Die Not der Flüchtlinge ausnutzen geht gar nicht!
Die Not der Flüchtlinge ausnutzen geht gar nicht!
Wie die örtliche Presse berichtet, gibt es einen Korruptionsfall im Kreis Segeberg. Ein Mitarbeiter des Kreises, ebenfalls Flüchtling, soll für die Vermittlung von einer Wohnung an Flüchtlinge Geld genommen haben. Zurzeit laufen die Ermittlungen noch mit einem offenen Ergebnis. Das ist ein Schlag in Gesicht der vielen ehrenamtlichen Helferinnen/Helfer. Das Korruption in unserer Gesellschaft passiert, können wir fast täglich den Medien entnehmen. Die Frage ist nur: Wird die Not der Flüchtlinge und anderer sich in Not befindlicher Menschen durch unsere Gesellschaft ausgenutzt?
Ein Streifzug durch das Internet gibt die Antwort.
NRW: Täglich kommen mehr Menschen nach NRW, die hier Schutz suchen. Und die Hilfsbereitschaft ist groß. Doch es gibt auch Fälle, in denen Menschen versuchen, Kapital aus der Not der Flüchtlinge zu schlagen. "Wir hören immer wieder, dass Leute in die Aufnahme-Einrichtungen gehen und versuchen, zu teure Handy-Verträge an die Flüchtlinge zu verkaufen", erzählt Antonia Kreul vom Flüchtlingsrat NRW. Auch Juristen tauchen auf, und bieten ihre Dienste als Anwälte an. "Die sind dann häufig zu teuer, oder die Anwälte sind gar nicht wirklich qualifiziert und kennen sich mit der Materie nicht gut aus", fügt sie hinzu. Gerade im Asylrecht müsse man sich gut auskennen, weil es beispielsweise um das Einhalten wichtiger Fristen geht.
Schleswig-Holstein: Elmshorn/Kiel | Ist es ein Vorgeschmack auf das, was auch andernorts droht, je mehr Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kommen? In Elmshorn gibt es Wirbel um Wuchermieten für Asylbewerber. Öffentlich gemacht hat dies Stadtrat Volker Hatje. Wie er gegenüber shz.de erklärt, hat ein Makler dem Sozialamt angeboten, Flüchtlinge in Wohnungen zum Rekordsatz von 23,90 Euro pro Kopf und Tag unterzubringen. Das entspricht je Person mehr als 700 Euro im Monat – macht bei drei Menschen in einer Wohnung schon mehr als 2150 Euro Einnahmen je Monat in der jeweiligen Wohnung. Normal ist in dem siebengeschossigen Wohnblock nach Einschätzung von Branchenkennern um die 600 Euro Miete pro Wohnung.
Berlin: Gewerberäume Privatleute und Firmen zweckentfremden ihre Räume, um sie ungenehmigt und zu überhöhten Preisen an Flüchtlinge zu vermieten. Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) vom Bezirk Mitte verurteilte diesen Trend kürzlich als inakzeptabel. Um den Anbietern den Geldhahn abzudrehen, müsse das Lageso auch hier eine "Weiße Liste" erarbeiten, forderte er. Wer darauf nicht aufgeführt sei, dessen Kosten dürften nicht übernommen werden, sagte von Dassel der "Berliner Zeitung".
Wohnungen Privatleute mieten bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Wohnungen zu marktüblichen Beträgen - um diese dann zu überhöhten Preisen entweder an das Lageso oder an Flüchtlinge weiterzuvermieten. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) erzählt von einem Unternehmer, der zahlreiche Apartments bei der Berlinovo angeblich für einen Filmdreh für 800 bis 1000 Euro mietete. Dem Lageso stellte er anschließend 10.000 Euro pro Wohnung in Rechnung.
Immobilien Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) erhält immer wieder Angebote von Privatleuten, ganze Häuser und ehemalige Büroflächen für Flüchtlinge anzumieten. Das seien "Goldgräber", sagt ein BIM-Sprecher. Sie riefen bei der BIM an, noch bevor ihnen die Immobilie überhaupt selbst gehöre. Angeboten werde das Haus dann zu völlig unwirtschaftlichen Preisen.
Caterer und Sicherheitsunternehmen Caterer und Sicherheitsunternehmen wenden sich initiativ an Betreiber von Flüchtlingsunterkünften - und bieten ihre Dienste für viel Geld an. Die überteuerten Angebote würden aber nicht angenommen, betonen mehrere Betreiber. "Wir haben jahrzehntelange Kontakte zu unseren Partnern", heißt es beispielsweise bei der Arbeiterwohlfahrt. Auch das Deutsche Rote Kreuz betont, in seinen Unterkünften würden Caterer und Sicherheitsfirmen zu marktüblichen Preisen angestellt.
Handyverträge Immer wieder werden Flüchtlingen viel zu teure Handy-Verträge angedreht. Die Verkäufer nutzen aus, dass die Menschen wenig deutsch sprechen und mit vielen organisatorischen Fragen überfordert sind. Weil sie nicht zahlen können, häufen sich die Schulden. In Berlin seien Flüchtlingen auch Kabelrouter verkauft worden, obwohl sie in den Unterkünften nicht mal eine Telefonbuchse hätten, berichtet die Organisation "Moabit hilft". Die großen Telekommunikationsanbieter seien inzwischen aber kulant und verzichteten oft auf Forderungen, wenn man sich an sie wende.
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das ist- ob man will oder nicht- ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Die Reduktion des Lebensglücks/der Lebenserfüllung nur auf materielle Werte, wie unsere Leistungsgesellschaft es den Menschen vorgibt, hat zu diesen Verwerfungen in unserer Gesellschaft geführt.