Arla/Allgäuland: Wer nicht pariert, der wird bestraft.
Arla/Allgäuland: Wer nicht pariert, der wird bestraft.
Oder: Droht ein Haberfeldtreiben gegen abtrünnige Milchbauern?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Es ist wie so oft: Wer die Karre in den Dreck gezogen hat, der macht Vorschläge zur Rettung, die zumindest für „die Versager“ (Geschäftsführung, Vorstand u. Aufsichtsrat der Allgäuland GmbH) alternativlos sind.
Allgäuland: Wir wollen überleben und mit allen Mitteln eine drohende Insolvenz verhindern», so etwa Allgäuland-Geschäftsführer Paul Ritter. «Deshalb müssen Sie heute für Arla Foods stimmen. Das ist der einzige Weg für uns alle“(Quelle:MZ).
Anmerkungen: Allein die Tatsache, dass die vorgeschlagene Lösung alterativlos ist wirft ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen. Warum hat man so spät reagiert? Waren die Probleme nicht schon lange bekannt? Hat man nicht mit dem langen „Hin und Her“ und den dubiosen Erklärungen der Geschäftsführung die Milchbauern verschaukelt (siehe auch meine div. Kommentare im Blog dazu)? Konnten unter diesen Umständen überhaupt gute Konditionen ausgehandelt werden? Wurde das situationsgebundene Übernahmeangebot von Arla wissentlich zu Lasten der Eigner von der Geschäftsführung der Allgäuland GmbH vorbereitet?
Arla:Wir wollen Allgäuland nicht retten, das ist nicht unsere Aufgabe», sagt Arla-Deutschlandchef Torben Olsen. Vielmehr sehe er im Allgäu ein «gutes Geschäft» und die Möglichkeit, die Allgäuland-Produkte «international professionell zu vermarkten» - etwa «Mountain Cheese», also Bergkäse, in Kanada und in den USA. «Wir sprechen hier über eine Partnerschaft, die sehr, sehr lange Zeit bestehen soll», so der Däne in Richtung Landwirte(Quelle MZ).
Anmerkungen: D.h.im Klartext: Arla ist nur an den Marken (Rosinen) interessiert und nicht an Allgäuland. Das Problem, so Ohlsen, müssen die Milchbauer durch Milchgeldverzicht selber lösen bzw. durch Arla auf Kosten der Milchbauern lösen lassen.
Und dann das:Eine Genossenschaft, die Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG, wagt es, zu dem (angeblich)alternativlosen Vorschlag zur Übernahme der Allgäuland GmbH durch Aral nein zu sagen. Obwohl, so ist mein Eindruck , die Generalversammlung der Allgäuer Bergbauern-Milch-Sonthofen-Schönau eG ordnungsgemäß ablief, sich alle Mitglieder über Pro Kontra austauschen konnten und es im Ergebnis zu einem regulären negativen Abstimmungsergebnis kam, wird schon von einer erneuten Generalversammlung gesprochen, die das bestehende Ergebnis wieder korrigieren soll. Nach dem Motto: Es wird so lange abgestimmt, bis das Ergebnis den Befürwortern der Übernahme passt. Eine erneute Einladung zur Generalversammlung macht nur dann einen Sinn, wenn neue Fakten vorliegen und diese zur Abstimmung gestellt werden. Und diese Fakten liegen(bisher) noch nicht vor. Ansonsten verkommt eine erneute Versammlung, die ja in der Hand der Befürworter liegt, zu einer öffentlichen Hinrichtung der Neinsager. Die verflossene Versammlung bot schon mal ein Vorgeschmack auf das, was kommen kann.
Funktionäre und Personalvertreter: Einer nach dem anderen machen Funktionäre und Personalvertreter am Rednerpult ihrer Frustration Luft. «Wenige reißen ganz viele in den Ruin», sagt ein Mann unter Tränen am Mikrofon. Was jetzt passiert sei, dürfe es in einer gerechten Welt nicht geben. Nach Ende der Versammlung gegen 1.30 Uhr nachts geraten sogar zwei Landwirte handfest aneinander(Quelle.AZ).
Die ehemalige DDR lässt grüßen!
Anmerkungen: Es ist zu befürchten, dass die nächste Abstimmung in einem Haberfeldtreiben ausartet. Druck und öffentlicher Zwang bestimmen dann das Abstimmungsergebnis. Die ehemalige DDR lässt grüßen!
Zu oft getäuscht!
