Milchkrise: Außer Spesen nichts gewesen!
Milchkrise: Außer Spesen nichts gewesen!
Die Bundesagrarministerkonferenz in Rostock hat nichts gebracht, was man noch nicht kannte. Die Agrarminister waren sich in einem Punkt einig, dass sie sich nicht einig sind. Man einigte sich im Milchsektor auf Allgemeinplätze, die konsensfähig waren.
Die angestrebte freiwillige Mengenreduzierung gegen Ausgleichszahlungen entwickelt sich zum Rohrkrepierer. Man verweist auf Europa und da ist auch keine Lösung in Sicht. Man will, so die Minister, die Molkereien in die Pflicht nehmen.
Diese sind in ihrer Mehrheit genossenschaftlich organisiert, also von den Milchbauern selbst. Und diese scheinen nicht bereit zu sein, den ersten Schritt zu gehen. Zu stark ist die Konkurrenz und das Wettbewerbsdenken unter den Meiereien, denn jede meint, sie überlebt, was ein Trugschluss. Am Ende leiden und verlieren alle.
So wird das Höfesterben weitergehen, wenn nichts geschieht. Und danach sieht es zurzeit nicht aus, denn die Milchpreise steigen wieder, was dazu führt, dass der Wille zu einer vernunftbegabten Lösung abnimmt. Natürlich nur bis zur nächsten Milchkrise. Dann wird wieder nach dem Staat gerufen.
Das dabei in bäuerliche Kulturlandschaft, die doch angeblich alle so lieben, vor die Hunde geht, interessiert nur am Rande.
In den letzten 10 Jahren hat der Durchschnittsbetrieb in SH, um den geht es ja, bis auf 2 Jahre, gemäß der Vollkostenrechnung der Landwirtschaftkammer, nur Verluste eingefahren. D.h. die Mehrzahl der Betriebe lebt seit Jahren von der Substanz.
Trotz dieser negativen Entwicklung wurde die Milchproduktion in SH immer weiter erhöht( das gilt auch für andere Bundesländer). Und das zum Teil auf Kosten der Steuerzahler, die ja die Stützungskäufe und eingeleiteten Finanzierungshilfen für die Milchbauern finanzieren.
Trotz dieser finanziellen Hilfe des Staates hat sich die Lage der Milchbauern nicht verbessert. Im Gegenteil: eher verschlechtert! Produktionsanreize für einen Markt zu geben, der gesättigt ist und das mit einer staatlichen Absicherung, kann nicht die Zukunft sein. Hoffnung allein auf bessere Zeiten ist keine Strategie, die den Milchbauern heute weiterhilft.
Wenn die Milchbauern in Zusammenarbeit mit der Milchindustrie nicht in der Lage sind, das Problem der Überproduktion zu lösen, dann muss der Staat gesetzlich eingreifen. Es kann nicht sein, dass weiter am Markt vorbei produziert wird ,und dann im Notfall der Staat finanziell eingreifen muss.
Analog des Mindestlohnes müssen die Molkereien gesetzlich verpflichtet werden, den Milchbauern einen Milchgeldauszahlungspreis zu garantieren, der sich an den Produktionskosten orientiert. Und diese liegen in Schleswig-Holstein bei ca. 32 Cents/kg Milch.
Eine solche Maßnahme hätte zur Folge, dass die unkontrollierte Milchmengenproduktion durch die Realität des Marktes eingefangen würde. D.h. im Klartext: Die Meiereien können nur die Milchmengen von ihren Lieferanten abnehmen. , die sie auch am Markt zur Erzielung des gesetzlichen Auszahlungspreises an die Lieferanten auch erwirtschaften können.
Das heißt auf der einen Seite, dass die Milchbauern mit (fast) kostendeckenden Milchpreisen rechnen können und damit eine gewisse Sicherheit erlangen. Der Strukturwandel wird gebremst, jedoch nicht ganz verhindert.
Auf der anderen Seite muss die Milchproduktion dem Markt so angepasst werden, dass die Meiereien den festgelegten Milchgeldauszahlungspreis auch erwirtschaften können.
Es macht also keinen Sinn mehr für die Intervention zu produzieren. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen
Jene Molkereien, die mehrheitlich Massenprodukte (Milchpulver) gleich Interventionsware produzieren, müssen sich auf die neuen Gegebenheiten des Marktes einstellen. Je nach Art der Wertschöpfung wird das für manche Betriebe harte Einschnitte geben, die aber in Kauf zu nehmen sind, wenn dadurch langfristig den Milchbauern und der Natur geholfen wird.
Damit sich die Molkereien und die Milchviehbetriebe auf die für sie neue Situation einstellen können, sind Übergangszeiten von zwei Jahren einzuplanen. In dieser Übergangszeit ist eine Unterstützung des Staates notwendig.
Mit einem solchen Modell wird sichergestellt, dass der Weltmarkt nur dann bedient wird, wenn die am Weltmarkt erzielte Wertschöpfung den Milchbauern einen auskömmlichen Milchpreis sichert. Das Erringen von Weltmarktanteilen zu Lasten der Milchbauern – wie bisher- würde dann nicht mehr möglich sein.
Ein Modell, das zumindest diskussionswürdig ist!