Schleswig-Holstein : Des Ministers Märchenstunde

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

So sehe ich das

 

 Des Ministers Märchenstunde

Das Ergebnis eines „lockeren Gutachtes“ des Informations- und Forschungszentrums der Ernährungswirtschaft zur Situation der Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein nahm Minister Dr. Christian von Boetticher zum Anlass, sich in einem Pressegespräch in Gettorf zur Zukunft der Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein zu äußern. Grundlage des Gutachtes ist die Befragung von 4200 Milchbauern zu ihrer Lange und ihren weiteren Entwicklungszielen. Von den angeschriebenen Milchbauern antworteten 1400. Davon wollen 800 Milchbauern ihre Milchproduktion ausweiten. D.h. 13 Prozent der Milchbauern fordern mehr Wachstum. Im Klartext: Schleswig-Holstein will in Zukunft mehr Milch erzeugen. Dafür muss natürlich die Milchquote mittelfristig aufgehoben werden. Erste Beschlüsse in diese Richtung, einschließlich einer sozialen Abfederung, sind am 20. November in Brüssel gefallen. Das Bekenntnis der Milchbauern zum Wachstum (13%!) in Verbindung mit den natürlichen Produktionsvorteilen sind die Grundvoraussetzungen für ein weiteres Wachstum der Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein. Und dann setzte der Minister noch eins drauf! „ Schleswig-Holstein ist Teil eines der größten Milcherzeugungsgebiete der Welt. Aufgrund der natürlichen Standortfaktoren und einer im Bundesvergleich überdurchschnittlichen Betriebsstruktur besitzt Schleswig-Holstein Kostenvorteile in der Milchviehhaltung und ist daher eine milchwirtschaftliche Gunst-,Wachstums- und Exportregion“. Bei aller Liebe für plakative und griffige Formulierungen entspricht diese Aussage einem Wunschdenken, vielleicht gesteuert durch die Milchindustrie, dass betriebswirtschaftliche Fakten- der Milchbauern in Bezug auf den Weltmarkt- bewusst oder unbewusst- nicht berücksichtigt. Tatsache ist, dass Schleswig-Holstein im Konzert der Bundesländer neben Niedersachsen, Teile Bayerns und einiger ostdeutscher Bundesländer gute Produktionsvoraussetzungen hat. Insoweit herrscht hier Wettbewerbsgleichheit.

Sieht man sich in der EU um, dann ist festzustellen, dass die Produktionsvorteile von Schleswig-Holstein gegen Null tendieren, oder sich ins Negative verändern, wenn es um die Länder Irland, GB, Benelux-Staaten und um die Länder der Osterweiterung ( teilweise ) geht.

Im globalen Vergleich müssen wir uns mit Milchexportländern, wie Neuseeland, Australien, Argentinien und denen des gesamten pazifischen Raumes messen, denn nach Aussage des Ministers soll ja Schleswig – Holsteins  Milchindustrie wachsen und exportieren ( siehe auch unter- specht.over-blog. – de ). Wenn das so ist, und daran lässt der Minister keinen Zweifel aufkommen, muss es erlaubt sein, sich mit den besten Produktionsgebieten der Welt in Sachen Kostenstruktur der Milchproduktion zu vergleichen( der Minister will ja den Wettbewerb). Tut man das – und ich tue es – dann liegen die Produktionskosten für ein kg Milch in den oben angeführten Staaten bei zirka 17 Cent. Hingegen betragen die Produktionskosten des Standortes Schleswig-Holstein für den Durchschnittsbetrieb ( 80 Kühe ), der der Rinderspezialberatung angehört, 36,11/ Cent/kg ECM. Da aber nur 21,5 Prozent der Michviehbetriebe der Rinderspezialberatung angehören ist zu vermuten, dass für die Breite der Milchviehbetriebe mit höheren Produktionskosten je kgECM zu rechnen ist. Allein dieser Zahlenvergleich macht deutlich, dass ohne Subventionen im globalen Export der Milchprodukte aus Schleswig – Holstein und darüber hinaus nichts läuft. (1)

Das bestätigen auch umfangreiche Studien. Die belegen, dass beim Abbau aller Handelshemmnisse  

(Exportbeihilfen/Importzölle) der Milchpreis in der EU auf Weltmarktniveau absinkt. Die Experten gegen dann von einem Milchpreis von 20-22 Cent je kg aus. Wie unter solchen Weltmarktbedingungen die Milchbauern überleben sollen, darauf gibt der Minister keine Antwort. Im Gegenteil: All das ficht den Minister nicht an, wenn es darum geht, die Milchbauern von Schleswig-Holstein in die Milchoffensive zu drängen. Tunlichst verschweigt der Minister, wie denn die Milchbauern mit solchen „globalen Vorgaben“ umgehen sollen. Kann – so ist zu fragen - der Einzelbertrieb aufgrund dieser politisch nebulösen und realweltwirtschaftlichen Vorgaben überhaupt für seine Zukunft planen? Welche Planungsansätze sind zu berücksichtigen? Fragen über Fragen! Der Minister schweigt! Hat der Minister nicht die Pflicht, die Milchbauern auch auf Risiken hinzuweisen, die im Zusammenhang mit einer deutlichen Ausweitung der Milchproduktion und damit des Exportes einhergehen? Wie gestalten sich denn in Zukunft die Direktbeihilfen für die Milchbauern? Wird die Differenz zwischen Weltmarktpreis und Produktionskosten ausgeglichen? Bei einem Milchgeldauszahlungspreis von Cent 22 Cent kg/ECM müssen, abzüglich der Milchquotenkosten( die fallen weg ) von 3,21 Cent, mindestens 10,9 Cent je kg/ECM als Direktbeihilfe an die Milchbauern gezahlt werden. Das bedeutet für Schleswig-Holstein ein Bedarf an Direktbeihilfen von zirka 20,6Mio. €/a. ;  für Deutschland  insgesamt zirka 298 Mio.€/a. Ob diese Beträge als Direktzahlung an die Milchbauern politisch durchsetzbar sind, steht auf einem anderen Blatt. Hoffentlich kann der Minister den Milchbauern den Differenzausgleich zwischen Weltmarktpreis und Produktionskosten garantieren. Nur dann macht die Milchexportoffensive einen Sinn. Das setzt aber auch Regelungen voraus, die sicherstellen, dass Exporte von Milchprodukten nicht zu Lasten der Steuerzahler gehen.  

(1)      - Specht.over-blog.de- „Milchwirtschaft am Scheideweg“

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