Milchkrise: Achler von top agrar : Dann investiert mal schön!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 Milchkrise: Chefredakteur Achler von top agrar:   Dann investiert mal schön!

Mit salbungsvollen Worten, ohne jemals betriebswirtschaftlich konkret zu werden, reist Chefredakteur Bertold Achler durch die Lande und ruft zum gnadenlosen Wettbewerb auf. In Schleswig-Holstein fordert er die Michwirtschaft auf in die Vermarktungsoffensive zu gehen, wohl wissend, dass der Markt gesättigt ist und lobt dabei ganz nebenbei die Betriebsstrukturen, um dann in Süddeutschland die Turbobetriebe des Nordens mit über 200 Kühen als leuchtendes Beispiel einer fortschrittlichen Entwicklung zu preisen.  Anmerkung: In Schleswig-Holstein erreichen nur 0,6% diese Betriebsgröße(2007).

                                                 Turbobetriebe bestimmen das Tempo

 Diese Betriebe, so Achler, bestimmen das Tempo!  Nun  hat Achler  auch Oberbayern heimgesucht. Als Beispiel einer dynamischen Entwicklung wurde Manfred Kögel aus Ettringen im Allgäu auserkoren. Vom Nebenerwerbslandwirt hat er sich, so die Darstellungen, zum Haupterwerbslandwirt mit heute 100 Kühen gemausert. Mehr noch: Kögel bereitet sich schon hier und heute auf den Quotenausstieg vor und hat schon in weiser Voraussicht einen Bauantrag für weitere 100 Kühe gestellt. Im Tausch gegen Gülle kauft Kögel Silomais zu. Zur arbeitsmäßigen Unterstützung beschäftigt Kögel zwei Hilfskräfte. Eine beeindruckende Entwicklung, die aber nicht durch eine beglaubigte betriebswirtschaftliche Auswertung der Jahresabschlüsse des Betriebes Kögel belegt wurde. Warum auch ? Allein die Größe zählt! Hier muss Achler - wenn er denn überhaupt will – nachlegen!

Haben nur Eliten ihre Daseinsberechtigung?

Zwar ist es richtig, dass Leistungsreserven mobilisiert werden müssen. Jedoch gibt es unter den Eliten (so heißt rein zufällig auch ein Fachblatt von Achler) auch wiederum „gute“ und „schlechte „ Eliten“. Folgt man dieser „perversen Logik“ von Achle, dann können und dürfen nur die Eliten und davon nur die besten überleben. Der Betrieb Kögel, so wird von Achle unterstellt, soll ja ein  Leuchtturm in Bayern sein. Nach „ Achlers Lesart“ müssen dann von den 45.300 Milchviehbetrieben in Bayern leicht und locker mal 35.000( mindestens )Betriebe verschwinden.  Ganz einfach so!  Die Elite hat Vorfahrt! Gemessen an Schleswig- Holstein, deren Spitzenbetriebe Vollkosten in Höhe von 33,44 Cents/kg Milch aufweisen, erreichen nur 6 Betriebe aus Bayern die gleichen Werte. Und das Verblüffende: Diese Betriebe haben die gleiche Faktorenausstattung wie die in Schleswig-Holstein. Was sagt uns das? Neben den gewissermaßen noch zu verbessernden Leistungsunterschieden ist es ein rein strukturelles Problem.  Die Bayern sind genauso tüchtig wie die Schleswig-Holseiner.

 

Auch der Durchschnittsbetrieb muss überleben können!

 Dieses Problem nach der Lesart von Achler nun ökonomisch lösen zu wollen, ist ganz einfach absurd. Unterschiede jedweder Art beleben unser Gemeinschaftswesen und sollten beachtet werden. Nicht nur Eliten haben ein Recht aufs Überleben, sondern auch der Durchschnittsbetrieb muss das Ziel ebenfalls erreichen können! Und noch eines kommt hinzu:

 

Wo bleibt die kaufmännische Sorgfaltspflicht?

Als umsichtiger Agrarjournalist hätte ich von Achler erwartet, dass er nach dem Vorsichtigkeitsprinzip eines ordentlichen Kaufmanns auch auf die Gefahren hinwiesen hätte, die mit einer solchen Entwicklung verbunden sind. Der freie- sprich globale Markt- steht vor der Tür. Die Milchbauern haben hautnah gespürt, was das heißt,  die Milch in 2009 für 22,18 Cents im Schnitt/kg/Milch abliefern zu müssen. Die Milchbauern haben hautnah gespürt, was es heißt, Gesetze des Marktes zu ignorieren und weiter auf Überproduktion zu setzen. Auch wird nicht erwähnt, dass mit der Einführung der Einheitsprämie und der damit verbundenen Modulation den Bauern weitere Kürzungen der Direktzahlungen ins Haus stehen.  Alles das findet bei Achler keine Beachtung. Nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

 

Hält die EU-Agrarpolitik Kurs?

