Bundesministerin Ilse Aigner : Der offene Brief!
Karl–Dieter Specht
Landwirtschaftlicher Sachverständiger für das Gesamtgebiet der
Landwirtschaft
Karl-Dieter Specht
Dorfstraße 14
An die 23795 Högersdorf
Bundesministerin Ilse Aigner Telf. 04551/93628
(für Ernährung, Landwirtschaft u. Verbraucherschutz) Mail:karl-dieter.specht@online.de
Wilhelmstraße 54 http://specht.over-blog.de
10117 Berlin
Via Mail
Offener Brief an die Bundesministerin Ilse Aigner
Sehr geehrte Frau Ministerin Ilse Aigner,
unsere Milchviehbetriebe befinden sich in schwerem Fahrwasser und können aufgrund der Schlechtwetterlage kaum Kurs halten. Sie, die Milchbauern, steuern zum Teil ihren Betrieb blind durch die raue See, da ihnen (oft) die betriebswirtschaftliche Sicht fehlt, um in internationalen Gewässern den richtigen Kurs zu bestimmen bzw. zu halten. Nur wenn unsere Milchviehbetriebe über objektive Entscheidungskriterien verfügen, die nicht interessengesteuert sind, können sie ihre Lage richtig einschätzen und dementsprechend handeln und verbandspoltisch aktiv werden. Neben einer fundierten betriebswirtschaftlichen Ausbildung ist es besonders wichtig, dass sich der“ Milchbauer“ auch mit seinen Kollegen weltweit (international) vergleichen kann. Es geht also um einen Vergleich, der betriebswirtschaftlichen Anforderungen genügt, einheitliche Standards verwendet und damit erst internationale Standortbestimmungen der Milchviehbetriebe objektiv zulässt. Zum Glück gibt es eine solche Vereinigung schon. Ihr Name: IFCN - Es ist der Zusammenschluss internationaler Berater, Landwirte und Wissenschaftler, die jährlich einen Bericht (Dairy-Report) herausgeben, der die Lage der Milchviehbetriebe weltweit analysiert. Auf die Ergebnisse der jährlichen Berichte wird oft hingewiesen bzw. abgehoben, wenn es um die Einschätzung der europäischen und internationalen Milchwirtschaft geht. Auch ich nutze die vom IFCN herausgegebenen Dairy-Reporte, um in meinen Kommentaren und Vorträgen europäische wie internationale Zusammenhänge in Sachen Milchmarkt zu erläutern. Leider habe ich- und das gilt für alle interessierten Milchviehhalter gleichermaßen - nicht die Möglichkeit unentgeltlich auf die aktuellen Daten der Dairy-Reporte zurückzugreifen. Daraufhin schrieb ich an Herrn Dr. Torsten Hemme in Kiel ( Chairman oft the IFCN Dairy Network), unter welchen Voraussetzungen die Ergebnisse der Jahresberichte für Jedermann unentgeltlich veröffentlicht werden können. Hier die Antwort:
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Torsten Hemme [mailto:torsten.hemme@ifcndairy.org]
Gesendet: Samstag, 2. Oktober 2010 22:29
An: Karl Dieter
Betreff: Re: AW: IFCN-Report 2009/10
Hallo Herr Specht,
leider hat sich in der deutschen Milchwirtschaft - von den Verbänden + Ministerien - bisher niemand dazu bereiterklärt das IFCN finanziell zu unterstützen. Aus diesem Grunde sind wir
leider gezwungen den Report nur zu den vollen Produktionskosten abzugeben. Demnach liegt der Preis für den IFCN Report 2009 derzeit bei 950 Euro, der Dairy Report 2010 der in kürze erscheint kostet 2500 Euro.
Gerne hätte ich es gesehen, die aktuellen Ergebnisse ähnlich wie die des Dairy Report 2007 der Milchwirtschaft öffentlich zugänglich zu machen - dann würden wir aber all unsere Ressourcen verlieren und müssten die Arbeit des IFCN einstellen.
Viele Grüße aus den USA
Torsten Hemme
Erstaunt bin ich über die Aussage von Dr. Hemme, dass weder die Milchwirtschaft noch die Ministerien die Arbeit des IFCN unterstützen. Das gilt auch für Ihr Ministerium! Warum ist das so, werte Frau Ministerin? Benötigen wir in Zeiten des Umbruchs nicht verlässliches Zahlenmaterial, um unternehmerische Entscheidungen zu treffen? Gerade von den Landwirten fordern Sie unternehmerisches Handeln. Unternehmerisch handeln kann nur der, der auch freien Zugang zu den entsprechenden Informationen hat. Und dieser freie Zugang, so drängt es sich mir auf, ist für die Landwirte nicht gegeben!
Bitte ändern Sie das!
Mit freundlichen Grüßen
Karl-Dieter Specht