Was ist das für ein Verständnis von Demokratie, wenn man kritische Milchbauern unter Verdrehung von Tatsachen in die Ecke stellt. Nicht die Milchbauern sind an dieser Entwicklung schuld sondern die Geschäftsführung und deren ehrenamtliche Gremien. Wo bleibt die Kritik der Personalvertreter an der Geschäftsführung. Warum wirft man einer gescheiterten Geschäftsführung noch über 100.000 € Abstandszahlungen hinterher? Warum ? Warum ? Warum?
Deshalb ist es jenen Milchbauern, die vom Unternehmen so oft getäuscht wurden, doch nicht zu verdenken, wenn sie nein zur Übernahme sagen.
Erpressung In Reinkultur – entweder Zustimmung oder pleite!
Die katastrophalen Managementfehler der Geschäftsführung der Allgäuland GmbH und die immer wieder den Milchbauern gebetsmühlenartig vorgetragene deutliche Verbesserung der Situation, die nicht eintraf, hat das Vertrauen in das Unternehmen stark erschüttert. Und diese Geschäftsführung legt, der man eh nicht traut, nun den Milchbauen ein Übernahmeangebot vor, dass erpressbare Passagen zum Inhalt hat: Entweder Zustimmung oder Pleite! Das ist keine solide Plattform, auf der man gleichberechtigt Argumente austauschen kann.
Arla bestimmt die Richtung und damit basta!
Arla bestimmt die Marschrichtung und damit basta! Und diese Richtung heißt: Bestrafung der Milchbauern, die kündigen oder gekündigt haben. Milchbauern, die zustimmen, sich langfristig für Arla entscheiden und auf ihre Anteile verzichten, erhalten folgende Zuschläge:
Ø Der Partnerzuschlag von 0,35 Ct/kg für alle Lieferanten, die die Milchpartnervereinbarung unterzeichnen;
Ø ein Bündelungszuschlag von 0,29 Ct/kg, wenn die jährliche Gesamtmenge 250 Mio. kg, und die Spezialmilch die 75 Mio. kg erreicht;
Ø -einmalig ein Loyalitätsbonus von 0,4 Ct/kg, wenn der Lieferant vier volle Jahre an Allgäuland geliefert hat
Ø Zudem zahlt Arla als Teilausgleich für die Milchpreisabsenkung von Juli bis September von Oktober bis Dezember für alle Lieferanten, die den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet haben, ein Begrüßungsgeld von 1 ct/kg.
Milchbauern werden um die Früchte ihrer Arbeit gebracht!
Anmerkungen: Alle diese Zulagen erhalten nur jene Milchbauern, die sich für Arla entscheiden. Genossenschaftsmilchbauern, die ordnungsgemäß gekündigt haben und aufgrund von Satzungen und Verträgen weiterhin noch liefern müssen, erhalten für die von ihnen gelieferte Milch diese Zulagen nicht. Die Kündigungsfrist beträgt 2 Jahre! Arla will die „abtrünnigen“ Milchbauern um die Früchte ihrer Arbeit bringen!
Dazu hat der BGH in einem Grundsatzurteil folgende Sätze formuliert:
Leitsatz
1. Eine Genossenschaft ist nicht berechtigt, die Zahlung erhöhter Prämien für die Lieferungen ihrer Mitglieder davon abhängig zu machen, dass diese sich vertraglich im Voraus verpflichten, ihre ausschließliche Lieferbindung an die Genossenschaft auch über
die Beendigung ihrer Mitgliedschaft hinaus fortzusetzen (Ergänzung BGH, 1983-06-20,
II ZR 224/82, LM Nr. 5 zu § 18 GenG).
Orientierungssatz
1. Eine derartige Vertragsgestaltung verstößt durch die Festsetzung im Ergebnis ungleicher Preise für Waren gleicher Güte und Menge gegen den genossenschaftlichen Gleichbehandlungsgrundsatz; sie behindert darüber hinaus die Genossen in unzulässiger
Weise in der Ausübung ihres unabdingbaren gesetzlichen Austrittsrechts(Quelle:BGH).
Das Angebot von Arla reicht nicht aus!
Anmerkungen: Diese vom BGH formulierten Ansprüche werden im Übernahmeangebot von Arla nicht verwirklicht. Es hat strafenden Charakter und ist deshalb in der bisherigen Form abzulehnen. Bleibt nur zu hoffen, dass Arla nochmals nachdenkt und den Milchbauern ein deutlich verbessertes Angebot vorlegt.