Diese Entwicklung,  man kann sie beklagen  oder nicht,  liegt ganz im Trend der EU-Agrarpolitik, die eine Spannbreite der Milchgeldauszahlungspreise für die nächsten Jahre von 23-24,4 Cents/kg/Milch voraussagt. D.h. im Klartext:  Nur Betriebe, die in der Vollkostenrechnung bei 23 Cents je kg Milch liegen, können hier mithalten, wenn man von den zukünftig abnehmenden Direktzahlungen an die Bauern mal absieht. Darüber hinaus ist eine solche Entwicklung aufgrund der unterschiedlichen Strukturen nicht möglich und auch nicht wünschenswert.

 

Sollen ganze Strukturen zerschlagen werden?

 Es sein denn, man will alles zerschlagen. Dann soll man es den Bauern klar und deutlich sagen! Da es aufgrund struktureller Gegebenheiten eine Wettbewerbsgleichheit zwischen den Regionen nicht gibt, die aber Voraussetzung ist, wenn alle Regionen ( Bauern ) gerecht behandelt werden sollen, müssen die Direktbeihilfen anders organisiert werden. Bei meinem Besuch im Allgäu konnte ich mich davon überzeugen. Insoweit ist es notwendig, dass es zu differenzierten Hilfen für die Betriebe kommt. Die Direktbeihilfen müssen so organisiert werden, dass sie mit zunehmender Betriebsgröße (Umsatz, Fläche, GVE u. AK muss diskutiert werden)  sukzessiv zurückgefahren werden. D.d. der wachstumswillge und wachstumsfähige muss sich immer mehr dem Markt stellen.

 

Geht die christlich humanistische Weltanschauung baden?

Mit der Glorifizierung des brutalen Wachstums in Verbindung mit dem Ausspielen der Regionen gegeneinander schaffen die Wachstumsfetischisten in den Dörfern ein Klima, bewusst oder unbewusst, das mit einer christlich humanistischen Weltanschauung nichts mehr zu tun hat. Hier kämpft bald jeder gegen jeden (unter Naturvölkern nennt das Kannibalismus).Einpeitscher sind schlechte Ratgeber! Pervertiertes Wachstum zerstört unsere Gemeinschaft. Das Ziel muss sein, möglichst vielen bäuerlichen Familienbetrieben das Überleben zu sichern.

 

Ohne staatliche Hilfe läuft nichts!

Ob groß oder klein, alle sind im Rahmen der Liberalisierung auf staatliche Hilfen angewiesen. Ohne diese Hilfe läuft nichts mehr in der Landwirtschaft. Angesichts dieser Tatsache ist Wachsen und Weichen um jeden Preis – möglichst noch mit Staatsgarantie- der falsche Weg. Gemäß den Empfehlungen des Europäischen Rechnungshofes sollten wir Lösungen finden, die diesen Vorgaben gerecht werden. Daran zu arbeiten wäre eine ehrenvolle Aufgabe. Dieser Aufgabe sollten sich die Agrarjournalisten stellen. Auch die  Deutsche Bank stellt sich mit ihrer Studie dieser Aufgabe!

 

 

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W
<br /> Was Herr Achler predigt, liegt ganz auf der Linie eines G.Westerwelle. Dieser hat ja vergangene Woche gemeint, die Deutschen müssten wieder lernen, die Nummer eins sein zu wollen. Die Zukunft<br /> gehört den Siegern! Kein Erbarmen mit den gescheiterten, sie sind selber schuld.<br /> <br /> Da kommt mir unweigerlich eine Filmszene in den Sinn. Wie antwortete doch der Schauspieler Bruno Ganz in der Rolle des Führers im Film "Der Untergang" auf die Frage, ob man nicht kapitulieren<br /> wolle, anstatt unschuldige Zivilisten sinnlos in den Tod zu schicken:" Das deutsche Volk hat den Kampf verloren. Es hat kein Recht mehr zu existieren......"<br /> Für mich sind die Parallelen in den Gesinnungen von damals und heute nicht mehr wegzublenden.<br /> <br /> <br />
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