Wirtschaft ( Seefahrt tut Not )

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

So sehe ich das

Seefahrt tut Not

 

Schön waren sie - die alten Zeiten! Da befuhren die Schiffe deutscher Reeder  unter deutscher Flagge noch die Weltmeere. Reedereien wie Hapag, Norddeutscher Lloyd, Woermann Linie Hamburg und Hansa Linie Bremen (um nur einige zu nennen) waren lange Zeit das Aushängeschild und der Inbegriff deutscher Präsenz in der Welt. Neben den kommerziellen Aufgaben, die sie zu erledigen hatten, verstanden sie sich auch als Botschafter deutscher Interessen im Ausland. Diese positive Wirkung nach außen hin konnten oft die deutschen Botschaften im Ausland nicht leisten. Während meiner Zeit bei der Hapag ( ich war damals auf Ostasienturn ) konnte ich mich davon überzeugen. Nun ist die Zeit nicht stehen geblieben. Große Veränderungen hat es zwischenzeitlich im Seeverkehr gegeben, Schiffe wurden ausgeflaggt, Reedereien stellten ihren Betrieb ein oder wurden einfach übernommen.

Stolze Reedereinamen verschwanden von der Bildfläche. International Konzerne - zumeist aus dem Ausland - steuern, fast anonym, den Seeverkehr. Nun ist die Hapag-Lloyd dran! Nach Angaben des Konzernlenkers TUI, Michel Frenzel, will der Konzern die Reederei Hapag-Lloyd abspalten und meistbietend verkaufen. Denn Frenzel steht mit seinem Konzern mit 3,5 Milliarden € in der Kreide. Nach Bekanntgabe der Verkaufsabsichten ist der Börsenindex Dax mal „kurz“ um neun Prozent gestiegen. Nach Branchenexperten könnte der Verkauf dem Konzern 6-7Milliarden Dollar einbringen.

Zwei ernsthafte Bieter gibt es zurzeit: - die Singapurer Neptune Orient Lines (NOL)-, vertreten durch den Geschäftsführer Ronald Widdows, und einem Konsortium Hamburger Kaufleute. Betrachtet man den ersten Anbieter so ist festzustellen, dass dieses Unternehmen mehrheitlich dem Staatsfonds Temasek gehört. Der Fonds wird von der Frau des Regierungschefs Lee Hsien Loong geleitet. Nur „Blinde“ können davon ausgehen, dass die Regierung des Stadtstaates Singapur keinen Einfluss auf die Unternehmensstrategie von NOL nimmt. Der zweite Bieter besteht aus einem Konsortium Hamburger Kaufleute unter der Führung des Milliardärs Klaus Michael Kühne - Hamburger Lösung genannt – an der sich auch  Hamburg beteiligt. Der Bieter aus Asien, ausgestattet mit einem Batzen Geld, will sich durch den Zukauf von Hapag-Lloyd  global besser positionieren. Nationale Interessen haben sich unterzuordnen, es sei denn, es geht um strategische Ziele des Stadtstaates. Im Klartext: Ein Verkauf der traditionsreichen Reederei Hapag - Lloyd an den asiatischen Investor würde auch zum Verkauf nationaler Interessen führen!  Der Bieter aus Hamburg, ein Konsortium Hamburger Kaufleute mit der Stadt Hamburg ,ist entschlossen, diesen Angriff auf nationale Interessen, auch die der Stadt Hamburg, abzuwehren. Unterschiedlicher können die Unternehmensstrategien beider Bieter nicht sein!

 Nach Abschluss der Buchprüfung bei Hapag-Lloyd durch Prüfer der NOL wird unter vorgehaltener Hand berichtet, dass NOL nicht mehr bereit ist,  6-7 Milliarden € für das Unternehmen zu zahlen. Sondern es soll inoffiziell um Beträge zwischen 3-5 Milliarden € gehen. Diese Beträge, so berichten Insider, sollen 250 Mill. 500 Mill höher liegen als die der „Hamburger Lösung“.  Nach Informationen haben sich fünf Bieter beworben. Durch den Einbruch des „Kaufpreises“, der auch was mit der heutigen Situation in der Seeschifffahrt zu tun hat, ist noch unklar, ob TUI überhaupt noch verkaufen will. Eines hat jedoch der asiatische Investor schon erreicht, er hat Einblick in die Bücher bekommen, den er, so oder so, zu seinem Vorteil nutzen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass neben betriebswirtschaftlichen Überlegungen auch die Interessen des Landes mit berücksichtigt werden. Ich schließe mich den Worten von Gorch Fock an: Seefahrt tut Not!

 

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