Milchgipfelergebnis –und was nun?
Milchgipfelergebnis –und was nun?
Alle, die etwas mit Milch zu tun haben, bannten gespannt auf das Gipfelergebnis-und dann das!
Keine Rede mehr von der Verantwortung der Handelsketten, keine Rede mehr von der Verantwortung der Milchindustrie für diese Lage, von einer Anpassung der Milchproduktion an den Markt ganz zu schweigen– Fehlanzeige, obwohl der Minister schon zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die Überproduktion die Hauptursache ist.
Erkenntnis des Ministers: „Nach Auslaufen der Milchquote in einer schwierigen Anpassungsphase. Es ist schlicht zu viel Milchmenge auf dem Markt und zwar nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit und auch global. Erschwerend kommt das russische Embargo für Nahrungsmittel sowie eine sinkende Nachfrage aus den ölexportierenden Ländern sowie China hinzu. All dies führt dazu, dass das Angebot an Milch und Milchprodukten auf dem Weltmarkt derzeit die Nachfrage nach Milch und Milcherzeugnissen übersteigt. Das drückt auf den Preis. Nach Jahrzehnten der Regulierung befindet sich der Markt gerade in der Anpassungsphase.“
D.d. die Anpassungsphase – wenn ich den Minister richtig verstehe- bedeutet, dass ca. 50-70 % der Milchbauern aufgeben müssen. Die vom Minister angebotenen finanziellen Mittel reichen noch nicht einmal für die Beerdigungskosten der aufgebenden Betriebe. Für die noch „lebenden“ Betriebe reicht das noch nicht einmal bis zur nächsten Krise. Die kommt bestimmt!
Weiter: heiß es: “ In Ländern mit hohem Exportanteil wie Irland hingegen liegt der Milchpreis noch unter dem in Deutschland.“
Da haben wir`s: Was die Globalplayer, wie die Milchindustrie, der Raiffeisenverband und der Bauernverband verheißungsvoll verkünden, “ Der globale Markt ist unsere Zukunft“- bringt der Minister mit dem einen Satz ins Wanken! Wer also mit hohen Produktionskosten der Milchbauern -wie Deutschland- auf dem Weltmarkt in voller Schärfe mitmischen will, der kann das nur – wenn überhaupt – mit niedrigen Milchpreisen der Bauern machen. Man kann es auf die einfache Formel des Ministers bringen: Mehr Milchexporte – weniger Milchgeld für die Bauern!
Anmerkung: Die Beratung und insbesondere der Bauernverband haben den Milchbauern in Schleswig-Holstein zu Investitionen angeregt, da Schleswig-Holstein ein Gunststandort für die Milchproduktion ist und auch- wenn die Betriebe nur groß genug sind- wettbewerbsfähig für die Zukunft ist. Die Milch soll und wird, so die Wissenschaft, zu den Gunststandorten wandern.
Das war der Startschuss für die Globalisierer, die voll auf Angriff zu setzen. Anstatt wie zurzeit 2,8 Mrd.kg Milch zu produzieren, will man in Zukunft 3,8 Mrd.kg Milch produzieren. Wie diese Menge am Markt unterzubringen ist – na klar- nur durch Verdrängung! Wir sind ja Gunststandort, heißt es- den nutzen wir konsequent! Dabei werden Kollateralschäden billigend in Kauf genommen. Dass Mitbewerber nicht stillhalten, zeigt die jetzige Lage. Das fatale daran ist, dass Europa (Deutschland) nicht weltweit über die besten Produktionsbedingungen verfügt. Was dabei rauskommt - sehen wir jetzt!
Dass diese Strategie auf tönenden Füßen steht, spüren jetzt die Milchbauern am eigenen Leib. Sie sind der Milchindustrie und dem Bauernverband auf den Leim gegangen. Mit verehrenden Folgen für Mensch und Natur.
Dazu Milchbauer Lindemann aus Schleswig-Holstein:„Lindemann hat mit der Investition in seinen Betrieb so gehandelt, wie es die Agrarzeitschriften und Verbände jedem Landwirt geraten haben: Baut eure Betriebe aus, damit die Fixkosten auf mehr Tiere verteilt werden, hieß es vor dem Wegfall der Milchquote. Die Exportchancen nach Asien oder Russland verhießen gute Umsätze. Doch gerade aus diesen Wachstumsregionen ist die Nachfrage nun versiegt. Insofern ist die Macht des deutschen Einzelhandels, der als Sündenbock des Preisverfalls genannt wird, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn das Angebot ist deutlich zu hoch. Allein in Niedersachsen produzieren die Kühe mehr Milch als in ganz Deutschland konsumiert wird. Ein Großteil der Produktion geht deshalb zu niedrigen Preisen in Schwellenländer.“ Quelle: Hamburger Abendblatt
Für die Milchindustrie sind die Weichen schon lange gestellt. Das belegen die hohen Investitionen, die für die Globalisierung getätigt wurden. Anscheinend haben die Globalisierungfaniker den Minister überzeugen können – aber zu welchem Preis?
Wie kann es sein, dass ein Minister, der die Lage strategisch erkannt hat, so umfällt und damit der Milchindustrie, dem Raiffeisenverband und dem Bauernverband das Wort redet. Da gibt es nur eine Antwort: Er ist zum Steigbügelhalter der Milchindustrie usw. geworden. In meinen Augen ist er ein Depp, um nicht zu sagen ein Salonlöwe, der seine Fahne nach dem Wind richtet!
Den Milchbauern sei gesagt: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren- wer kämpft, kann verlieren!