Milchkrise: Befindet sich Schleswig-Holstein in Absurdistan ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

 Milchkrise: Befindet sich Schleswig –Holstein in Absurdistan?- oder- jeder Vorschlag ist erwünscht!

Seit Monaten erleiden die Milchviehbetriebe Einkommensverluste und ein Ende der Eigenkapitalverluste ist noch nicht abzusehen.

Die nackte Not der Betriebe

Da verwundert es niemanden, dass händeringend Lösungen gesucht werden und es Vorschläge von „allen Seiten hagelt“, um das Problem des Michgeldpreisverfalls  zu stoppen. Dass dabei auch Vorschläge gemacht werden, die wenig Aussicht auf Erfolg haben, liegt auf der Hand. Allein der gute Wille sollte in dieser Notlage seine Würdigung finden. Schon die Tatschsache, dass intensiv über das Problem nachgedacht wird, stimmt mich zuversichtlich. Dieser Wettstreit der Lösungsansätze darf aber nicht ins Lächerliche gezogen,  nur weil einem die Richtung nicht passt.

 

Spott hilft nicht weiter

 Der Kommentator des Bauerblattes Schleswig-Holstein, Dirk Ehlers, stellt in seinem letzten Kommentar fest, dass die Uhren im Bayern anders gehen. Dort in Bayern, wo Milch- und Hungerstreiks organisiert werden, Blumenkästen der Bauernhäuser leer bleiben sollen, damit auch die Touristen auf die Lage der Milchbauern aufmerksam gemacht werden, tickt man eben anders.  „Wahrhaft tolle Ideen“, frohlockt Herr Ehlers. Garniert wird das Ganze mit dem Hinweis, dass sich die  Milchbauern nördlich des Weißwurstäquators  im Internet über diese Ideen amüsieren und darüber spotten. Natürlich darf bei dieser „ Amüsierkanonade“ des Kommentators „der Schaber des BDM“ nicht fehlen. Ohne überhaupt erst einmal das Ergebnis der Bemühungen des BDM  um Mengenreduzierungen (FMS) abzuwarten, wird alles in Bausch und Bogen abgelehnt und nach Absurdistan verwiesen.

Es gib auch andere Sichtweisen

Im Gegensatz zum Kommentator Ehlers kommt der Kommentator des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe, Franz Josef Budde,  seiner journalistischen Unabhängigkeit und  Sorgfaltspflicht nach, in dem er konstatiert: „Ob man will oder nicht: Zu diesem Meinungsumschwung hat der Bundesverband Deutscher Milchviehalter Erhebliches beigetragen. Dem BDM ist es gelungen, die Bevölkerung emotional auf die Seite der Bauern zu ziehen“.

 

Und was bietet Herr Ehlers (Bauernverband) den Milchviehbetrieben an?

interventionspreise anheben, Exporterstattungen weiter zu erhöhen usw.  Auf die Idee, dass die Misere am Milchmarkt durch Überproduktion verursacht und durch eine marktangepasste Produktion ganz einfach zu beheben ist, kommt  Kommentator Ehlers nicht. Hier scheint es ein Denkverbot für Kommentatoren des Bauerblattes zu geben. Ganz auf der Linie des Bauernverbandes. In der ehemaligen DDR nannte man so ein Verhalten linientreu.

 

Wachstum um jeden  Preis  -  heißt die Parole

Dass diese Linie des ungebremsten Wachstums unbeirrt weiter verfolgt wird, zeigt ein Gespräch des Bauernverbandes beim Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen. Zwar wird mit großer Sorge die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe betrachtet, „auch ein Denkverbot“, so der Ministerpräsident, „dürfe es  in dieser Lage nicht geben“. Wen hat er wohl damit gemeint?  Wenn es aber um Mengenbegrenzungen geht, dann schaltet man beim Bauernverband auf stur. Zwar ist man für ein Ausstiegsprogramm für abgabewillige Milcherzeuger, aber bitte nicht aus Kosten der Quote;  man will ja am Markt vorbei weiter wachsen!

 

Wir sind Gunststandort und wollen weiter wachsen

Das deckt sich ganz mit der Forderung des Landwirtschaftsministers von Boetticher, der Schleswig-Holstein zum Gunststandort erklärt hat(meint er damit die Marsch, die Geest( Mittelrücken) oder das östliche Hügelland?- Fragen über Fragen!)  und die Milchproduktion nach dem Wegfall der Milchquote um über  50%  anheben will. Wie das „ohne Markt“ funktionieren soll, muss der Minister erst noch erklären. Das schein auch den Bauernverband nicht zu interessieren. Nach Lesart  des Bauernpräsidenten aus Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, hat die Politik sich aus dem Marktgeschehen rauszuhalten. Sie ist nur dann gefordert, wenn der Markt nicht mehr funktioniert. Und diese Forderung- wie kann es anders sein -  muss in Form von Subventionen umgesetzt werden!  So einfach kann Agrarpolitik sein. Dass so eine Vollkaskopolitik auf Kosten der Steuerzahler auf Dauer nicht durchzuhalten ist, müsste hinlänglich bekannt sein -nur nicht beim Bauernverband Schleswig-Holstein!

 

Die Illusion des Bauernverbandes – Absurdistan lässt grüßen

Er jagt weiter der Illusion hinterher, dass wachsen um jeden Preis weiterhin auf Kosten der Steuerzahler möglich ist. Hier irrt sich der Bauernverband. Absurdistan lässt grüßen! Mit dieser Politik liquidiert   er fahrlässig bis zu 80 Prozent der Milchviehbetriebe des Landes. Das sind immerhin 4.400  unserer Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein! Mehr noch: Er fordert eine“ zwei Klassen Gesellschaft für  Milchviehbetriebe“ und zwar: Die“ Einen“, die investiert haben, müssen unterstützt werden; die „Anderen“, die nicht investiert haben - eben nicht! Dass es auch anders gehen kann - zumindest sucht man Lösungsansätze- zeigen Überlegungen von Politikern, Fachleuten und Wissenschaftlern, die z. Z. Instrumente einer Marktanpassung – wie auch immer –  entwickeln und prüfen, um möglichst viele bäuerliche Existenzen zu erhalten. Dieser Aufgabe sollte sich der Bauernverband stellen, anstatt immer wieder alte Zöpfe zu flechten.  Vielleicht hat der Kommentator ja doch recht:  Schleswig-Holstein befindet sich in Absurdistan!

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