Bauernverband Schleswig-Holstein : Marktwirtschaft a la Schwarz
Marktwirtschaft a la Bauernpräsident Werner Schwarz
Seit Wochen tingelt der Bauernpräsident von Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, durch die Lande und wird nicht müde seinen Berufskollegen zu erklären, dass der Rückzug des Staates aus dem Agrarsektor der richtige Weg sei. Gleichzeitig betont er aber, dass der Staat nur Aufgaben wahrnehmen soll, die der Markt nicht leisten kann. Schwarz weiter: „Dafür brauchen wir ihn, und nicht als Mitspieler am Markt.“
Gewinne werden privatisiert- Verluste sozialisiert
Analysiert man diese Aussage, dann kommt man schnell zu folgendem Ergebnis: Der Staat, bitteschön, hat sich aus dem Marktgeschäft rauzuhalten. Aber wenn es schiefgeht, wie z.Z. in der Milchwirtschaft, dann muss er tunlichst einspringen. Eine innovative Idee hält Marktwirtschaftler Schwarz auch noch parat: „ Exporte in die aufstrebenden Entwicklungsländer“. So geschehen auf der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN). Dieser Denkansatz entspricht genau der Philosophie der ewig Gestrigen – Gewinne privatisieren- Verluste sozialisieren! Schwarz will zwar den globalen Markt, aber wenn möglich, nur zu Vollkaskobedingungen. Die Exportsubventionen hat eben der Steuerzahler zu begleichen. Wer denn sonst!
Umerziehung der Kunden- Wachstum um jeden Preis
Dass mit dieser egoistischen Wirtschaftsphilosophie des Bauernpräsidenten viel Porzellan beim Bürger zerschlagen wird, scheint ihn nicht zu interessieren: Im Gegenteil: Er hält den Verbrauchern vor, dass sie sich von den Angeboten der Discounter erziehen lassen. Als logische Konsequenz dieser Aussage ist zu vermuten, dass der Bauernpräsident in Zukunft die Konsumenten umerziehen will. Anstatt darüber nachzudenken, wie es zu dieser Entwicklung kam, welche Lösungsansätze sinnvoll erscheinen und ob der Bauer überhaupt dem globalen Markt gewachsen ist, wird jetzt erst einmal zur Milchoffensive geblasen. Frei nach dem Motto: Produzieren, was das Zeug hält! Wenn der Absatz am Markt nicht klappt, dann ist nach Aussage des Wirtschaftsexperten Schwarz der Steuerzahler eben dran. So einfach kann Markt a la Schwarz funktionieren!
Die Vernunft hält Einzug
Ganz anders der Agrar-Experte der EU, Prof.Dr.Klaus-Dieter Borchardt, auf den Kreisbauerntagen in Tarp und Husum. Kernaussage des Experten:“Auch bei besten Rahmenbedingungen könne Brüssel die europäischen Landwirte nicht allein dem Markt überlassen. Eine künftige gemeinsame Agrarpolitik ohne ein Direktzahlungssystem sei nicht vorstellbar.“ Eine Aussage, die es in sich hat. Hat doch Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher den freien Markt zum erfolgreichen Tummelplatz für die Bauern Schleswig-Holsteins erklärt. Hier muss wohl der Nichtlandwirt zurückrudern, will er nicht zukünftige Direktzahlungen an die Bauern gefährden. Was den Milchmarkt anbelangt, herrschte völlige Ratlosigkeit unter den Bauern. Der EU-Agrar-Experte machte u. a. für das Dilemma am Milchmarkt Neuseeland mitverantwortlich, da hier die Produktion um 10 Prozent ausgeweitet wurde.
Lehrstunde in Sachen Weltwirtschaft
An diesem Beispiel hätte der Professor den anwesenden Bauern die globale Weltwirtschaft einmal exemplarisch erklären können. Dass nämlich, im globalen Wettbewerb, die Produktion sich auf die Gunststandorte konzentriert. Und dazu zählt im weltweiten Wettbewerb, Gott sei`s geklagt, Deutschland eben nicht dazu. Diese Tatsache haben Milchexperten wie Dr. Karl-Heinz Engel , Vorsitzender des Milch-Industrie-Verbandes( MIV), Johan Broekmans, Chef der Bongrain-Gruppe in Deutschland und Urs Riedner, Geschäftsführer der Emmi-Molkerei in der Schweiz, klar erkannt. Sie sehen sich nicht als Globalplayer, denn in diesem Spiel sind sie nur zweiter Sieger. Eins ist klar: Wir sind in vielen Bereichen, was den globalen Weltmarkt anbelangt, nicht konkurrenzfähig.Wer vor diesem Hintergrund auf bedingungsloses Wachstum setzt, der verkennt die Gesetze des Marktes oder verfolgt andere Interessen.
Wachstum auf Kosten der Steuerzahler
Wer Wachstum auf Kosten des Steuerzahlers fordert, gefährdet nicht nur bäuerliche Familienbetriebe, sondern stellt das ganze Förderungssystem der EU in Frage. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Protagonisten der Wachstmusphilosophie einmal fragen lassen, ob ihre Strategie noch zeitgemäß ist oder ob es nicht besser wäre, für einen halbwegs geordneten Markt-wie auch immer - zu sorgen. Dabei darf fairer Wettbewerb nicht ausgeschlossen werden. Nur wenn uns das gelingt, hat die bäuerliche Landwirtschaft eine Zukunft.