Der Markt wird`s schon richten!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Bauernverband Schleswig-Holstein – der Markt wird`s schon richten!

Bauernverband: In Schleswig-Holstein werden derzeit ca. 2,5 Milliarden Kg Milch jährlich produziert. Die Jahresproduktionsmenge in Schleswig-Holstein steigt langsam aber kontinuierlich auch als Folge der europaweit einsetzenden Verlagerung der Milchproduktion an die Gründlandstandorte. Diese Entwicklung ist durch den Wechsel in der Agrarpolitik weg von einer gesicherten Marktordnung hin zum Markt gekennzeichnet. Während europaweit die Milchproduktion stagniert ist die Entwicklung in den einzelnen Regionen ganz unterschiedlich. Schleswig-Holstein mit seinen natürlichen und strukturellen Standortvorteilen profitiert von der Marktöffnung und baut die Milchproduktion aus.

Anmerkungen: Trotz einer tiefgreifenden Milchkrise, die die Existenz vieler Betriebe - auch in Schleswig-Holstein- infrage stellt, setzt der Bauernverband trotz Überproduktion weiter auf Expansion. Koste es was es wolle! Mittlerweile ist der Milchpreis bis auf 17 Cents/kg Milch abgesackt. Auch deshalb, weil mehrheitlich im Land nur Massenprodukte wie Milchpulver hergestellt werden, die auf dem Weltmarkt großen Preisschwankungen unterliegen. Trotz der Existenznot vieler Betriebe ist der Bauernverband- sprich das gut bezahlte Management des Verbandes - nicht bereit, in dieser schweren Zeit einen Kurswechsel vorzunehmen. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft mit der Milchindustrie.

Siehe auch mein Artikel vom 01.10. 2010 im Blog zu diesem Thema: „Thesenpapier des Bauernverbandes Schleswig-Holstein“

Hier: Ein Auszug

Anmerkungen: Zwar ist es richtig, dass Schleswig-Holstein ein guter Milchstandort ist. Aber - er ist nur einer unter vielen! Auf eine Produktionsausweitung der Milchmenge spekuliert nicht nur Schleswig-Holstein sondern fast alle Bundesländer sind mit von der Partie. Die Aussage Schleswig-Holsteins, man könne nach dem Wegfall der Quote leicht und locker 3.8 Milliarden kg Milch produzieren, hat alle anderen Bundesländer aufgeschreckt und mobilisiert. Wo und wie denn diese Mehrmenge, die bei der anzunehmenden Produktionsausweitung nach Quotenende keinen Markt findet, verwertet werden soll, bleibt das Geheimnis des Bauernverbandes. Die hauptamtlichen Strategen des Bauernverbandes müssen ja nicht melken und tragen somit auch nicht das Risiko. Auch die Zusammenarbeit des Bauernverbandes mit seinen Mitglieder – sprich den Milchbauern – ist eine Farce. Die Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e.V., die vom Bauernverband getragen und mit Mitteln der Milchindustrie verwaltet wird, finanziert die Milchindustrie. Natürlich – wie kann es anders sein -auf Kosten der Milchbauern. Dass bei dieser Konstruktion die Interessen der Milchbauern im Zweifelsfall auf der Strecke bleiben, versteht sich von selbst. Der unternehmerisch geführte Familienbetrieb kann nur überleben, wenn die Vollkostendeckung der Durchschnittsbetriebe in der Milchproduktion zur Regel wird. Mit der Kamikaze-Politik des Bauernverbandes Schleswig-Holstein wird gerade diese Regel zur Ausnahme gemacht(75 Prozent der Betriebe müssen „eben“ verschwinden).

Bauernverband: Verhältnis Meiereigenossenschaft/Mitglied: Die uneingeschränkte Andienungs- und Abnahmeverpflichtung in den Satzungen der Meiereigenossenschaften muss auch zukünftig das Verhältnis Milcherzeuger/Meierei prägen.

Anmerkungen: Die Genossenschaften gründen als Nebenbetriebe immer mehr Kapitalgesellschaften. Aus nur einem Grund: Man will die genossenschaftliche Mitwirkung ihrer Mitglieder aushebeln( siehe Hansano Arla/DMK). Trotz dieser großen Zusammenschlüsse, die ja zu besseren Milchpreisen für die Bauern sorgen sollten, haben sie Spitzenplätze in der Milchgeldauszahlung nie erreicht. Im Gegenteil: Sie dümpeln im unteren Bereich umher.

