Milchkrise – ist der Verstand und die Vernunft noch mit im Spiel?
Milchkrise – ist der Verstand und die Vernunft noch mit im Spiel?
Wegen erheblicher Absatzprobleme durch die Überproduktion hat die Kommission das ursprüngliche Interventionsvolumen von 50.000t Magermichpulver über 218.000t bis jetzt auf 350.000 t ausgeweitet. Zurzeit sind 296.500 t Magermichpulver eingelagert. Zusätzlich finanziert die EU die private Einlagerung von Butter in einer Größenordnung von 100.000 t, davon 20.000 t in Deutschland.
Dieser erhebliche Lagerbestand verschwindet nicht einfach so – nein- diese Mengen kommen wieder auf den Markt und machten eine langfristige Markterholung nur schwer möglich. Die nicht vermarkungsfähige Milch, die zu Magermilchpulver und verarbeitet wird, hat eine Negativwertschöpfung, egal wohin es geht. Gemäß den Berechnungen des ife- Institut ist die Verwertung über die Intervention für die Milchbauern nicht kostendeckend, da sich daraus ein ab Hof-Preis von 19,7 Cents/kg ergibt. Zur Deckung der variablen Kost sind aber 31,4 Cents/kg nötig. Wird die Intervention mangels Markt bedient, dann erhalten die Meiereien einen Referenzschwellenwert von 169,80€ je 100k für Magermilchpulver. Abzüglich aller Kosten ergibt das ein Verwertungspreis der Magermilch von zirka 15 Cents/kg. Eine für die Milchbauern negative Wertschöpfung.
Das Milchtrockenwerk Neumünster informiert:
„Wir verarbeiten schon kleine Mengen Milch zu Magermilchkonzentrat“, erklärt Projektleiter vom Ingenieurbüro DIHH aus Bad Segeberg. In der zweiten Märzhälfte soll das Milchtrocknungswerk mit der Pulvermilchproduktion beginnen. „Wir sind komplett im Zeitplan“, sagt der Architekt. Baubeginn für den Giganten war im Juli 2012. Sobald alles läuft, sollen pro Jahr 570 Millionen Kilogramm Milchpulver aus der Magermilch entstehen, die in den vier Meiereien anfällt. In dem Werk werden rund 50 neue Arbeitsplätze geschaffen (Quelle shz)
Geht man von 60.000t/a aus, dann ist das Milchtrockenwerk nach jetziger Marktlage ein Verlustbringer für die Milchbauern. Gebaut wurde das Milchwerk, um nicht am Markt absetzbare Milch zu Pulver zu verarbeiten. Dazu der Genossenschaftsverband: „
Neumünster, den 11.06. 2012: „Mit dem heutigen ersten Spatenstich des Kooperationsprojektes der genossenschaftlichen Meiereien Barmstedt, Schmalfeld-Hasenmoor und Wasbek sowie der Uelzena, Uelzen, wird ein neues Kapitel in der schleswig-holsteinischen Molkereigeschichte aufgeschlagen: Eines der europaweit modernsten Milchtrocknungswerke verarbeitet in Zukunft einen Teil der überschüssigen Milchmengen der beteiligten Kooperationspartner zu Milchpulver und Milchpulverspezialitäten.“
Es ist unglaublich, da werden 64Mil. € investiert in eine Verwertungsschiene, für die man keinen Markt hat und den Milchbauern nur Verluste einfährt. Ein riskantes Spiel, wenn man weiterhin auf Intervention setzt als letzen Markt-Ausweg - immer zu Lasten der Milchbauern. In Europa ist der Markt voll und nicht mehr aufnahmefähig!
Seit dem schrammt der Weltmarktpreis für Magermilchpulver am Interventionspreis entlang. EU-Märkte kann man nur noch durch Verdrängung erschießen und das geht bei Magermilchpulver nur über den Preis!
Das Ansinnen der Molkereistrategen ist, die Milch nach Norddeutschland zu holen- dem Gunststandort- und setzt voll auf Expansion: Auch wenn die Wertschöpfung nicht stimmt! Man hat ja jetzt das Milchtrockenwerk als Resteverwerter.
Da spielen andere Regionen nicht mit. Irland, ebenfalls ein Gunststandort, hat die Milchproduktion um 18% erhöht. Mit einem gewaltigen Vorteil; die Farmer dort produzieren die Milch viel günstiger als deutsche Milchbauern. – Eben ein Gunststandort – und so gibt es viele Gunststandorte!
Was das für die Milchbauern bedeutet, wird zurzeit den Milchbauern vorexerziert. Bleibt nur noch der (globale) Weltmarkt. Und da sieht es düster aus. Gerade im Bereich der“ No Name Produkte“ -wie Milchpulver - ist eine höhere Wertschöpfung nicht gegeben.
„Die Exporte von Magermilchpulver auf den Weltmarkt konnten 2015 weiter gesteigert werden. Sowohl Deutschland wie auch die EU insgesamt haben erneut höhere Mengen exportiert als im Vorjahr. Dennoch war der Markt nicht ganz im Gleichgewicht. Erstmals seit 2009 muss die Intervention zur Marktentlastung in Anspruch genommen werden:“
Zu keiner Zeit haben die Erlöse auf dem Weltmarkt in diesem Segment gereicht, um für die Milchbauern einen ausreichenden Milchpreis zu erzielen. 2015 wurden 355.777 t Magermichpulver exportiert. Das sind 7,5 % mehr als 2014. 23,5 % davon gingen in Drittländer. Eine Zunahme in einem Segment, das keine positive Wertschöpfung für die Milchbauern erlaubt.
Das war und ist bekannt und dennoch wurde dieser Weg beschritten. Die Gründe dafür liegen in der „Überschätzung des Weltmarktes“ in Verbindung mit einer Milchanlieferung „ohne Obergrenzen“, die jetzt in Form von Existenzbedrohungen auf die Milchbauern zurückschlägt. Für einen ausgeglichenen Markt zu sorgen ist das Gebot der Stunde. Wer legt die Milchindustrie an die Kette?
Eine Unternehmensphilosphie, die voll auf Expansion setzt und zwar in Bereichen, die keine oder nur eine geringe Wertschöpfung erlauben, setzt bewusst die Existenz der Milchviehbetriebe aufs Spiel.