EU-Kommission: Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben
EU-Kommission: Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben.
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Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Bekannt ist, dass die Inflation von Verschlägen und Statements zur zukünftigen Milchpolitik der EU noch lange nichts über deren Qualität und Durchführbarkeit aussagt. Die Halbwertzeiten solcher Vorschläge und Statements werden immer kürzer. Es vergeht (fast) kein Tag, an dem nicht eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Jüngstes Beispiel: Bei der nächsten Milchkrise sollen die Milchbauern auf freiwilliger Basis eine Entschädigung für nicht produzierte Milch erhalten .Wohl war- ein Geistesblitz -an dem die Milchbauern der USA schon gescheitert sind.
Kann man aus Fehlern Anderer lernen?
Gemäß den Erfahrungen der Amerikaner haben solche Modelle das Problem der Überproduktion nicht gelöst. Die unterschiedlichen Aufkaufaktionen, privat oder staatlich und mit viel Geld ausgestattet, sind „ausschließlich“ alle Im Sand verlaufen, da die produzierenden Milchbauern ihre Produktion weiter erhöht haben und somit alle Maßnahmen konterkarierten. Man kann also durchaus von den Amerikanern lernen! D.h. Im Klartext: Jede Maßnahme, gleich welcher Art, macht nur dann einen Sinn, wenn flankierend dazu eine Ausweitung der Produktion ohne Markt verhindert wird. Diese steht aber zurzeit nicht zur Debatte. Jedoch Hoffnung keimt auf!
Die Einsicht ist da! – Aber ?
In einer kontroversen Diskussion auf der MIV-Tagung in Bremen erklärte Lars Hoelgaard (Stellvertretender Generaldirektor Landwirtschaft bei der EU-Kommission):Es könne nicht sein, dass jeder Bauer so viel Milch produziert, wie er will. Als „perverse Reaktion“ bezeichnete er die Ausweitung der Produktion bei fallenden Milchpreisen. Der Milchmarkt müsse deshalb auch künftig eine „gewisse Regelung“ haben, Brüssel werde jedenfalls die Überproduktion zukünftig nicht mehr finanzieren. Das EU-Sicherheitsnetz werde bewusst niedrig bei 18 bis 19 Cent liegen (Quelle: MIV-Tagung in Bremen). Gerade gegen diese von Herrn Lars Hoegaard vorgetragenen „gewisse Regeln“, die ich auch nicht alle gutheiße (siehe meine Stellungnahme zum Diskussionspapier von Prof. Dr. Wendlmaier ), spuckte der MIV-Chef Dr. Engel Gift und Galle.
Die rhetorischen Eskapaden des Dr. Engel
Seine rhetorischen Eskapaden gipfelten in den Feststellungen: Der MIV-Vorsitzende Dr. Karl-Heinz E n g e l entgegnete Hoelgaard, die Mehrheit der Milcherzeuger wolle die Marktwirtschaft. Eine Minderheit äußere sich dagegen lautstark und habe ihre Meinungen bei Politik und Kommission positionieren können. Eine „systematische Marktsteuerung“, wie Brüssel sie offenbar anstrebe, sei ein Unding, erklärte Engel mit dem Hinweis auf das ökonomische Scheitern der DDR (Quelle:RVW).
Dr. Engel scheut die Wahrheit wie der Teufel das Weihwasser
Dr. Engel scheut die Wahrheit wie der Teufel das Weihwasser, wenn er behauptet, dass „seine“ Marktwirtschaft, um die geht es ja Dr. Engel , von der Mehrheit der Milcherzeuger getragen wird. Diese Marktwirtschaft a la Engel wird bis zu 75 Prozent der Milchbauer aus dem Markt drängen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich 75 Prozent der Milchbauern willenlos von Dr. Engel zur Schachtbank führen lassen. Ein Befragung der Milchbauern in Schleswig-Holstein durch den Landeskontrollverband hat ergeben, dass “nur“ 10 % der Milchviehbetriebe mäßig Wachsen wollen. Das heißt im Klartext: Die meisten Milchbauern verstehen mehr vom Markt als Dr. Engel, der auf Wachsen ohne Markt setzt.
Ein Vergleich, der hinkt!
Völlig aus dem Ruder läuft „sein“ Vergleich mit der DDR. Wenn ein Unternehmen überleben will, muss es den Markt beobachten und auf Marktschwankungen reagierten. D.h. wenn es die Marktalge erfordert, muss es die Produktion der Marktlage anpassen. Diese unternehmerischen Entscheidungen der Industrie in Sachen Produktionsanpassung fallen zu Hauf. In der Stahlindustrie, der Autoindustrie, in der Bauwirtschaft u.u.u werden Überkapazitäten abgebaut. D.h. man passt die Produktion der Marktlage an. Dieses Unterfangen nun als Unding zu bezeichnen und mit der DDR gleichzusetzen, entlarvt die wahren Absichten des Dr. Engel. Hier geht es knallhart um die Wachstumsambitionen der Milchindustrie, die nicht einsehen will, dass ihre abenteuerliche Exportpolitik (Drittländer) die bäuerlichen Milchviehbetriebe gefährdet.
Wo bleibt die Verantwortung des Vorstandes/Aufsichtsrates?
Und das pikante: Herr Dr. Engel ist Vorsitzender einer Genossenschaft. Was sagt denn der „ehrenamtliche Vorstand“ zu einer solchen Geschäftspolitik? Hat er überhaupt noch was zu sagen? Wo bleibt die Kontrolle des Aufsichtsrates? Die „Genossen“ müssen darauf eine Antwort geben!