Deutsches Milchkontor – quo vadis?
Deutsches Milchkontor – quo vadis?
Deutsches Milchkontor:18. Mai 2016. „Die rund 9000 genossenschaftlich organisierten Bauern von Deutschlands größter Molkerei DMK GROUP fahren, als Reaktion auf den anhaltenden Preissturz an den internationalen Milchmärkten, ihre Milchmenge herunter. Vor diesem Hintergrund erteilt DMK Eingriffen in den freien Markt sowie in funktionierende Strukturen eine klare Absage.“
Anmerkungen: Nach Beendigung der Milchquote gaben die Milchbauern wieder Vollgas, trotz einer Überproduktion an Milch in Europa. Dies alles noch unterstützt durch Prognosen der EU.
EU: Zu diesem Ergebnis kommen Agrarökonomen der Europäischen Kommission in aktuellen Prognosen für den Zeitraum 2014 bis 2020. Danach soll sich das gewichtete EU-Mittel der Milchauszahlungspreise in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen etwa 30 Cent/l und 40 Cent/l bewegen - Preisschwankungen inbegriffen.“
Sie Wahrheit ist, seit Ende 2014 können die Milchbauern ihre Produktionskosten nicht mehr decken. Der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern befindet sich im Sinkflug. Zurzeit liegen die Milchgeldauszahlungspreise in manchen Regionen unter 20 Cents/kg Milch. Ein Ende ist nicht abzusehen.
Kompetenzzentrum Milch Schleswig-Holstein Die Analyse der Produktionskosten für Milch hat gezeigt, dass die Kosten innerhalb der letzten 14 Jahre einer hohen Volatilität unterlagen, aber in jedem Jahr, außer 1996 und 2009, die Gemein- und Spezialkosten durch den Milchpreis gedeckt werden konnten. Allerdings konnte in keinem Jahr der gesamte Aufwand des Betriebszweiges Milch gedeckt werden.
Die Wahrheit ist, dass unter globalen Wettbewerbsbedingungen auch Norddeutschland nicht wettbewerbsfähig ist. Es sei denn, die Betriebe verzichten auf die Entlohnung von Faktorenansprüche wie Arbeit, AfA, Verzinsung des Anlagekapitals usw. und sind bereit, Eigenkapitalverluste hinzunehmen.
Auch das DMK verkündete frohe Botschaft: Da im europäischen Markt nichts mehr zu holen ist, soll es nun der Export-vornehmlich in Schwellenländer- die über Geld verfügen, richten. Man investierte z. B. in Trockentürme, um die Überschüsse zu verarbeiten. In einem Segment, das keine hohe Wertschöpfung hat und international austauschbar ist. Die Vermarktung dieser Massenware geht nur über den Preis.
AMI:“Wenn es 2016 ähnlich liefe, dann wären die Preise erst im Frühjahr von 2017 wieder bei 30 Cent, allerdings zeichnet sich die dafür notwendige Erholung derzeit nicht ab. Das hohe Angebot drückt seit Monaten auf die Preise, so ließe sich beispielsweise im April an den Spotmärkten lediglich zwischen 15 und 16 Ct für ein Kilogramm Milch erzielen. Damit sind die Aussichten für die deutschen Milcherzeuger weiterhin trübe.“
DMK: Seit der ersten Aprilwoche bereits nimmt die von den DMK-Milcherzeugern angelieferte Milchmenge deutlich ab. Im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreswochen fiel die Milchanlieferung bei DMK von mehr als +3% auf aktuell -1 bis -1,5%, mithin um 4% zum Vorjahreszeitraum. Die DMK-Landwirte reagieren auf das Marktumfeld und drosseln ihre Mengen soweit möglich.
Die Wahrheit ist, dass Milchlieferanten des DMK wegen der seit Jahren geringen Auszahlungspreise gekündigt haben oder ihre Milchviehhaltung aufgaben.
