Milchmarkt : Der globale Weltmarkt klopft unerbittlich an die Stalltüren der Bauern
Der Milchmarkt: Schon heute klopft der globale We anltmarkt unerbittlich an die Stalltüren der Bauern
Der Michpreis fällt und fällt. Hautnah erleben jetzt alle Akteure was es heißt, unkontrolliert in den Weltmarkt entlassen zu werden. Schon heute klopft der globale Weltmarkt unerbittlich an die Stalltüren der Bauern. Jedoch ist dies nur ein Vorgeschmack auf dessen, was uns blüht, wenn nach Beendigung der Milchquote unsere Gunstregionen erst so richtig loslegen.
Wachstum um jeden Preis
Die überbieten sich zur Zeit mit Wachstumsprognosen für die Zukunft. Dazu der Bauernpräsident aus Hessen „ Wir hessischen Bauern und Milcherzeuger sind Unternehmer am Mark“. Die Devise der Zukunft heißt: Starkes Herdenwachstum durch hohe Investitionen. Zu diesem Thema hatte dann ein angereister Referent aus Bayern mit Namen Johannes Holzner , Landwirt aus Langenbach und Dozent an der Fachhochschule Weihenstephan , auch noch etwas zu sagen : „Sein Betrieb habe er“, so Holzner, „um 25 Kuhplätze auf nunmehr 100 Kuhplätze erhöht.
Die betriebswirtschaftlichen Offenbarungen des Dozenten Holzner
Dadurch ist die Milch mit „Grenzkosten“ von 37-45 Cent je Kilogramm Milch belastet.“ Tatsächlich bekommt Holzner aber nur 35 Cent je Kilogramm Milch. Dazu seine Aussage: „Wenn sie die Zahlen sehen, machen sie es nicht“, sprach aber sofort weiter: „Ich habe es trotzdem gemacht.“ Begründung: Die z.Z. günstigen Investitionsbedingungen. Nun setzte Holzner noch eins drauf: „ Wenn ich Milchproduzent bin, fange ich doch nicht auf einmal mit Schweinen an.“ Dabei verweist er auf Länder wie Argentinien, China, Brasilien, Indien und die Ukraine. In Kenntnis der Produktionskosten je Kilogramm Milch in diesen Ländern hätte Holzner, bezogen aus seine „eigenen Produktionskosten“, diesen Hinweis wohl nicht gegeben. Die betriebswirtschaftlichen Offenbarungen des Dozenten der Fachhochschule Weihenstephan stehen für sich!
Das absurde Theater der Wachstumsfetischisten
Das absurde Theater der Wachstumsfetischisten nimmt, unbeeindruckt von der derzeitigen Milchkrise, inzwischen seinen weiteren Verlauf. Spitzenreiter dieser Wachstumsstrategie ist zur Zeit Schleswig-Holstein. Schleswig-Holstein will, glaubt man den „Protagonisten vor Ort“, die Milchproduktion bis 2020 um 52% steigern. Eine Strategie, wie diese marktwirtschaftlich umzusetzen ist, gibt es nicht. Dabei haben jene, die jetzt nach dem freien Weltmarkt schreien, sich bisher in der sozialen Hängematte von Subventionen am wohlsten gefühlt. Teile der Molkereiwirtschaft sind dafür ein beredetes Beispiel.
Hält die Vernunft Einzug ?
Gegen diese Strategie des gnadenlosen Wachstums um jeden Preis regt sich immer mehr Widerstand. Der Chef der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH und zugleich Vorsitzender des Milch-Industrie-Verbandes (MIV), Herr Dr. Karl.-Heinz Engel, auf der Wintertagung der DLG dazu: „Auf der Kostenseite können die deutschen Unternehmen nicht mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Bei Verarbeitungsmengen bis zu zwei Milliarden kg Milch können große Werke in Neuseeland oder Nordamerika bei der Produktion von Milchpulver und Butter enorme Größendegressionseffekte ausspielen. Daher sei es für die deutschen Meiereien wie Hochwald nicht zielführend, die Exportmärkte zur Überschussverwertung zu nutzen, da man hier preislich nicht konkurrenzfähig sei. Größe sei zwar ein notwendiger, aber noch kein hinreichender Erfolgsfaktor. Denn der Erfolg am Markt sei weder von der Größe noch von der Rechtsform abhängig, sondern von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens.“ Johan Broekmans, Chef der Bongrain-Gruppe in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro und einer Jahresproduktion von 400.000 t Käse hält eine ungebremste Wachstumspolitik für nicht hilfreich. „ Damit machen wir uns in der Vermarktung nur die Preise kaputt.“ Vielmehr kann Broekmans nicht verstehen, dass deutsche Meiereien an mengenbegrenzenden Maßnahmen nicht interessiert sind. Sein Unternehmen habe Übermengen am Spotmarkt unterbringen müssen und dadurch einen Verlust von 20 Cent je Kilogramm Milch erwirtschaftet. Der Geschäftsführer der Emmi- Molkerei in der Schweiz, Urs Riedner, kann sich nach dem Wegfall der Milchquote eine Mengenregulierung dergestalt vorstellen, dass nur 70-80 Prozent der benötigten Milch vertraglich abgesichert werden.
Was ist ein Mindestmilchpreis ?
Die restliche Milch könnte über den Spotmarkt gehandelt werden. Sogar MIV-Vorsitzender Dr. Karl-Heinz Engel hält einen Mindestmilchpreis für erforderlich. In welcher Höhe ließ er offen- auch wie das zu erreichen ist, bleibt bisher sein Geheimnis. Jedenfalls in Einem sind sich alle Experten einig: Ein ungebremstes Wachstum des Milchmarktes nach der Quotenaufhebung führt zum weiteren Verfall der Milchpreise. Ein Unterbringen der Überproduktion auf dem Weltmarkt ist nur mit Verlusten zu realisieren.
Opfer der Entwicklung und Konsequenzen
Opfer einer solchen negativen Entwicklung sind gerade jene Wachstumsbetriebe, die aufgrund ihres hohen Kapitaldienstes in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden.
Welche Konsequenzen müssen daraus gezogen werden?
Es muss Abschied vom ungebremsten Wachstum genommen werden.
Der Auftritt der Milchindustrie als Globalplayer auf dem Weltmarkt für Milchprodukte ist aufgrund der Strukturen nur bedingt von Erfolg gekrönt.
Im globalen Wettbewerb mit Ländern des pazifischen Raums, Nord-und Südamerikas, Ostasiens, Osteuropas und Teile der EU sind wir nur zweiter Sieger.
Daraus leitet sich zwangsläufig folgende Überlegung ab!
Wie kann man nach dem Wegfall der Milchquote und der damit einhergehenden Produktionsausweitung einen Absturz des Michpreises so verhindern, dass es nicht zu einem Kahlschlag im ländlichen Raum kommt. Diese Frage müssen nun die Akteure offen und ehrlich beantworten. Allein die Tatsache, dass anerkannt wird, dass der globale Weltmarkt nicht alles regeln kann, lässt hoffen. Der Anfang ist gemacht. Packen wir es an!