Milchkrise: Mit Kuhverstand durch die Milchkrise?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Milchkrise: Mit Kuhverstand durch die Milchkrise?

Trotz der Milchkrise will ein Landwirt aus Sachsen weiter wachsen. Er plant einen Stallneubau und will von zurzeit 380 Kühe auf 540 Kühe aufrüsten, trotz des Milchpreises von 22,3 € je Liter. Und das Überraschende: Sein „Kuhverstand“ soll ihm dabei helfen. Was eine Selbstverständlichkeit ist für das Wohlbefinden der Kühe zu sorgen, erhebt er zum Evangelium. Er will sich, so sein Ansinnen, in die Lage einer Kuh versetzen und nach dem Wohlbefinden der Kuh handeln. Damit glaubt er die notwendigen Einsparungen zu erzielen, um im Wettbewerb mithalten zu können. Die 540 Kühe sollen von 10 Melkrobotern gemolken werden. Also im Wachstum sieht er die Lösung. D.d. im Klartext: Er setzt auf einen Verdrängungswettbewerb. Und mit dieser Unternehmensphilosphie steht er nicht alleine da.

Auch Bauernpräsident Schwarz aus Schleswig-Holstein ist ebenfalls mit von der Partie. Er will, dass die Betriebe weiter wachsen. Die Milchkrise sieht er nur als Momentaufnahme. Ansonsten müssten die Betriebe noch wirtschaftlicher werden, denn Schleswig-Holstein ist Gunststandort. Die besten 25% der Milchviehbetriebe in SH, die der Rinderspezialberatung angehören, haben in 2013/14 variable Produktionskosten je kg Milch von 28,16 Cents gehabt. Das ist also der Betrag, der notwendig ist, um die laufenden Kosten zu decken Einschließlich Festkosten betragen die Produktionskosten 39,42 Cents. Eben Gunststandort!

Die Frage ist nur, auf welche Kosten will er wachsen? Deutschlandweit betrachtet kann er nur die Bauern in die anderen Bundesländer meinen. Ob die das ohne Gegenwehr einfach so hinnehmen. Zweifel sind angebracht. Insbesondere dann, wenn Landschaftselemente und bäuerliche Strukturen der Ökonomisierung zum Opfer fallen.

Und wie sieht es europaweit aus? Da melden sich die Iren eindrucksvoll zu Wort. Sie haben nämlich seit Ende der Milchquote ihre Milchproduktion um 18% erhöht und wollen weiter wachsen. Aufgrund ihres günstigen Klimas können sie die Milch um bis zu 5 Cents/kg Milch günstiger produzieren. Eben Gunststandort !

Und wie sieht es weltweit aus? Die Länder außerhalb der EU können es noch besser! In den für uns wichtigsten Staaten der USA, Neuseeland; Argentinien und Australien liegen die Produktionskosten deutlich günstiger. Sie liegen weit unter 30 Cent/kg Milch. Eben Gunststandorte!

Da der europäische Markt gesättigt ist, muss exportiert werden. Das kann nur über den Preis oder über die Qualität gehen. Angesichts dieser Ausgangslage ist es zu bezweifeln, dass die Milchwirtschaft für die Milchbauern im internationalen Wettbewerb auskömmliche Preise erwirtschaften kann.

Dass das bisher leidlich geklappt hat lag daran, dass der Staat durch Exporthilfen und Zuschüsse finanzielle Notlagen der Milchbauern abgemildert hat.

Das wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Milchbauern und die Milchindustrie müssen sich auf die weltweit reale Marktsituation einstellen. D.d. die Menge muss runter! Die Wertschöpfung muss durch entsprechende Produkte erhöht werden, sonst ist ein Wachstum nicht möglich. Ein weiter so, auf Kosten der Steuerzahler, darf es nicht geben. Verbandsfunktionäre, die die Mär vom unbegrenzten Wachstum propagieren, müssen abgelöst werden.

