HSH-Nordbank : Von Finanzloch zu Finanzloch
Kommentar
HSH-Nordbank : Von Finanzloch zu Finanzloch
Die HSH- Nordbank kommt nicht aus den Schlagzeilen. Waren es anfangs nur angedeutete Gewinnwarnungen, so steigerten sich die Hiobsbotschaften der Bank in regelmäßigen Abständen bis hin zu Milliardenabschreibungen, die die HSH in eine Schieflage brachte. Schnell wurden die Anteilseigner zur Aufstockung ihrer Anteile genötigt. Denn es konnte nicht sein, was alle schon wussten: Die den Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein, den Sparkassen und privaten Investoren gehörende Bank hat sich im großen Maße verspekuliert. Mit riskanten Finanzgeschäften trat man als „öffentliche Bank“ als Global-Player auf, unterhielt und unterhält Tochterfirmen in Steueroasen, entwickelte für die betuchte Kundschaft Steuersparmodelle –natürlich gesetzeskonform- und tummelte sich munter als Finanzjongleur am internationalen Finanzmarkt. Hohe Spekulationsrenditen ließen die Herzen der Landespolitiker höher schlagen, denn es flossen erhebliche Dividende in die teilweise maroden Haushalte der Länder. Diese Gier nach Geld beseitigte alle Hemmschwellen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Steuergeldern. Die Politiker legten noch eins drauf! Durch Gesetzesänderungen der Bundesregierung erhielt die Spekulation eine neue Qualität. Landespolitiker, die eigentlich Kontrollfunktionen gegenüber „ihrer Bank“ wahrzunehmen haben und hatten, ließen sich von dem Spekulationsgeschäften mitreißen, denn es gab ja viel zu verdienen. Von dieser Leidenschaft des Geldverdienens besessen, wurden natürlich Milliarden an Risikopapieren im Portfolio der Bank gehalten. Nach dem Motto : Mehr Risiko – mehr Gewinn. Dabei ignorierte man die Risiken und dachte nur an die Gewinne. Kontrollen waren beim Geldverdienen nur hinderlich. Andere Banken, die clever waren, bereinigten ihr Portfolio rechtzeitig, und entzogen sich somit dem Desaster. Nur die landeseigenen Banken hielten aus und mutierten zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Und dann kam, was kommen musste: Die Bank wurde zum Sanierungsfall. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres mussten Abschreibungen in Höhe von 1,3 Milliarden € vorgenommen werden. Der Vorstandsvorsitzende Hans Berger trat zurück. Die Bank stellte sich unter den Rettungsschirm der Bundesregierung und beantrage eine Bürgschaft in Höhe von 30 Milliarden €. Weiter ist geplant, Risikopapiere im Wert von 50 Milliarden € in eine Auffanggesellschaft auszugliedern, in eine so genannte „Bad Bank“. Die Bank sucht zurzeit Dumme, die das Risiko mit übernehmen. Vielleicht findet die Bank ja einen Hedge-Fonds, der das Risiko übernimmt und es zu einem Geschäft macht. In jedem Fall sind weitere Abschreibungen vorprogrammiert. Egal, ob ein Hegde-Fonds einspringt, oder der Staat Garantien abgibt, zahlen muss so oder so der Steuerzahler. Alles das ist für den Otto-Normal-Verbraucher kaum noch zu verstehen und schon tun sich weitere Finanzlöcher auf. Stille Gesellschafter der Bank erhalten für ihre Einlagen eine Zinsgutschrift in Höhe von 70 Millionen €, obwohl die Bank Verluste erwirtschaftet, die der Steuerzahler zu tragen hat. Über Nacht gibt die Landesregierung den Sparkassen eine Garantie für ihre Anteile an der HSH-Nordbank ab, die immerhin 700 Millionen € betragen. Zwei zusätzliche Finanzlöcher, die belegen, wie sehr die HSH- Nordbank und damit das öffentliche Finanzsystem ins Schlingern geraten ist. Das ruft natürlich jene Politiker auf den Plan, die vor einem Jahr noch den freien Kapitalmarkt fröhnten und jetzt deren Bescheidung fordern. Nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“. Rette sich, wer kann wird in der Finanzkrise zur klammheimlichen Devise der Politiker. Auch die moralische und rechtliche Entrüstung der Politiker über das Verhalten der Bank in Bezug auf Zinszahlungen an die stillen
Anteilseigner der Bank ist pure Heuchelei. Denn alle wissen genau, EinlagenstillerAnteilseigner
vertraglich und gesetzlich geregelt sind (siehe auch §§ 230-237 HGB) Wenn nun die stillen Gesellschafter auf die Erfüllung der vertraglichen Vereinbarungen pochen und diese nicht im Widerspruch gesetzlicher Regelungswerke stehen, dann ist das ein durchaus übliches Geschäftsgebaren, das nicht zu beanstanden ist. Sollten sich aus der Vertragssituation Möglichkeiten ergeben, dass Anteilseigner kurzfristig ihr Geld abziehen können, und dadurch die Bank erpressbar wird, ist das ein Managementfehler der Bank, den auch die Politiker Im Aufsichtsrat der Bank mit zu verantworten haben. Auch die Garantieabsicherung der Landesregierung für die Einlagen der Sparkassen an der HSH-Nordbank hat einen faden Beigeschmack. Mit dieser Maßnahme werden Managementfehler öffentlicher Banken durch staatliche Bürgschaften geglättet und führen somit zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem Kapitalmarkt. Die jetzt in Erklärungsnot geratenen Politiker gehen auf Tauchstation und wollen den „ Kram“ einfach aussitzen. Ob ihnen das gelingt bleibt abzuwarten, denn das nächste Finanzloch wartet schon auf sie.