Weltagrarflächen: Sind die Bauern beim Run auf die Agrarflächen chancenlos ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 Weltagrarflächen:        Sind  die Bauern beim Run auf Agrarflächen chancenlos?

Ausgelöst durch Spekulationen von Nahrungsmitteln und damit steigenden Preisen entscheiden sich immer mehr finanz-und wirtschaftsstarke Staaten Ihre Abhängigkeit von den Rohstoffmärkten durch den Kauf von Agrarflächen zu vermindern. Die Shoppingtour führt sie meistens in die Länder der Dritten Welt.

Länder und Spekulanten gehen auf Shopping-Tour

 An der Spitze dieser Entwicklung steht Südkorea mit 2.3 Millionen ha Agrarflächen im Ausland, gefolgt von China mit 2,09 Millionen ha,  Saudi-Arabien mit 1,61 Millionen ha, die Vereinigte Emirate mit 1,3 Millionen ha und Japan mit 324 Tausend ha. Insgesamt befinden sich rund 8 Millionen ha in ihrem Besitz. Die Übereignung der Agrarflächen geht meisten mit der Vernichtung der kleinbäuerlichen Existenzen einher. Garniert wird das Ganze noch durch Spekulanten, die an diesem großen Deal mitverdienen wollen. Das Bankhaus Morgan-Stanley und die agrarindustrielle Louis-Dreyfus-Gruppe aus Frankreich haben sich mit zehndausenen Hektar im Brasilien eingekauft. Im Rahmen des König Abdullah-Programms von Saudi-Arabien ernten die Saudis in Äthiopien auf eigenen Feldern landwirtschaftliche Produkte. Die gesamten Erträge werden nach Saudi-Arabien exportiert. Äthiopien, eines der ärmsten Länder der Welt, hat nichts davon, denn Management und Fachpersonal liefern die Saudis gleich mit. Ergebnis: Die UNO schaufelt bis 2011 230.000 Tonnen Lebensmittel ins Land. Kosten: 116 Millionen Dollar.

Outsourcing der Landwirtschaft ist in

An dem Outsourcing der Landwirtschaft beteiligen sich auch  Libyen, Jordanien, Ägypten, Vietnam und Schweden. Die USA und Großbritannien lassen sich durch private Spekulanten vertreten. Nach Berechnungen des International Food Policy Research Institutes ( IFPRI)  sind in den letzten Jahren 15-20 Millionen ha Ackerland in den Entwicklungs-und Schwellenländern an ausländische Investoren gegangen. Die wiederum erkennen die Nutzungsrechte vieler Kleinbauern und Hirten nicht an,  da sie meistens über keine Landtitel verfügen.

Bauern und Hirten gehen vor die Hunde

Insoweit nimmt die Verarmung  der Bevölkerung in diesen Ländern zu. Auch fehlt den Investoren die Bindung zum Boden. Ihnen geht es in der Regel nur um Gewinnmaximierung. Sie können ja, nach Jahren der Ausbeutung, das Land wieder verlassen. In Burkina Faso  und in Benin produzierten Investoren unter Einsatz von Chemie Baumwolle für den Weltmarkt. Ergebnis:  Das Land ist tot- da wächst nichts mehr! Nach Angaben von Bernhard Chilla (Alfred C.Toepfer GmbH) stehen in Süd-und Mittelamerika noch 41 Millionen ha, in Afrika 19 Millionen ha und in Russland  19 Millionen ha zur Produktionsnutzung für Investoren bereit. Man braucht kein Prophet zu sein um vorherzusagen, dass das Geschäft mit Agrarflächen  an den Bauern weitgehend vorbeigeht.

Weltbanktochter finanziert Agrokonzerne

Die Weltbanktochter IFG unterstützt das Agrobusiness durch umfangreiche Kredite. 2008 investierte die IFG 1,4 Milliarden US-Dollar in den Aufbau von Versorgungsketten der Agroindustrie. Davon gingen allein 900 Millionen Dollar direkt an Agrokonzerne. Um diesen Kuchen reißen sich Großinvestoren, Spekulanten, die ihr Geschäft auf Kosten der bäuerlichen Landwirtschaft in den betreffenden Regionen machen. Länder wie China, Japan, Südkorea, Libyen, Ägypten wollen sich  unabhängiger vom Weltmarkt machen.

Die Auswirkungen auf die „Europäischen Bauern“ sind noch nicht abzusehen

Die Eigenversorgung  der Länder steht hier im Mittelpunkt und nicht die der Entwicklungsländer. Allein in Argentinien befinden sich 270.000 Quadratkilometer im Besitz ausländischer Investoren.  Welche Auswirkungen diese globale Handlungsweise in  Punkto Rohstoffsicherung der Staaten auf die europäischen Landwirtschaft haben wird, ist heute noch nicht abzusehen. Auf jeden Fall trägt diese Entwicklung nicht zur Sicherung bäuerlicher Existenzen bei.

Auch in Deutschland wird zum Angriff geblasen

Auch in Deutschland wird zum  Angriff geblasen. Kapitalkräftige Investoren tummeln sich in den neuen Bundesländern. Der international tätige Möbelhersteller Steinhoff kauft Anteile von Agrargenossenschaften auf und beabsichtigt Biogasanlagen zu errichten.  Acht Anlagen sind beantragt. Der Biogasboom lockt immer mehr außerlandwirtschaftliche Investoren an, die in Konkurrenz zur bäuerlichen Landwirtschaft stehen. Auch die KTG Agrar AG aus Hamburg steht in den Startlöchern. Die bisherigen 12 Biogasanlagen mit insgesamt 8 Megawatt Stromleistung sollen bis 2010 verdoppelt werden. Dazu wird Ackerland benötigt. Dieses will das Unternehmen hauptsächlich in Ostdeutschland und Litauen pachten oder kaufen. Dazu der KTG-Vorstandsvorsitzende Siegfried Hofreiter: „ Wir werden unsere Expansion fortsetzen. Über die dazu gehörige Finanzkraft und das Marktpotential verfügen wir.“ Schon heute zählt KTG Agrar AG mit einer Anbaufläche von 29.000 ha zu den größten Produzenten von Agrarstoffen in Europa. Nicht die Sicherung einer nachhaltigen Landwirtschaft steht hier im Vordergrund, sondern die Gewinnmaximierung .  Riesige Maisfelder als Monokultur geben hier ein beredetes Beispiel ab. Ein an sich guter Ansatz zur Erzeugung regenerativer Energien wird durch falsche Rahmenbedingungen ins Gegenteil gekehrt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Gesetzgeber diese Fehlentwicklung erkennt und gegensteuert. Ein durch staatliche Maßnahmen geschützter Bereich darf nicht  dazu führen, dass die Wertschöpfung im Wesentlichen an den bäuerlichen Betrieben vorbeigeht.

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