Milchkrise : Sonnleitners existenzgefährdende Analyse

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 Milchkrise :             Sonnleitners existenzgefährdende Analyse

Bauernpräsident Sonnleitner kommt dass Fußvolk abhanden

Die  heftigen Proteste von  Milchbäuerinnen vor dem Bundeskanzleramt, die auf ihren Höfen wegen der fallenden Milchpreise mit der Kanzlerin sprechen wollten,  gingen leer aus. Die Kanzlerin war weit und breit nicht zu sehen. Die Begründung für ihr Fernbleiben  lieferte sogleich der BBV-Präsident in Vertretung der Kanzlerin höchst persönlich:“ Solche Aktionen sind nicht Stil des Bauernverbandes“. Die Lage sei zwar dramatisch, aber die Milchbauern dürfen die Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Auch bei der Milch herrschten zunehmend die Gesetze des Marktes .Recht hat er. Die Konsequenzen eines offenen Marktes lassen sich schon heute auf den Höfen beobachten.  Wer so argumentiert, hat die bäuerliche Milchwirtschaft in Deutschland schon abgeschrieben. Eine Milchproduktion zu Weltmarktpreisen bedeutet das Aus für die bäuerlichen Familienbetriebe. Diese existenzgefährdende Analyse des Bauernpräsidenten hat unter den Bauern für viel Unruhe gesorgt.

Kreisobmann Hans Fuchs hat die Schnauze voll

Viele Bauern sind zwischenzeitlich aus dem Bauernverband ausgetreten. Dazu der stellvertretende Kreisobmann Hans Fuchs aus  Oberndorf bei Ebersberg  (Bayern), der Demonstrationen und Kundgebungen organisiert hat: „ Wir sind doch die Basis. Was ist das für ein Berufsverband, der nicht tut, was die Basis will. Ich schau mir das nicht länger, wie unser Präsident blockiert“. Und dann setzte Fuchs noch eins drauf:

„Entweder Sonnleitner tritt zurück oder ich trete aus“. Dieses Aufbegehren ist nur die Spitze des Eisberges im Bauernverband. Das Fußvolk folgt nur noch wiederwillig den Verbandsoberen.

Die CSU setzt sich vom Bauerverband ab

Das hat auch Bayerns Landwirtschaftsminister Hans Brunner (CSU) schon begriffen und setzt sich langsam vom Bauernpräsidenten ab, denn es steht die Europawahl vor der Tür. Auch in Schleswig-Holstein werden die Verbandsoberen nicht müde, die Einheit des Berufsstandes immer wieder zu beschwören. Allein das „ewige Beschwören „ist ein deutliches Indiz dafür, dass der Bauernverband Schleswig-Holstein viele Bauern schon lange nicht mehr erreicht. Auch die Tatsache, dass nur 20% der Milchbauern Schleswig-Holsteins am Milch-Frühstück des Bauernverbandes in Neumünster teilnahmen, ist ebenfalls ein Zeichen abnehmender Zustimmung der Bauern zur Verbandspolitik des Bauernverbandes.

Die „landwirtschaftlichen Auslassungen“ der Kanzlerin haben es in sich

 Auch die Kanzlerin hatte es plötzlich eilig. Im Rahmen einer CDU-Schau in Ritterhude bei Bremen sprach sie mit dreißig Milchbauern aus der Region( es handelte sich hierbei um einen handverlesenen Personenkreis). Die Erkenntnisse der Kanzlerin lassen aufhorchen! Die Ställe sind voll Milchvieh. Die Bauern wollen ungehindert melken. Eine Mengenbegrenzung kommt für sie nicht infrage.“ Deshalb“, so die Bundeskanzlerin, „müssen wir eher über Exportstützungen gehen, über Sicherheitsnetze, die wir in Europa aufspannen können“. Das ist schlichtweg der Originalton des  Bauernverbandes und ist zugleich Wasser auf die Mühlen der Milchindustrie.  Das Zauberwort heißt:

Exportsubventionen führen zu niedrigen Milchgeldauszahlungspreisen

Wiederaufnahme der Exportsubventionen! Dazu der Chef der größten neuseeländischen Meierei, Andrew Ferrier: „ Die Wiedereinführung der Exportsubventionen für Milch-und Milchprodukte zeigt eine deutliche Wirkung. Und zwar: abwärts ! Die angespannte Lage auf dem Welt-Milchmarkt wird durch die EU-Exportbeihilfen für Milchprodukte noch weiter verschärft. Auch in Neuseeland mussten aufgrund der EU-Exportbeihilfen  die Milchgeldauszahlungspreise an die Bauern zurückgenommen werden.

 

Exportsubventionen  vernichten bäuerliche Existenzen in der Welt

 Die  Wiederaufnahme der  EU-Exportbeihilfen hat auch Uganda zu spüren bekommen: Die Milchwirtschaft kann  in diesem Land aufgrund des EU-Dumpings die eigene Milch nicht mehr verarbeiten. Die Bauern schütten täglich 100.000 kg Milch weg. Im Klartext: Die Exportsubventionen führen zu niedrigen Weltmarktpreisen und treffen somit die Milchbauern  wieder in voller Härte. Eine Spirale, an deren Ende die Bauern in der „ganzen Welt“ die Verlierer sind. Einzig und allein die Milchindustrie ist der Gewinner einer solchen Strategie. Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen der Bundeskanzlerin nicht nachzuvollziehen. Oder wurde sie falsch beraten?

Welche Schritte sind notwendig?

 

Der bäuerliche Familienbetrieb muss wieder mehr in den Mittelpunkt rücken

Es muss erkannt werden, dass Wachstum nur dann möglich ist, wenn auch die  Nachfrage damit Schritt hält

Die Milchproduktion muss der Nachfrage angepasst werden

Durch Lieferverträge, Preisstaffelungen und Mengenbegrenzungen auf freiwilliger Basis

Exportsubventionen führen zu niedrigen Weltmarktpreisen und damit zwangsläufig zu

               niedrigen Milchgeldauszahlungspreisen - auch in Europa!

Eine Abnahmegarantie für Rohmilch darf es nur noch unter Vorbehalt geben

Die zweite Säule der Agrar-Politik ist weiter auszubauen.

Neue Produktionsformen sind wissenschaftlich zu untersuchen und auszubauen

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