Bauernverband Schleswig-Holstein : Ist ein Wandel durch Einsicht möglich ?
Bauernverband Schleswig- Holstein: Ist ein Wandel durch Einsicht möglich?
Der Bauernverband Schleswig-Holstein (Bezirksverband Ostholstein) hatte zum Bauerntreffen unter dem Thema „ Globale Märkte „eingeladen. Gleich sechs Referenten wurden aufgeboten. Also geballte Power ! Was die Anwesenden da zu hören bekamen, war Kirchturmpolitik erster Güte.
Ein Kreisvorsitzender der alten Schule
Zuerst stieg der Kreisvorsitzende Heinrich Kröger in die Bütt. Schnell kam er auf das das EEG- Gesetz zu sprechen und lobte den geschützten Bereich der Biogasproduktion über den Klee. Was das nun mit dem Globalen Markt zu tun hat, bleibt sein Geheimnis. Vielmehr hätte er darauf hinweisen müssen, dass hier ein geschützter Bereich (Biogasproduktion) im Flächenwettbewerb gegen einen in den freien Markt entlassenen Bereich (Milchproduktion) antritt. Natürlich mit fatalen Folgen für die Milchviehbetriebe, die sich ja, im Gegensatz zur Biogasproduktion, am Markt behaupten müssen. Erst wenn ein Milchgeldauszahlungspreis von 34 Cents/kg Milch erreicht wird, kann von Waffengleichheit gesprochen werden. Warum sollte er darauf hinweisen? Es gibt ja eh nur noch wenige Milchviehbetriebe in Ostholstein.
Nichts hören, nichts sehen und einfach durch
Auch der Naturschutz bekam sein Fett weg. Geflissentlich verschwieg Herr Kröger die Tatsache, dass erst vor wenigen Tagen die Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (Schleswig-Holstein) mitteilte, dass die Gewässer in Schleswig-Holstein in keinem guten ökologischen Zustand sind. Als Grund für den schlechten Zustand nannte die Ministerin u.a. die hohen Nitratwerte der landwirtschaftlich genutzten Flächen( 450.000ha). Hier hätte Kröger punkten können, wenn er für die Angebote der Ministerin an die Bauern geworben hätte(das stand wohl nicht in seinem Rede-Manuskript).Auch beklagte Kröger die Folgen der liberalisierten EU- Agrarpolitik. Da hätte er gleich mit Fakten nachlegen müssen. Gemäß einer Studie der FAL wird sich der Milchpreis zwischen 23-24 Cents je kg bis 2013 einpendeln. Auch wies er darauf hin, wie wichtig es ist, die eigenen Grundkosten zu kennen. Auch hier hätte er, wenn er denn gewollt hätte, „Tachles“ reden können. Zu Milchpreisen von 23-24 Cents je kg Milch können auch unsere Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein keine Milch produzieren. Allein die variablen Kosten je kg erzeugter Milch betragen schon 23,61 Cents.
Unnötige Entgleisungen
Natürlich – wie kann es anders sein- durfte der Fußtritt gegen Süddeutschland nicht fehlen. Dabei kann ich Herrn Krüger nur empfehlen, sich mal in Süddeutschland die Probleme der Bauern anzuhören, um dann sachgerecht urteilen zu können. Was die Herren Krüger und der Marktradikale Riewe berteiben (steht Bauernverband dahinter?) ist Agrarpolitik auf unterstem Niveau!
Der Bauernverband muss nachbessern
Ganz anders Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann, der auf die Direkthilfen nach 2013 einging und sachgerechte Argumente zur Weiterführung der Direktzahlungen anmahnte. Auch der Städter muss das verstehen können, wofür er zahlen muss. In diesem Zusammenhang wies er auf das Argument einer flächendeckenden Bewirtschaftung hin. Hier muss der Bauerverband noch kräftig nachlegen, wenn er die Steuerzahler überzeugen will. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Klassenziel nicht erreicht!
Der ratlose Staatssekretär
Auch Landwirtschaftsstaatssekretär Ernst-Wilhelm Rabius ist in Erklärungsnot, was die Rechtfertigungen von Beihilfen an die Bauern anbelangt. Er will sich auf die Suche machen. Dabei braucht er gar nicht lange zu suchen. Ich empfehle ihm, einmal den Bericht des Europäischen Rechnungshofes zu studieren, sich dann die Studie der Deutschen Bank (Lebensmittel – Eine Welt voller Spannung) zur „Brust“ zu nehmen und seiner Ministerin mal aufmerksam zuzuhören. Schon kann - wenn er denn will - fündig werden. Darüber hinaus empfehle ich ihm die Studie des Institutes für Marktanalyse und Agrarhandelspolitik (FAL) in Braunschweig( Der Europäische Milchmarkt zwischen Reform und Liberalisierung).
Ein Marktradikaler stürmt die Bütt!
Und dann stieg einer in die Bütt, seines Zeichens Landwirt und Berater, den man gemäß seinen Ausführungen als Marktradikaler bezeichnen kann. Sein Kredo: Es gibt zu viele Bauern. Die müssen eben weg! Gleichzeitig beklagt er sich über den gnadenlosen Wettbewerb der Bauern um Flächen. Welch eine widersprüchliche Haltung! Der Berater hätte wissen müssen, dass es bei unterschiedlich fixen Faktorengegebenheiten keine Wettbewerbsgleichheit geben kann. Dann weiter auf die Karte des gnadenlosen Wachsens oder Weichens um jeden Preis zu setzen, ist nicht nur abenteuerlich sondern zerstört auch viele bäuerliche Familienbetriebe.
Hat Präsident Werner Schwarz sich gemausert?
Ganz anders Präsident Schwarz vom Bauernverband Schleswig-Holstein: Mit ihm an der Spitze will der Bauerverband Schleswig-Holstein möglichst viele Betriebe erhalten. Welch ein Wandel! Vor einiger Zeit klang das noch ganz anders! Hat man in der Zwischenzeit auch beim Bauernverband in Schleswig-Holstein erkannt, dass wir als Global-Player nur zweiter Sieger am Weltmarkt sind. Wenn das stimmt, dann gratuliere ich schon jetzt dem Präsidenten zur der gewonnenen Einsicht. Nehme aber die Gratulation gleich wieder zurück, wenn den Worten keine Taten folgen.