Alles Öko oder was ?
Alles Öko oder was ?
Die weltweit durch den ökologischen Landbau bewirtschafteten Flächen stiegen gegenüber 2007 um 1,5 Millionen ha auf insgesamt 32 Millionen ha. Davon entfallen die höchsten Zuwachsraten auf Afrika und Südamerika. Knapp ein Viertel dieser Flächen liegen in Europa. Die größten Bio-Flächen haben Australien und Südamerika. Spitzenreiter dieser Entwicklung ist Österreich mit 13,4 Prozent der LN und die Schweiz mit 11 Prozent der LN.
Der Öko-Umsatz in Deutschland boomt
Der Umsatz der Bio-Branche in Deutschland erhöhte sich gegenüber 2007 um 11 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro in 2008. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Weltmesse für Bio-Produkte in Nürnberg( Biofach 2009): „ Dass die Bundesregierung auch in Zukunft, neben den EU-Mitteln, nationale Mittel in einer Größenordnung von 16 Millionen Euro jährlich für diesen wichtigen Landwirtschaftsektor einsetzt.“
Die Spinner von gestern haben eine Zukunft
Wurden noch vor Jahren die Bio-Bauern teilweise als Spinner bezeichnet, so ist in den letzten Jahrzehnten ein Sinneswandelt eingetreten, der auch die Bundesregierung erfasst hat. Selbst Bauerpräsident Gerd Sonnenleiter ist zwischenzeitlich auf den Bio-Zug aufgesprungen und äußerte sich auf der Messe wie folgt:“ Der landwirtschaftliche Berufsverband ist gefordert, die Interessen der
Bio-Bauern in Zukunft stärker zu vertreten.“
Was ist passiert?
Durch den immer größer werdenden Preisdruck auf landw. Produkte geben immer mehr bäuerliche Familienbetriebe auf. An ihrer Stelle treten oft Gesellschaften des Agrarbusiness mit industriell betriebener Landwirtschaft. Die negativen Folgen dieser Produktionsausrichtung werden für den Verbraucher immer deutlicher. Negative Headlines wie: BSE, Vogelgrippe, Kannibalismus, Umweltbelastungen usw. nehmen viele Konsumenten zum Anlass, ihre Einkaufsgewohnheiten zu ändern und steigen auf Bio-Produkte um. Obwohl diese negativen Schlagzeilen oft durch die industriell betriebene Landwirtschaft verursacht werden, müssen die Bauern in der Öffentlichkeit für diese Fehlentwicklungen herhalten.
Regionalität gewinnt an Bedeutung
Nicht die Gewinnmaximierung und Größe um jeden Preis steht für diesen Öko- Kundenkreis im Mittelpunkt ihrer Überlegungen, sondern überschaubare und den Regionen angepasste bäuerliche Landwirtschaft. Diese sehr positive Entwicklung im Sinne bäuerlicher Landwirtschaft darf nicht dazu führen, dass der konventionell wirtschaftende Bauer verteufelt wird.
Konventionelle Landwirtschaft liefert preiswerte Nahrungsmittel
Im Gegenteil: Unter Beachtung aller umweltrelevanten Erfordernissen ist die konventionell wirtschaftende Landwirtschaft Hauptlieferant preiswerter Nahrungsmittel. Gemäß des Berichtes der Bundesregierung zur wirtschaftlichen Lage der landwirtschaftlichen Betriebe im WJ 2007/2008 liegen die Produktionskosten im ökologischen Landbau höher als im konventionellen. 30 Prozent im AK-Bereich, 50 Prozent geringere Weizenerträge, 16 % geringere Milchleistung und einen um das 4-fach erhöhten Personalaufwand gegenüber den konventionellen Betrieben. Dem stehen gegenüber geringere Aufwendungen für Düngemittel und Pflanzenschutz, eine um 44 Prozent höhere Direktbeihilfe je Betrieb und höhere Verkaufserlöse für Öko-Produkte: D h im Klartext: Die Kosten für Ernährung in ÖkoHaushalten liegen höher als in anderen Haushalten. Dies hat zur Folge, dass geringe Einkommensschichten der Bevölkerung sich eine Umstellung auf Öko-Produkte einfach aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten können.
Der Öko-Anbau kann die Versorgung nicht alleine sichern
Allein die vollständige Umstellung auf den Ökolandbau würde ein Mehrbedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche von 10 Millionen ha bedeuten. Eine Fläche, die weder in Deutschland noch in Europa zur Verfügung steht. Darüber hinaus, so eine Foodwatch-Studie, ist der Ökolandbau kaum klimafreundlicher als der konventionelle Landbau.
Die Grabenkämpfe müssen aufhören
Die oft scheuklappenartig geführten Grabenkämpfe zwischen den beiden Produktionsrichtungen der Landbewirtschaftung müssen einer sachlichen Betrachtungsweise Platz greifen. Beide Produktionsrichtungen haben ihre Berechtigung, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen. Egal, ob öko oder konventionell !