Wird es Schleswig-Holstein in Zukunft nur noch 1.000 Milchviehbetriebe geben?
Wird es Schleswig-Holstein in Zukunft nur noch 1.000 Milchviehbetriebe geben?
Nach einer Einschätzung der Universität von Kopenhagen werden in Dänemark zwei Drittel der Milchviehbetriebe über die Wupper springen. In Deutschland würden von 71.302 Milchviehbetrieben nur 23.500 Betriebe übrig bleiben.
Auf Schleswig-Holstein bezogen werden in naher Zukunft von zirka 4.000 Milchviehbetrieben 2.700 Betriebe ihre Milchproduktion aufgeben, sich anderen Geschäftsfeldern zuwenden oder ihre Flächen verpachten. Der Kuhbestand wird im Durchschnitt der Betriebe auf 298 Kühe je Betrieb steigen. Die Weidehaltung der Kühe wird weiter abnehmen und es kommt zur Ganzjahresstallhaltung.
Nach Angaben der Wissenschaftler entscheidet die persönliche Qualifikation des Betriebsleiters über die Zukunft des Betriebes. Einer ist schon mit 80 Kühen überfordert; ein Anderer schafft über 200 Kühe.
Hinzu kommt, dass die von der EU geplante freiwillige Mengenreduzierung sich zu einem Rohrkrepierer entwickeln wird.
Nach dem Motto: Alle begrüßen die Entscheidung, aber kaum einer macht mit! So auch der FDP-Landwirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, der durch sein Veto eine Reduzierung ablehnt. Auch die EU-Länder sind in dieser Sache zerstritten, was der Genossenschaftsverband zum Anlass nimmt, diese Stellungnahme abzugeben
:“Die Einführung einer nationalen Mengenbegrenzung lädt im grenzüberschreitenden Milchmarkt ausländische Anbieter ein, die Exportmenge zu erhöhen. Die Situation der Milcherzeuger würde sich dadurch lediglich weiter verschlechtern.“ Also kann man schon jetzt die Mengenreduzierung beerdigen.
Es geht zu wie im Haifischbecken. Wer zuerst eine Schwäche zeigt wird gefressen. Von einem gemeinsamen Handeln ist man weit entfernt. Da hört sich gerade die Nachricht der Milchindustrie verheißungsvoll an:
„Der Milchmarkt stabilisiert sich. Insbesondere im Käsemarkt haben sich die Preise nach oben entwickelt. Dennoch wird die Intervention in Deutschland bei Pulver weiter in Anspruch genommen. Die Erzeugerpreise werden im Herbst deutlich anziehen.“
Eine gezielte Meldung der Milchindustrie mit sowohl als auch, die eh von der Mengenregulierung nichts hält. Auf diesen Zug springen, so ist zu vermuten, viele Milchviehbetriebe auf, denn sie wollen beim nächsten Preishoch voll mit dabei sein und hoffen, dass in der Zwischenzeit einige der Berufskollegen aufgeben.
Das kann eine trügerische Hoffnung sein, angesichts der zukünftigen Entwicklung auf dem Weltmarkt.
Hier stehen die Beruftskollegen aus den Gunstregionen der Welt schon in Wartestellung und werden den deutschen (europäischen) Milchbauern den Preis vorgeben. Wie dieser dann aussieht, lehrt die letzte Milchkrise.