Bauernversammlung in Heide: Der Letzte macht das Licht aus

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Bauernversammlung in Heide : Der Letzte macht das Licht aus

 

Ministerpräsident „Ratlos“

Von der Not getriebene Bauern verwickelten den Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, vor der Versammlungshalle Tivoli in Heide  in ein Gespräch um die Probleme am Milchmarkt und forderten vom Land Hilfe. Auf die direkte Frage eines Bauern, der zur Zeit mit einem Milchpreis von 19 Cent je Kilogramm Milch auskommen muss, antwortete der Ministerpräsident:“ Da kann man nichts machen, das ist eben Markt“ und fügte hinzu:“ Wir vom Land können nur mit kleinen Stellschrauben helfen“, sprach`s und zog von dannen in die Halle. Zurück ließ er die Bauern mit ihren Problemen.

Der Bauernverband geht auf Tauchstation

Die in der Halle sitzenden Honoratioren des Bauerverbandes saßen mit ratlosen Gesichtern da, wohl wissend, dass ihrer Forderung nach ungebremstem Wachstum zunehmend der Boden entzogen wird. Schleswig-Holstein ist, gemessen an den Produktionsstandorten landwirtschaftlicher Erzeugung in der Welt, nicht erste Sahne. Aber diese Erkenntnisse ficht die Protagonisten nicht an. Im Gegenteil:

Wir sind Gunststandort

Sie fühlen sich für den freien Markt gut gerüstet. Nach dem Motto: „ Wir sind Gunststandort und wollen expandieren.“ Dabei berufen sich die Herren auf eine fragwürdige Studie des Landeskontrollverbandes, der seine Mitglieder befragt hat. Ergebnis: Von den 4.200 befragten Mitgliedern wollen in Zukunft 800 Milchbauern ihre Produktion ausweiten. Das sind zirka 13 Prozent der Milchviehbetriebe des Landes. Diesen 13 Prozent der Betriebe will man nun die Möglichkeit eröffnen weiter zu wachsen.

Wachsen um jeden Preis

Wachsen um jeden Preis. Denn nach dem Wegfall der Milchquote werden die anderen Gunststandorte ebenfalls aufrüsten ( der Weltmarkt lässt schon heute grüßen). Es wird zu einem gnadenlosen Wettbewerb kommen, an deren Ende der Bauer der Verlierer ist, da er das schwächste Glied in der Milchkette ist. 5.200 Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein, die angeblich nicht wachsen wollen, hat man bereits abgehakt.

Bäuerliche Familienbetriebe gehen vor die Hunde

Von der Erfassungslogistik der Meiereien aus gesehen wäre ein solche Entwicklung nur zu begrüßen. Denn eine Verminderung der Abholstellen für Rohmilch bei gleicher Anlieferungsmenge um 87 Prozent ist aus ökonomischer Sicht schon ein Pfund. Dass dabei bäuerliche Familienbetriebe vor die Hunde gehen, interessiert keinen. Um diese Philosophie auch praktisch zu belegen, werden im Bauernblatt in loser Reihenfolge Milchviehbetriebe vorgestellt, die wachsen wollen.

Schleswig-Holstein ist weltweit nicht wettbewerbsfähig

Zu welchen Vollkosten je Kilogramm Milch diese wachstumswilligen Betriebe produzieren, wird nicht genannt. Da muss man schon auf die Auswertung der Rinderspezialberatung zurückgreifen. Hier liegen bei der Vollkostenrechnung die Produktionskosten je Kilogramm Milch (ECM) für Betriebe unter 50 Milchkühe bei 41,79 Cent je Kilogramm Milch (ECM) und über 125 Milchkühe bei 37,02 Cent je Kilogramm  Milch (ECM). Was sagt uns das: Mit diesen Produktionskosten sind wir weltweit nicht wettbewerbsfähig.

Existenzvernichtendes Treiben

 Wer unter diesen Voraussetzungen den freien Markt und Wachstum um jeden Preis fordert, der gefährdet die bäuerliche Landwirtschaft. Noch ist es nicht soweit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die bedingungslosen Wachstumsfetischisten gegenüber der bäuerlichen Mehrheit, die gegen eine solche Politik ist, durchsetzen wird. Jetzt sind die Bauern gefordert, diesem existenzvernichtenden Treiben ein Ende zu bereiten. Wenn das nicht gelingt, dann muss der Letzte das Licht ausmachen.

 

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