Dieses Wachstum zerstört nicht nur die Landwirtschaft in Afrika, sondern auch die Milchbauern in der EU können zu Weltmarktpreisen nicht produzieren, denn aus dem importierten Milchpulver der EU lässt sich für zirka 30 Cents/1kg Trinkmilch herstellen. Ein Preis, der die Milchwirtschaft in Afrika stranguliert und nicht mal die Produktionskosten der Milchviehbetriebe in der EU deckt.

Wie lange hat der Wahnsinn auf Kosten des Steuerzahlers noch Methode?

)

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
O
Vielleicht liefert dieser wachstumswillige sächsische Kollege ja an die Sachsenmilch in Leppersdorf. Die lobt nämlich einen Milchpreiszuschlag von 3 Cent pro Liter für diejenigen Lieferanten aus, die jetzt die Milchmenge steigern. Damit unterläuft sie das Mengenreduzierungsprogramm des Bundes und versucht das zarte Pflänzchen der Milchpreiserholung wieder in Mehrmenge zu ersäufen. Selten wurden die vollkommen entgegengesetzten Interessen von Milchbauern und Molkereien deutlicher!
Antworten
K
Hallo Herr IIchmann !<br /> Sachsenmilch!<br /> „Die zur Müller-Gruppe gehörende Sachsenmilch GmbH zahlt ihren Milcherzeugern ab Oktober einen um drei Cent höheren Kilopreis – und zusätzlich einen Bonus, wenn sie mehr Milch als im Vorjahreszeitraum liefern. Erzeuger, die im vierten Quartal 2016 mehr Milch an das Milchwerk in Leppersdorf liefern, als im gleichen Zeitraum 2015, erhalten auf die Mehrmenge einen Zuschlag von drei Cent je Kilogramm. Die Mehrliefermenge würde somit einschließlich aller Zuschläge mit fast 32 Cent je Kilogramm vergütet werden. Seitens der Molkerei wurde dieser Schritt den Erzeugern in einem Schreiben angekündigt und mit den positiven Tendenzen am Milchmarkt begründet. Die Molkerei in Leppersdorf verzeichne einen höheren Absatz und habe zusätzliche Verwertungsmöglichkeiten am Standort. Aus diesem Grund wolle Sachsenmilch seine Rohstoffbasis nicht nur sichern, sondern auch ausbauen. Verwiesen wird zudem auf die aus saisonalen Gründen europaweit abgesunkene Milchanlieferung. Dieser jahreszeitliche Effekt werde sich im November verstärken.“ <br /> <br /> Wie wäre es?<br /> Das zeigt einmal mehr, dass es unter den Markteilnehmern zu keinem gemeinsamen Handeln kommt. Hier handelt jeder für sich. Die Sachsenmilch bestraft jene Milchbauern die Maß halten. Vor dem Hintergrund der beschränken Wettbewerbsfähigkeit der Milchbauern im globalen Geschäft, betreibt die Sachsenmilch ein unseriöses Spiel zu Lasten der Milchbauern.<br /> Denn der Sachsenmilch geht es nur darum ihre Anlagen voll auszulasten. Dass das zu Lasten der Milchbauern geht, zeigt die jetzige Milchkrise. Mit so einer Aufforderung zur Mehrproduktion ist der Grundstein für die nächsten Milchkrise gelegt. Wie wäre es, wenn die Sachsenmilch ihren Milchbauern einen Milchpreis garantiert, der nicht nur die variablen Kosten deckt, sondern auch die Festkosten. Das wären dann um die 40 Cents je kg. Wenn auf der Grundlage einer solchen Vereinbarung noch Wachstum möglich ist, auch international, dann bitte!<br /> <br /> Ein Unternehmen, das an Sachsenmilch liefert!<br /> „Obwohl sein Unternehmen, der Milchhof Diera KG, erst 2013 rund 4,2 Mio. € in einen neuen Boxenlaufstall mit Melkzentrum sowie neue Gülle- und Silageanlagen investiert hat und die Sachsenmilch AG jetzt gerade noch 22 bis 23 Cent pro kg Milch (+ MwSt.) auszahlt, „ Jeden Tag fehlen uns zwar 3.000 bis 3.500 € Milchgeld, weil unsere Gestehungskosten bei 26 bis 27 Cent liegen. „