Topagrar-Elite Magazin: Spielt die Elite-Redaktion der Milchindustrie in die Hände?
Topagrar –„Elite Magazin“: Spielt die Elite-Redaktion der Milchindustrie in die Hände?
Seit Jahren, so der Elite-Redakteur, (wer immer das sein mag!) pilgert er nach Sachsen, um im Rahmen von „betriebswirtschaftlichen Ergüssen“ neue Erkenntnisse zu erlangen. Und diese Erkenntnisse sind nach dem Bericht es Elite-Redakteurs nicht das „Gelbe vom Ei“. Mehr noch: Er zweifelt die dargestellten Zahlen der BZA (Betriebszweigabrechnung) an. Zwar kann ich die Zahlen nicht überprüfen, auch die Rechnungsabgrenzung zu den anderen Produktionsbereichen sind nicht bekannt; deshalb“ nur“ eine vorsichtige Bewertung, da oft Institute ihr eigenes Süppchen kochen und somit Vergleiche erschwert werden. Hinzu kommt, dass es sich bei der Auswertung um einen Mittelwert der letzten 5 Jahre handelt (in diesem Mittelwert ist auch die Hausse 2007 mit enthalten. Gemäß der als Anlage beigefügten Folie betrugen die Produktionskosten im Durchschnitt der letzten 5 Jahre 32,60 Cents/kg Milch. Dem steht ein durchschnittlicher Ertrag von 36,7 Cents/kg/Milch gegenüber. Im Ergebnis wird ein Gewinn von 3,7 Cents/Milch ausgewiesen. Das scheint das Ergebnis der der GuV-Ermittlung zu sein. Im zweiten Schritt hat man versucht ,unter Einbeziehung von Faktorenkosten, eine Vollkostenrechnung aufzumachen. Exkurs: Von diesem Gewinn (gemäß GuV Ermittlung) müssen dann noch die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, ev. Pachtansätze von Eigentumsflächen und der ( wenn vorhanden) Unternehmerlohn bedient werden. In einem Rechenvorgang, der sich mir auch nicht ganz erschießt, wird ein Verlust im Mittel der letzten fünf Jahre von 1,8 Cents/kg/Milch ausgewiesen. Durch gezielte Fragen des Elite-Redakteurs hätte man „Butter bei die Fische“ bringen können. Unter anderem wie:
Ø Veränderung des Eigenkapitals im Bewertungszeitraum
Ø Nettofremdkapitalveränderung im Bewertungszeitraum
Ø Bereinigt um außerordentliche Erträge/Verluste Im Bewertungszeitraum usw.
Leicht hätte der Elite-Redakteur die wirtschaftliche Lage der Betriebe erfragen können. Diese Chance hat er verpasst. Stattdessen stellt er die BZA infrage. Auch scheint ihm der Unterschied zwischen Gewinn und Vollkosten nicht ganz geläufig zu sein. Tatsache ist: Vom Gewinn kann keiner leben, wenn die Faktorenansprüche durch den erwirtschafteten Gewinn nicht abgedeckt werden. Insoweit spielt der Gewinn bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit der Betriebe nur eine untergeordnete Rolle
Eine Verschwörung wurde ausgemacht
Gleich wurde eine Verschwörung ausgemacht. Es wird eine für die Betriebe in Sachsen gute Situation schlecht geredet, damit die Molkereien nicht wieder die Milchpreise senken. Mehr noch: Wer glaubt dann noch an eine Forderung von 40 Cents/kg/Milch!
Warum macht sich der Elite-Redakteur nicht schlau?
Dabei hätte sich der Elite-Redakteur schnell schlau machen können. Als Bewertungsmaßstab von Produktionskosten ist einzig und allein die Vollkostenrechnung nach dem DLG-System anzusehen. Alle anderen Vergleiche sind interessengesteuert! Dieses wird zwischenzeitlich von (fast) allen Instituten anerkannt, und sie wenden das DLG-System an, um objektive Vergleiche zu ermöglichen. Auch ein Blick in die Kurzauswertung der Wirtschaftsergebnisse 2008/2009 des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes (Schleswig-Holstein) hätte genügt, um die aktuelle Lage der Milchviehbetriebe hautnah zu erfahren.
