Milchkrise: Geht es mit den Milchgeldauszahlungspreisen weiter aufwärts ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34 

Geht es mit den Milchgeldauszahlungspreisen weiter  aufwärts ?

Glaubt man dem Bauernverband, dann ist die Milchkrise überwunden und die Milchbauern können mit weiter steigenden Milchgeldauszahlungspreisen rechnen. Begründung: Die Zunahme der Milchproduktion ist moderat, das Exportgeschäft läuft und der Milchgeldauszahlungspreis liegt schon wieder bei 26,6 Cents/kg Milch. Und dann schiebt der Bauerverband nach: Für den DBV haben sich die aus seiner Sicht in Krisenzeiten unverzichtbaren agrarpolitischen Maßnahmen wie die Intervention für Magermilchpulver und Butter sowie Exporterstattungen als notwendig und richtig erwiesen. „Mit diesem Sicherheitsnetz konnten sich rund ein Jahr nach der Krise auf dem Milchmarkt die Preise für Milchprodukte deutlich erholen.

 

Verluste werden als Erfolg verkauft

 Bei Produktionskosten von zirka 39 Cents/kg Milch reibt sich der Sachkundige natürlich die Augen, wenn er liest, dass der Bauernverband einen nicht kostendendeckenden Milchpreis schon als Erfolg verkauft. Mehr noch: Zu diesem Erfolg, so der DBV, haben natürlich die  staatlichen  Interventions- und Exporterstattungen beigetragen. Ein stolzes Ergebnis! Zumindest wird mit diesem Erfolg das Sterben der Milchbauern etwas verlangsamt. Eines hat diese Entwicklung deutlich gezeigt: Ohne eine Mengenanpassung- wie sie auch immer gestaltet wird – ist alles nur Makulatur!  Natürlich wäre es zu wünschen, wenn es wieder weiter bergauf geht. Aber hilft der zur Schau gestellter Optimismus des DBV den Milchbauern weiter? Mitnichten !

 

Hat sich die Situation auf den Märkten wirklich verbessert?

Dazu der Milchindustrieverband: „Es wird eng am deutschen und europäischen Milchmarkt. Insbesondere auf der Fettseite fehlen entsprechende Sahne und Buttermengen. Die Preise werden deutlich ansteigen. Hoffentlich „rächt“ sich nicht der Verbraucher bei steigenden Abgabepreisen. Das Exportgeschehen ist auch flott ohne Exporterstattungen. Die Milchpreise werden langsam steigen unter Berücksichtigung der langen Zahlungsziele der Kunden der deutschen und europäischen Milchindustrie.“(Quelle:MIV)

Dazu die ife : Der Milchmarkt der EU ist zurzeit durch eine für diese Jahreszeit ungewöhnliche Festigkeit geprägt. Trotz zunehmender Milchmenge sind die Preise für Butter und Milchpulver auf dem Weg nach oben und bewegen sich deutlich über dem Niveau, bei dem die Kommission mit Interventionsmaßnahmen und Exportbeihilfen eingreifen müsste, so wie im letzten Jahr. (Quelle ife Ausgabe 2)

 

Die rosarote Brille hilft hier nicht weiter

Eine Entwicklung, die man losgelöst von anderen Einflüssen , unkommentiert so nicht stehen lassen kann. Zunächst einmal ist festzustellen, dass der Interventionspreis, zu dem der Staat Milch aufkauft, bei 21,50 Cents/kg Milch liegt. Also weit unter den Produktionskosten! Darüber hinaus hat der „weiche Euro“ die freundliche Entwicklung am Weltmarkt beflügelt.

                                        

                                                        Wie geht es denn nun weiter?

Glaubt man den Prognosen der Meinungsbildner, dann soll die Milch in diesem Sommer knapp werden. Eine „veröffentlichte Meinung“, die nun die Spekulanten auf den Plan ruft. Rechtzeit „zu diesem Ereignis“ bieten zahlreiche Broker Termingeschäfte für Milchprodukte an. Die Spekulanten wollen ja bei der angeblich beginnenden Milch-Hausse mitverdienen. Hier geht es nicht nur um Planungssicherheit für die Betriebe sondern um reine Spekulation mit den allseits bekannten Folgen. Spekulanten können den Milchmarkt kaputtmachen !

 

Auch am Milchmarkt tut sich einiges !

China rüstet weiter auf.  Um 500.000 Kühe stockt China seine Kuhherde 2010 weiter auf. China will in Zukunft in der Weltspitze mitspielen. Dabei wird China von der Milchindustrie Europas, den USA und Neuseelands kräftig unterstützt.

Fonterra, eine Genossenschaftsmolkerei in Neuseeland, schwört „seine Genossen“ auf die internationale Kostenführerschaft ein. Hintergrund: Fonterra rechnet in Zukunft mit einem harten Verdrängungswettbewerb auf dem Weltmarkt.

Weißrussland drängt mit Milchprodukten auf den europäischen Markt. Verhandlungen über das“ Wie“

laufen zurzeit. Die USA wollen ebenfalls ihre Exporte ausweiten. Sie wollen ihre Milch- Exporte um 12 Prozent  in diesem Jahr steigern.

 

                                                             Was sagt und das ?

Eine Entspannung am Milchmarkt,  wenn sie denn kommt, ist nur von kurzer Dauer. Die mittelfristigen Prognosen zeigen ein anders Bild, da die Milchexportländer weiter aufrüsten. Meinen Informationen nach nehmen  bei uns in Deutschland die Erstbesamungen wieder zu. Wenn diese Information belegt werden kann, ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Milchproduktion auch in Deutschland weiter steigt. Insoweit befinden wir in der Ruhephase vor dem nächsten Sturm !

 

 

 

 

 

 

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