„Die Probleme des Milchkontors( DMK )und seiner Mitglieder bleiben. Tausende Genossen leiden darunter, dass die größte deutsche Molkerei in der Auszahlung den Konkurrenten hinterherhinkt, und das schon lange. Über Jahre hinweg wurde immer wieder versprochen, dass es bald besser wird, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein Großteil der DMK-Mitglieder steckt in einer existenziellen Krise, und daran hat die Molkerei ihren Anteil.“ (Quelle Wochenblatt)
Die Wahrheit ist, dass die immer wieder getätigte Fusionen zur Vergrößerung des Unternehmens am schlechten Milchgeldauszahlungspreis für die Bauern bis heute nichts geändert haben. Man kann eben aus kranken Unternehmen kein gesundes machen(man ist durch Fusionen gewachsen und nicht durch Leistung).
Ursachen der Milchkrise liegen nicht nur auf der Angebotsseite
DMK:“Die Ursachen für die aktuelle, schwere Milchkrise sind vielfach beschrieben und leider nicht kurzfristig zu beheben: Allein im Jahr 2014 wurden am Weltmarkt rund 10 Mrd. kg mehr Milch als im Vorjahr angeboten. Grund dafür war jedoch nicht das Ende der Quotenregelung, sondern weltweit gute Voraussetzungen beim Futter und die noch hohen Abnahmen in Russland und in China. Diese Nachfrage und die bis dato weltweit positiven Marktaussichten sind plötzlich und drastisch eingebrochen: Hauptursachen waren die Wirtschaftskrise in China und das Embargo, das Russland als Reaktion auf die von der EU verordneten Sanktionen verhängt hat, und das mindestens bis zum Ende dieses Sommers anhalten dürfte.“
Die Wahrheit ist, dass die Kostenstruktur der deutschen Milchviehhalter sehr hoch ist. Sie können mit ihren Kollegen des Pazifik-Raumes, der von Nord.-und Südamerika nicht mithalten. D.h. die deutschen Milchbauern sind im globalen Geschäft immer nur zweiter Sieger. Hinzu kommt, dass die Importländer wie Russland, China usw. ihre Milchproduktion stark ausbauen. Natürlich- wie kann es anders sein- zu Lasten der Exporte. Dabei hilft das DMK kräftig mit.
Ein Weiteres kommt hinzu: Der Bauer tritt ja nicht selbst als Global-Player am Markt auf! Das überlässt er seiner Molkerei. Und die nimmt denBauern alle Milch ab ohne Preisgarantie. Das setzt die Meierei in die Lage voll auf Angriff zu setzen, da sie ja nur das an Milchgeld auszahlen muss, was am Ende übrig bleibt. Sie ist quasi gezwungen wegen der Abnahmegarantie der Milchmengen diese am Weltmarkt abzusetzen, da der Inlandsmarkt gesättigt ist.
Und da trifft das DMK auf Mitbewerber, die aufgrund der günstigeren Kostenstruktur ihrer Milchlieferanten, die Nase vorn haben. D.h. je mehr Milchprodukte das DMK exportiert, insbesondere Massenware, je weniger bekommt der Bauer für seine Milch.
„Die DMK-Landwirte reagieren auf den Markt mit sinkenden Mengen, aus eigenem Antrieb. Statt Eingriffe in ein funktionierendes – wenngleich für die Milchbranche auch noch sehr neues – freies Marktsystem vorzunehmen, appelliert DMK darum an die Politik, jetzt Ruhe und Umsicht zu bewahren und nicht in die Freiheit des Marktes oder in funktionierende Strukturen einzugreifen.“
Die Wahrheit ist, dass immer noch eine Überproduktion herrscht. Die Iren haben nochmals kräftig zugelegt, denn sie besitzen eine günstigere Kostenstruktur als die Milchbauern in Deutschland. Die Reduzierung der Milchmenge beim DMK ist nur eine Randnotiz. Wegen des jahrelang schlechten Milchgeldauszahlungspreises des DMK an seine Bauern, sind diese besonders gebeutelt und geben auf.
Der Festalten am freien Markt in Kombination mit unbegrenzter Milchabnahmegarantie für die Milchbauern führt in der Gesamtheit nicht zu kostendeckenden Milchpreisen für die Bauern, da der globale Markt das in der Regel nicht zulässt. Wer das bei seinen Entscheidungen nicht berücksichtigt, fährt einen ganzen Berufstand gegen die Wand und will eine Veränderung der bäuerlichen Kulturlandschaft.