Kenndaten der DLG-Spitzenbetriebe in Deutschland
| Einheit | Region West | Region Ost | Region Nord | Region Süd | Durchschnitt(Gesamt) |
| Betriebe | 88 | 23 | 43 | 96 | 250 |
| Kühe/Betrieb | 132 | 336 | 160 | 90 | 139 |
| LN/Betrieb | 135 | 738 | 122 | 114 | 171 |
Daraus leiten sich folgende Produktionskosten ( Vollkosten gemäß DLG-System) ab
| Ergebnisse DLG-Spitzenberiebe | Region West Cents/kg | Region Ost Cents/kg | Region Nord Cents/kg | Region Süd Cents/kg | Durchschnitt
Cents(kg |
| Leistungen | 38,40 | 34,90 | 34,10 | 39,10 | 37,60 |
| Produktionskosten DLG-Vollkosten | 39,00 | 36,40 | 35,90 | 43,30 | 39,90 |
| Ergebnis Vollkosten | -00,60 | -01,5 | -01,8 | -4,20 | -2,20 |
Es handelt sich hierbei um die Jahresauswertung 2008/2009 der DLG-Spitzenbetriebe in Deutschland. Der durchschnittliche DLG-Spitzenbetrieb hat 139 Milchkühe Zum Vergleich: (Durchschnitt Deutschland (West)=38 Kühe/Betrieb, Durchschnitt Deutschland (Ost) 152 Kühe/ Betrieb, Durchschnitt Gesamtdeutschland 45 Kühe / Betrieb. Diese Streubereite macht deutlich, dass es „die Produktionskosten“ nicht gibt.
Auch Spitzenbetriebe brauchen 40 Cents/kg/Milch zum Überleben
Allein schon bei den Spitzenbetrieben, die nicht den Durchschnitt verkörpern, streuen die Produktionskosten von 34,10 Cents/kg/Milch (Ost) bis 43,3o Cents/kg/Milch(Süd) (z.T. strukturbedingt). Im Durchschnitt betragen die Produktionskosten gemäß Vollkostenrechnung 39,90 Cents/kg/Milch. Da es sich hierbei um die Creme de la Creme handelt, sind die Vollkosten der Durchschnittsbetriebe wesentlich höher. Diese werden zwischen 41 und 43 Cents kg/Milch liegen. Insoweit ist die Forderung nach 40 Cents/kg/Milch berechtigt. Auf der Grundlage der Vollkostenrechnung ermittelte man eine Deckungslücke von 2,2 Cents/kg/Milch. Legt man gemäß DLG-Tabelle den Jahreszeitraum (2003-2009) zugrunde, dann hat man die Vollkosten nur in den Jahren 2007/2008 erreicht. Die Industrie würde sich von solch einem Betriebszweig verabschieden, der nicht eine nachhaltige Kapitalverzinsung gewährleistet.
Die Fremdkapitalbelastung der Betriebe nimmt zu
Auch die Auswertung der Buchführungsabschlüsse spricht eine deutliche Sprache. Die Nettofremdkapitalveränderung entwickelte sich 2005/6 von Minus 3.000€ auf Plus 3.000 € 2006/7, auf Plus 4.000 € 2007/8 und in 2008/2009 auf Plus 20.000 € je Betrieb. Die Quintessenz der Geschichte ist:
Für den Durchschnittsbetrieb reichen keine 40 Cents
Der durchschnittliche landwirtschaftliche Milchviehbetrieb braucht dringend einen höheren Milchgeldauszahlungspreis, denn der heutige Milchgeldauszahlungspreis liegt noch immer 33 Prozent unter den benötigen Milchpreis zur Deckung der Vollkosten. Insoweit spielt der Bericht der Elite-Redaktion der Milchindustrie in die Hände!