Dazu das Bundeskartellamt: Langfristige Verträge, 100‑prozentige Andienungspflichten und ein auch für den Lebensmitteleinzelhandel sehr transparentes Preissystem beschränkten den Handlungsspielraum der Landwirte. Dadurch würde der Wettbewerb der Molkereien um die Rohmilch möglicherweise eingeschränkt und eine wirksame Mengensteuerung über den Markt behindert, und das ginge zu Lasten der Landwirte.

Im Fokus seiner Untersuchung – beim DMK- stehen laut Bundeskartellamt vor allem lange Vertragslaufzeiten sowie die Andienungspflicht; dies sind Klauseln, die die Erzeuger verpflichteten, ihre gesamte Produktionsmenge vollständig an „ihre“ Molkerei zu liefern. Untersucht werden auch sogenannte Referenzpreissysteme, die dazu führen, dass die Preisänderung einer Molkerei umgehend entsprechende Preisänderungen bei anderen Molkereien nach sich zieht.

Bauernverband: Milcherzeuger: Der Milcherzeuger muss seine unternehmerischen Qualitäten ausbauen und eine strategische Betriebsausrichtung vornehmen; denn Milcherzeuger sein, heißt Unternehmer sein.

Anmerkungen:

Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass der Bauer seinen Betrieb im Griff haben muss. Für die Betriebsberatung stehen den Bauern eine ausreichende Anzahl von qualifizierten Beratern zur Verfügung. Die unternehmerische Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf betriebswirtschaftliche Aspekte. Gleich wichtig sind die unternehmerischen Tätigkeiten bei der Vermarktung der erzeugten Produkte. Diesen Teil der unternehmerischen Tätigkeit spricht der Bauernverband den Milchproduzenten ab. Das ist Sache der Meiereien. Der Bauer darf nur liefern und nicht verkaufen. Man darf gespannt sein, wie viele Bauern sich noch willenlos durch den Bauernverband zur Schlachtbank führen lassen.

Zum Schluss flattert mir noch eine Meldung ins Haus.

MOSKAU. Ein Konglomerat aus asiatischen Investoren baut unweit von Moskau eine Milchproduktion mit einer Investitionssumme von einer Milliarde US-Dollar auf. Die Vereinbarung wurde Mitte Mai beim Staatsbesuch des thailändischen Premierministers in der russischen Hauptstadt unterschrieben. Der Agrarkomplex im Gebiet Rjasan, etwa 200 Kilometer südlich von Moskau, soll Ställe mit insgesamt 80.000 Kühen, 40 bis 60 Tausend Hektar Ackerland zum Anbau von Futterpflanzen, ein Mischfutterwerk und eine Milchverarbeitungsfabrik über 400.000 Tonnen im Jahr umfassen. Die ersten 40.000 Kühe sollen bis Ende 2017 Milch produzieren, in drei bis fünf Jahren soll das ganze Projekt stehen(Quelle: Russland aktuell).

Anmerkungen: Der Bauernverband muss sich erklären, ob er und wie er dagegenhalten will. Denn immerhin kann Schleswig-Holstein noch über 1 Mrd. kg Milch mehr produzieren. Da ist noch viel Luft nach oben. Wen will der Bauernverband aus dem Markt drängen? Will der Bauernverband den Fehdehandschuh aufnehmen oder soll die Vernunft beim Bauernverband Einzug halten? Die Bauern warten auf eine Erklärung.

Deutscher Käse aus Woronesch

Projekte mit deutscher Beteiligung zielen eher auf die Verarbeitung: Das Deutsche Milchkontor (DMK), zu dem Marken wie Milram, Ravensberger und Oldenburger gehören, hat im Mai von der russischen Monopolbehörde die Genehmigung zur Übernahme mehrerer Käseproduzenten im Gebiet Woronesch erhalten. So könnte bald deutscher Käse, der bis 2014 nach Russland exportiert wurde, vor Ort hergestellt werden. Konkrete Investitionspläne gab DMK bislang jedoch nicht bekannt.( Quelle: Russland aktuell).

Anmerkung: Das DMK rollt die Front von hinten auf. Deutsche Exportprodukte werden langfristig von einem Unternehmen, das den deutschen Bauern gehört, in Russland hergestellt. Dadurch werden weitere Exportmöglichkeiten deutscher Agrarprodukte zunichte gemacht. So werden russische Fachleute durch ein genossenschaftliches Unternehmen, das deutschen Bauern gehört, für den Weltmarkt fit gemacht! Man lernt eben nicht aus! Schlimmer geht es nimmer!

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