Bauernverband Schleswig-Holstein: Nichts dazu gelernt ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

                 Bauerverband Schleswig-Holstein: Nichts dazu gelernt?

Selbst die Verfechter der globalen Weltwirtschaft, die bisher den Markt in seiner selektiven Funktion als steuerndes Instrument einer sich dynamisch anpassenden Landwirtschaft verstehen, rufen jetzt um Hilfe. Schleswig-Holsteins Bauernpräsident hat landesweit alle Michbauern  zum Milch- Frühstück nach Neumünster eingeladen. Aufruf des Präsidenten „ Ich appelliere an alle Landwirte Schleswig-Holsteins, gemeinsam mit ihren Familien am 15. April nach Neumünster zu kommen. In schwierigen Zeiten muss die Landwirtschaft solidarisch zusammenstehen.“

                                                     Ungebremstes Wachstum passe?

 Das klang vor einiger Zeit noch ganz anders. Da wurde (oder wird noch?) der freie Markt zum Prinzip eines ungebremsten Wachstum erhoben. Mehr noch: Schleswig-Holstein ist ein Gunststandort und kann locker seine Milchproduktion um 60 Prozent ausweiten. Die Bauern, so die „veröffentlichte Meinung“, stehen schon „Gewehr bei Fuß.“ Wie dann diese Mehrproduktion abzusetzen ist, bleibt bis heute ein Geheimnis der Globalisierungsstrategen. Nun ist die Philosophie  des ungebremsten Wachstums durch die Lage am Milchmarkt stark erschüttert worden. Milchauszahlungspreise von unter 20 Cent je kg Milch sind schon einmal das vorgegriffene  Ergebnis eines freien Marktes. Der globale Weltmarkt  lässt heute schon grüßen! Unter diesen bauernfeindlichen  und menschenverachtenden Bedingungen, die zu dem noch vom Bauernverband  massiv unterstützt werden, ist es glatter Hohn, wenn der Bauernpräsident unter diesen Umständen  Solidarität einfordert. Sollen jene Solidarität zeigen, die die Opfer dieser menschenverachtenden Wachstumsphilosophie werden oder schon sind oder jene, die erst in nach Jahren  ihre Segel streichen müssen? Fest steht: Am Ende einer solchen Entwicklung ist der bäuerliche Familienbetrieb der Verlierer!

                                                              Biedere Hausmannskost

Und was hat der Bauerverband dazu zu sagen? Auf die globalen Herausforderungen  des Milchmarktes liefert er biedere Hausmannskost.  Hier einige Auszüge aus dem Aufruf :

Wir fordern zinsverbilligte Liquiditätshilfen für die Betriebe.

Die nationale Milchquote ist nicht erfüllt. Wir fordern daher Erleichterungen bei der Superabgabe.

Wir fordern eine Strukturentwicklung im Meiereisektor. Wertschöpfung und Marktposition müssen verbessert werden.

Wir brauchen echte Entlastungen (Steuernachlass für Diesel).

Wir fordern EU- Maßnahmen zur Entlastung des Michmarktes.

Wir fordern für das WJ 2007/8 eine zinslose Steuerstundung!

Wir brauchen die steuerliche Risikoausgleichsrücklage!

Schaut man sich die Forderungen einmal unvoreingenommen an, so stellt man fest, dass es sich hierbei nicht um tiefschürfende Erkenntnisse und Forderungen handelt, die zur Problemlösung  beitragen, sondern um Forderungen, die die Bauern erst einmal ruhig zu stellen sollen. Von einer wirklichen Aufarbeitung der Situation am Michmarkt von Seiten des Bauerverbandes  kann keine Rede sein.

                                                          

 

                                                         Nichts dazu  gelernt

Stattdessen werden die alten Parolen in stoischer Einfallslosigkeit, als ob nicht gewesen wäre, wiederholt. Mehr Markt, Wachsen oder Weichen, Exportförderungen müssen her usw. Dabei sollen sich die „Experten“ einmal die  Wachstumsbetriebe in den Niederlanden und in Dänemark  näher ansehen. Viele dieser Bertreibe sind finanziell am Ende. In einer vertikalen Integration zwischen den Banken, Genossenschaften, der Milchwirtschaft und den Bauern werden Konzepte zum Überleben entwickelt. Im Ergebnis  eines solchen Prozesses wird der Bauer zur wirtschaftlichen Kalkulationsgröße degradiert. Denn Wachsen um jeden Preis führt immer zur Überproduktion und damit zu Preisen, die eine nachhaltige Eigenkapitalbildung  nur schwer zulassen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem „Sich-Tod-Wachsen der Betriebe.“ Vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik ist es unverantwortlich immer nach dem Staat zu rufen, wenn man selbst nicht willens und in der Lage ist, Probleme zu erkennen und Lösungsansätze aufzuzeigen. Der Ruf nach mehr Markt und Wachstum kann nicht auf Kosten der Steuerzahler erfolgen!

                                                    Die Einsicht kommt nie zu spät

Deshalb greift die Einsicht – zumindest in der Michwirtschaft- langsam Platz, dass hemmungsloses Wachstum alle Anstrengungen einer kostendeckenden Milchpreisentwicklung zunichte macht.  Darum sprechen sich schon heute immer mehr Experten für eine nachfrageorientierte Milchproduktion aus. Vielleicht ist der Bauernverband in Schleswig- Holstein ja noch lernfähig- zu wünschen wäre es ihm. Der Bauernverband ist für die Mehrheit seiner Mitglieder da – oder?

 
Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post