Sparkasse Südholstein: Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall ?
Kommentar
Sparkasse Südholstein – Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall ?
Gebeutelt durch eine verantwortungslose Geschäftspolitik der Kreissparkasse Segeberg musste die seit dem 01.04. 2003 durch den Zusammenschluss der Kreissparkassen Pinneberg und Segeberg hervorgegangene Kreissparkasse Südholstein in ihrer ersten Pressekonferenz nach der Fusion einen Totalausfall von 60 Millionen Euro zugeben. Mario Porten, Überbleibsel der Kreissparkasse Segeberg, heute Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südholstein, stellte damals fest: „Kredite mit einem Volumen von 60 Millionen Euro werden in der Rechtsabteilung bearbeitet. Sie sind tot. Das Geld ist endgültig verloren“. Vorstandsvorsitzender Detlef Sternberger dazu: „Wir haben das Tal der Tränen durchschritten und befinden uns auf einem guten Weg“. Umfangreiche Überprüfungen ergaben am Ende jedoch einen Wertberichtigungsbedarf von 80 Mill. €. für die Kreissparkasse Segeberg. Das Kernkapital wurde um 60 Prozent auf 43 Mill. Euro reduziert. Neben einer Unterstützung des Sparkassen- und Giroverbandes in Höhe von 40 Mill. Euro packte der Kreis Segeberg nochmals eine Sacheinlage in Höhe von 15 Mill. Euro (EON-Aktien) zur Eigenkapitalstärkung oben drauf. Bis 2007, so der damalige Verwaltungsratsvorsitzende der Kreissparkasse Pinneberg, Landrat Harms, sollte die Fusion einen zusätzlichen Gewinn von 50 Mill. Euro einspielen. „Daraus“, so Harms,“ wird wohl nichts“. Recht hatte er.
Obwohl die Kreissparkasse Südholstein damals schon schwächelte, ging man noch einen Schritt weiter und gründete unter Einbindung einer ebenfalls schwachen Stadtsparkasse Neumünster die heutige Sparkasse Südholstein. Die Begründung damals: „ Um sich den Herausforderungen eines veränderten Marktumfeldes zu stellen, hat sich die Stadtsparkasse Neumünster seit geraumer Zeit um einen finanzstarken Partner bemüht und diesen in der Kreissparkasse Südholstein gefunden“. 2006 verkaufte die Bank ein Kreditportfolio von 123 Mill. € an die Lone- Star –Gruppe. Dieser Verkauf führte wiederum zu einer weiteren Wertberichtigung von 71, 2 Mill. €. Schon lange wird unter vorgehaltener Hand auf die finanziell schlechte Lage der Bank hingewiesen. Dies zeigte sich auch am Betriebsergebnis: Gegenüber 2005 hatte sich das Betriebsergebnis um 12,7 Millionen Euro auf 46,7 Millionen Euro vermindert. Im Vergleich zu anderen Sparkassen hat die Bank wesentlich schlechtere Betriebskennzahlen. Von einem Euro verdient die Bank nur 25 Cent gegenüber anderen Banken, die 37 Cent verdienen. Die Bilanz des Jahres 2007 weist einen Gewinn von 6 Mill € aus. Dem stehen aber außerordentliche Erträge gegenüber, ohne deren Berücksichtigung die Eigenkapitalbildung negativ ist. Im Klartext: Teile des Tafelsilbers der Bank wurden zur kosmetischen Verschönerung der Bilanz verscherbelt ( Mobilisierung stiller Reserven ). Auch der Slogan: „ Sparkasse Südholstein auf stabilem Wachstumskurs“ ,ist kritisch zu sehen. Zunehmend verlagert die Bank ihre zusätzlichen Aktivitäten In den spekulativen Anlagenbereich. Die Worte des Vorstandsvorsitzenden Mario Porten: „Gesellschaftliche Verantwortung statt maximale Rendite – heute eine eher seltene Geschäftspolitik“, werden mehr und mehr zur Makulatur.
Anstatt eine wirtschaftlich leistungsfähige Bank zur kapitalmäßigen Versorgung der Wirtschaft und der Bevölkerung in der Region zu etablieren, richtet die Bank ihr Augenmerk mehr und mehr auf Spekulationsgeschäfte zur Gewinnmaximierung. Dies geht aus dem Geschäftsbericht 2007 der Bank hervor.
Diese, auf einigen Geschäftsfeldern der Bank negativen Entwicklungen sind durch den Verwaltungsrat mitgetragen worden. Denn Aufgabe des Verwaltungsrates ist es:“ Auf eine pflegliche und wirtschaftliche Verwaltung des Vermögens der Sparkasse zu achten. Dabei bestimmt er (der Verwaltungsrat) die Richtlinien der Geschäftspolitik und überwacht die Geschäftsführung“. Eine wirkliche Überwachung und Kontrolle der Geschäftsführung durch den Verwaltungsrat hat wohl nicht stattgefunden. Nicht die Geschäftsführung der Bank, sondern die Verwaltungsratsmitglieder Arnold Wilcken (SPD) und Gottlieb Dingeldein ( CDU ) betteln nun in seltener Einmütigkeit öffentlich um eine Änderung des Sparkassengesetzes, damit frisches Geld in die Bank fließen kann. Dazu soll der Kreistag eine Resolution beschließen. Warum die Herren so betteln gehen, liegt auf der Hand: Die Sparkasse Südholstein muss wohl aufgrund umfangreicher Spekulationen im Wirtschaftsjahr 2008 erhebliche Wertberichtigungen vornehmen, die die Bank in ihrer Existenz gefährden können. Ob aber eine Änderung des Sparkassengesetzes durch den Landtag beschlossen wird, ist noch nicht sicher. Denn andere Sparkassen und der Sparkassen- und Giroverband sind ( bisher ) dagegen. Dabei träumen die Herren Wilcken und Dingeldein von einer Minderheitsbeteiligung der Haspa an der Sparkasse Südholstein. Sie wollen ja weiterhin das Sagen haben! Dabei scheint den Herren der Realitätssinn völlig abhanden gekommen zu sein. Aufgrund der fatalen Lage der Sparkasse Südholstein wird das weitere Geschehen durch die Haspa bestimmt. Diese wird , wenn sie denn einsteigt, sich nicht auf Dauer auf eine Minderheitsbeteiligung einlassen. Warum sollte sie es auch? Die Zeit arbeitet für die Haspa. Unseren beiden Herren im Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein kann man nur zurufen: Träumt nur so weiter !