DLG-Präsident Bartmer : Profiteur der Zwangskollektivierung im Osten?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34 

DLG-Präsident Bartmer: Profiteur der Zwangskollektivierung im Osten?

1.000 ha sind ein überzeugendes Argument

Als Herr über 1.000 ha in Sachsen-Anhalt und zugleich „Wortführer“  und Präsident der  DLG  ist Carl-Albrecht Bartmer bekannt für seine griffigen Formulierungen. Er versteht sich als moderner Unternehmer, der eigenverantwortlich handelt, jedwede Markeinmischung durch den Staat ablehnt und einzig und allein auf Größe und Wachstum setzt.

 

Die seltsamen Ansichten des DLG Präsidenten

Deshalb braucht die Landwirtschaft keine Exporterstattungen und keine Interventionen.

Recht hätte er, wenn Bartmer im gleichen  Atemzug eine Produktionsanpassung an den Verbrauch gefordert hätte, denn Überschüsse lassen sich meistens nur mit Hilfe von Steuermitteln auf dem Weltmarkt absetzen, die wiederum den Weltmarktpreis „ flach“ halten. Gleichzeitig brauchen wir für manche Produkte (u.a. für Milch und Rindfleisch) einen Außenschutz, da die Bauern in einigen Bereichen nicht global wettbewerbsfähig sind. Da Bartmer keine Milch produziert, kann er natürlich  für die Milchviehbetriebe ebenfalls den freien Markt fordern.

 

Hat der Präsident noch einen Zugang zum bäuerlichen Familienbetrieb?

Die Äußerungen des Wortführers der DLG machen einmal mehr deutlich, dass Bartmer keinen Zugang zu den bäuerlichen Familienbetrieben hat (oder noch nie gehabt hat).  Dass er dabei die Zahlungen aus Brüssel für seinen Betrieb gerne einstreicht, sei nur am Rande vermerkt.

 

Wir brauchen eine neue Agrarpolitik!  - ohne bäuerliche Familienbetriebe ?

„Wir brauchen eine neue Agrarpolitik“, ist sein Credo.  Die ländlichen Räume, so Bartmer, haben wir geschaffen.  Bartmer:“Wir brauchen keine Preisschilder für Hecken Büsche und Feldränder.“

 

Ist Bartmer  Profiteur der Zwangskollektivierung?

Dass Bartmer in Sachsen-Anhalt über große landwirtschaftliche Flächen verfügt, ist nicht sein Verdienst oder dass der freien Bauern. Erst die Zwangskollektivierung durch den DDR-Staat hat solche  Flächengrößen ermöglicht. Diese Flächen liegen in ihrer biologischen Wertigkeit weit hinter den vernetzten Strukturen im Westen zurück.  Ökonomisch gesehen hat die Zwangskollektivierung gewisse Vorteile, die Bartmer für sich nutzt und sie auch gerne weiter in den „ Westen“ tragen will.

 

Bartmer will trotzdem Geld vom Staat kassieren

Bartmer will keine Einmischung des Staates, aber gleichwohl „satte“ Prämien des Staates kassieren, obwohl gutachterlich nachgewiesen wurde, dass die Wettbewerbsnachteile im Ackerbau max. 50 €/ha betragen.

 

Ministerpräsident Platzeck springt auch auf den Zug

Auf diesen Zug springt auch der brandenburgische Ministerpräsident Platzeck, der die Kollektivierung als  großen Vorteil im Wettbewerb der Länder um die besten Strukturen bezeichnet.

Dazu Matthias Platzeck (SPD), Ministerpräsident Brandenburg:
„Wir in Brandenburg können uns alle glücklich schätzen, dass mittlerweile in unserem Lande eine Agrarstruktur besteht, die leistungsfähig und wirtschaftlich erfolgreich ist. Übrigens, sie gehört zu den erfolgreichsten in Deutschland überhaupt, das gefällt nicht allen. Und dabei sind auch große Agrarbetriebe ein unverzichtbares Standbein unserer Brandenburger Wirtschaft.“ Quelle: Rundfunk Brandenburg

Insoweit feiert die Zwangskollektivierung im Nachhinein heute ihre fragwürdige Bestätigung.

Darauf sind die Akteure heute sehr stolz. Welch eine Ironie der Geschichte! Dieser ökonomische Vorteil darf aber nicht dazu führen, dass „der Westen“ seine Strukturen „dem Osten“ anpasst. Wie sollte er auch?  Durch eine zweite Zwangskollektivierung! – Oder ?

 

Der „Westen“ darf dem „Osten“ nicht alles nachmachen

Denn Landwirtschaft manifestiert sich nicht nur in der ökonomischen Ausrichtung sondern muss in gleichberechtigter Weise auf eine Biodiversität und Nachhaltigkeit Rücksicht nehmen, wie sie „der Westen“ in seiner Vielfalt vorhält. Da diese biologische Diversität keinen Marktwert hat, aber für eine nachhaltige Landwirtschaft von Bedeutung ist, muss dieser auch entsprechend honoriert werden.

 

Ein Ausgleich muss geschaffen werden

Deshalb ist hier ein Ausgleich zwischen „Ost“ und „West“ erforderlich. Nicht maximale Größe  in Verbindung mit maximaler Produktion ohne Markt ist das Gebot der Stunde sondern die Vielfalt bäuerlicher Wirtschaftsweise in allen seinen Größenordnungen  (natürlich leistungsbezogen) und eingebettet in ein nachhaltiges Wirtschaften.

 

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