommen, dass die Selbstbeschränkung ( siehe Milchquote ) die Milchwirtschaft in Ihrer Wettbewerbsfähigkeit schwächt. Bei einer Quotenabschaffung könne der Umsatz der Milchverarbeitungsbetriebe um 2 Milliarden Euro gesteigert werden. In seinem Gutachten kommt u.a. Prof. Dr. Folkhard Iserlmeyer zu dem Ergebnis, dass im Zuge der Abschaffung der Milchquote die Erzeugermilchpreise weiter fallen werden. Er prognostiziert einen Milchpreis in Zukunft von 21-27 Cent/kg Milch. Wie falsch jetzt schon der Wissenschaftler liegt, zeigt der heutige Milchpreis. Dass Wissenschaftler irren, wissen wir spätestens seit der Finanzkrise.

Auch Prof. Dr. Hannes Weidelmaier konstatiert sinkende Milchpreise

Auch Prof. Dr. Hannes Weindelmaier von der Technischen Universität München hat zu dem Thema etwas zu sagen: „ Mehr Markt bedeutet, dass für die deutsche Milchwirtschaft zukünftig ein globaler Markt relevant ist. Nicht die Situation in der eigenen Region oder in Deutschland ist bestimmend für die Preise, sondern jene in der EU und zunehmend jene auf dem Weltmarkt. Wer mit Chancen durch das Wachstum der Nachfrage am Weltmarkt argumentiert, darf nicht verschweigen, dass die Nutzung dieser Nachfrageentwicklung bedeutet, wesentlich niedrige Preise am Weltmarkt zu akzeptieren“. Recht hat der Professor. Nur Recht allein genügt nicht, wenn alle Globalfetischisten die Gesetzmäßigkeiten des Weltmarktes ignorieren, bzw. diese nicht in ihr Wachstumskonzept passt. Eines ist klar:

Der Bauerverband macht sich mitschuldig am Bauernsterben

Die Wachstumsgier der Michindustrie nimmt keine Rücksicht auf bäuerliche Einkommen. Bedauerlich ist nur, dass der Bauerverband , Teile der Wissenschaft  und der Politik sich vor diesen Karren spannen lassen, wohl wissend, dass kein Milchbauer in Deutschland zu Weltmarkpreisen produzieren kann. Damit machen sie sich bewusst mitschuldig am Bauernsterben. 

 

 

Und wie reagiert Schleswig-Holstein?

 

Wachstum um jeden Preis !

Mit der Ausweitung der Milchproduktion um 60 Prozent! Bauernpräsident Schwarz: „Der Staat müsse sich den Aufgaben zuwenden, die der Markt nicht erfüllen könne. Dafür brauchen wir ihn und nicht als Mitspieler am Markt“ ( Quelle: Bauernblatt Nr.11). Hans Joachim Wendt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Stormarn: „Die Milchwirtschaft ist gefordert, die Molkereistruktur den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, denn in Schleswig-Holstein wird in Zukunft mehr Milch produziert“ ( Quelle: Bauernblatt Nr.11). Dazu Ulrich Goullan vom Bauerverband: „ Die Meiereien müssen sich in Zukunft  darauf einstellen, eine  steigende Milchmenge zu verarbeiten“ (Quelle: Bauerblatt Nr. 12). Bauernpräsident Schwarz: „Die Landwirtschaft verhalte sich  längst marktkonform, denn die katastrophale Marktlage gehe auf eine rückläufige Nachfrage zurück und nicht auf eine wachsende Produktion…. Doch habe Deutschland ein Sonderproblem, weil der Lebensmittelhandel sich als „Robin Hood“ der Verbrauer gebärde“. Schwarz weiter: „Wir sind für die Zukunft bereit. Wir haben derzeit eine existenzbedrohende Krise, aus der wir aber wieder herauskommen werden!  Die Betriebe haben sich längst auf den Weg aus der Krise gemacht. Es werde investiert, die Milch fließe in den Norden und die Jugend ist gut ausgebildet“ (Quelle: Bauerblatt Nr.16). Dazu der Vorstandssprecher der der Meierei Bramstedt: „Schuld daran hätten auch die Landwirte selbst. Die Bauern stöhnen immer. Jetzt, wo sie wirklich einen Grund dazu haben, hört ihnen keiner mehr zu“ ( Quelle Bauernblatt Nr.17).

Realitätssinn abhanden gekommen

Dieser Streifzug durch den Blätterwald des Bauerblattes macht eines deutlich, dass vielen Entscheidungsträgern in Schleswig-Holstein der Realitätssinn abhanden gekommen ist. Allein die Tatsache, dass die Präsidenten Sonnleitner und  Schwarz den Einzelhandel zum Buhmann abstempeln, ist ein Indiz dafür, dass es den Herren nicht mehr um Sachlichkeit geht. Fachleute des Bauerverbandes sehen das ganz anders ( siehe Michael Lohse).  Die darin auftretenden Differenzen sind ein Zeichen dafür, dass nicht alle im Bauerverband die“ gelenkten Meinungen“ ihrer Präsidenten vertreten. Bleibt nur zu Hoffen, dass in den Köpfen der Verantwortlichen  - auch in Schleswig-Holstein- die Vernunft einkehrt. Wie sagte Bauerpräsident Schwarz auf der Milcherzeuger-Vollversammlung in  Neumünster, bezogen auf den Preiskampf der Discounter, so treffend: „Hierbei verdient keiner mehr, auch  der Einzelhandel nicht“. Recht hat er!  Diese Aussage gilt aber auch für das vom Bauerverband, Wissenschaft und Politik propagierte Wachstum um jeden Preis. Nur das anzuerkennen, da fehlt dem Präsidenten Schwarz Mut und Rückrat.

Weitere Infos unter http://specht.over-blog.de   

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A
Sehr geehrter Herr Specht, hätte nur einer unserer sog. Bauernvertreter einen annähernd gesunden Menschenverstand wie Sie, wäre mir um die deutsche Milchwirtschaft nicht bange. Für hoffentlich weitere Kommentare ihrerseits zur angespannten Lage im Milchsektor schlage ich vor, daß für künftige Berichte über unseren "geschätzten " Bauernpräsidenten der Name "George W. Sonnleitner" benutzt wird, da seine Amtszeit ähnlich verheerende Folgen haben wird wie die seines amerikanischen "Namensvetters". Herzliche Grüße
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