Bauernverband Schleswig-Holstein: Perspektiven für die Milcherzeugung!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-T     Thesenpapier des Bauernverbandes Schleswig-Holstein

                                     „Perspektiven für die Milcherzeugung in Schleswig-Holstein“

Oder:“ Neuer Wein in alten Zöpfen“

Folge 3

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b) Genossenschaften haben die Funktion von Erzeugergemeinschaften. Ein Vorschalten von Liefer- oder Erzeugergemeinschaften vor eine Meiereigenossenschaft macht daher keinen Sinn.

 

Anmerkungen: Diese Vorstellung ist der Idealfall. Sie trifft aber in vielen Fällen nicht zu. Beispiel: Im Geschäftsbericht der Nordmilch 2008 wird in großer Aufmachung ein  300er Milchviehbetrieb als Nordmilch-Idealbetrieb der Zukunft dargestellt. Frage: Hat sich der Vorstand diese Aussage durch eine Mitgliederbefragung absegnen lassen?  Oder: Eine staatliche und branchenweite Nachfolgeregelung zur Mengensteuerung wird es nicht geben! Oder: Eine Nachfolgeregelung der Milchmengenverordnung ist Sache der Milcherzeuger Oder: Bis 2015 werden 50 Prozent der Milchviehbetriebe ihre Produktion einstellen!  Oder: Das ist dann das entsprechende Wachstum für die verbleibenden  Betriebe! Oder: Der Strukturwandel wird sich bei weiter sinkenden Preisen zusätzlich beschleunigen! Quellen: Die oben aufgeführten Zitate(Sprüche) sind ausschließlich das Ergebnis genossenschaftlicher Handlungsempfehlungen!  Aber: Von angemessenen Milchpreisen für die Michbauern ist nicht mehr die Rede! Hier geht es um den Markt und zwar um den globalen. Und dieser globale Markt verträgt keine Vollkosten! Im Mittel wird noch nicht einmal die Kostendeckung erreicht. Dazu der Europäische Rechnungshof: „ Hinsichtlich  der Wettbewerbsfähigkeit stellt der Hof fest, dass der Anteil der EU am Welthandel mit Milcherzeugnissen seit 1984 schrumpft. Die europäischen Erzeuger für Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver sind auf den Weltmärkten nur bei entsprechend hohen Kursen wettbewerbsfähig.“ Weiter heißt es: „Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollten sich daher vorrangig auf die Bedarfsdeckung des europäischen Marktes konzentrieren, da die Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver ohne Budgethilfe (Exportförderung) nicht für den Weltmarkt exportfähig sind. Die FAO(Food and Agriculture Organization of the United Nations) ergänzt: „Bis zum Jahr 2018 wird die weltweite Milchproduktion um 170 Mio. Tonnen steigen. Der Zuwachs erfolgt vornehmlich in den asiatischen und südamerikanischen Ländern, die ihren Mehrbedarf selbst produzieren. In dem Zeitraum bis 2018 nimmt der EU-Milchprodukte-Export in Drittländer und 6-7 Prozent ab.“ D.h.im Klartext: Der Bauernverband und die Milchindustrie schüren Erwartungen und Hoffnungen in den Weltmarkt, die nicht erfüllt werden können. Oder anders herum gesagt: Das Spiel der Global-Player ist nur zu Lasten der Milchbauern möglich! Hier wird bewusst die Vernichtung bäuerlicher Existenzen in Kauf genommen. Darüber sollte der Bauernverband die Milchbauern informieren und abstimmen lassen. Dazu fehlt dem Bauernverband der Mut. Denn die Herren wissen ganz genau, dass die Mehrheit der Milchbauern dem Bauernverband einen Laufpass geben würde! Man sitzt ganz  einfach das Problem aus! Apropos Abstimmung: Der Landeskontrollverband Schleswig-Holstein hat eine Befragung seiner Mitglieder 2008  durchgeführt. Datengrundlage: 5.352 Milchviehbetriebe insgesamt in Schleswig-Holstein. Davon sind  4.141 Betriebe im Landeskontrollverband, die je einen Fragebogen erhielten. 1.390 Betriebe füllten „ihre“ Fragebögen aus und schickten diese wieder an den Landeskontrollverband zurück. Davon konnten 1.351 Fragebögen ausgewertet werden.D.h.im Klartext: Nur 25 Prozent der Milchviehbetriebe nahmen an der Befragung  teil. Davon wollen 51 Prozent nur mäßig wachsen, also nur zirka  10 Prozent der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein. Dieses Ergebnis hat der Bauerverband zum Anlass genommen, um den Hasardeuren unter den Milchbauern den Rücken zu stärken. Lauthals und im Einklang mit der Milchindustrie ruft der Bauerverband immer wieder zu Wachstums-Attacken auf.  Wann endlich begreift der Bauernverband, dass dieser Weg des alles oder nichts die bäuerlichen Familien in den Abgrund stürzt!

 

c) Genossenschaftsmitglieder sind Eigentümer ihrer Genossenschaft. Ein Mitglied einer Genossenschaft hält also eine Unternehmensbeteiligung. Es ist von Seiten der Unternehmen notwendig, die Kommunikation innerhalb des Unternehmens gegenüber deutlich zu intensivieren. Der gegenseitige Dialog ist zu fördern.

Anmerkungen: Zwar sind Genossenschaftsmitglieder  Eigentümer ihres Unternehmens; jedoch gegenüber der hauptamtlichen Geschäftsführung nicht  gleichberechtig, da die hauptamtliche Geschäftsführung über einen Wissensvorsprung gegenüber dem Ehrenamt verfügt.  Diese „Unwissenheit“ des Ehrenamtes  führt oft dazu, dass die hauptamtlichen Geschäftsführung  Entscheidungen befördert, die die Position der Geschäftsführung zwar stärkt, jedoch gegen die Interessen der Genossenschaftsmitglieder gerichtet ist. Um eine ausgewogene Machtbalance zu erreichen ist es notwendig,  den § 38 des Genossenschaftsgesetzes(GenG) zu ändern. Hier muss rechtsverbindlich dem Aufsichtsrat die Möglichkeit gegeben werden, bei Bedarf externen Sachverstand auf Kosten der Genossenschaft in eigener Regie und ohne Einfluss des Vorstandes beiziehen zu können.

 

5. Milcherzeuger

These: Der Milcherzeuger muss seine unternehmerischen Qualitäten ausbauen und eine strategische Betriebsausrichtung vornehmen; denn Milcherzeuger sein, heißt Unternehmer sein.

 

a) Unser Leitbild ist und bleibt auch zukünftig der unternehmerisch geführte Familienbetrieb. Dieser wird sich entsprechend der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten ständig weiterentwickeln. Der Strukturwandel wird sich auch in Zukunft fortsetzen.

Anmerkungen: Die bisherige  Politik des Bauernverbandes ist im Großen und Ganzen nicht dazu angetan den bäuerlichen  Familienbetrieb zu erhalten. Die jetzige Politik des Bauernverbandes führt dazu, dass in Zukunft 75 Prozent der bäuerlichen Milchviehbetriebe ihre Segel streichen müssen. Wenn es durch Genmanipulation gelingen sollte die Automatenkuh zu produzieren, auch das unterstützt der Bauernverband, dann ist der Marsch in die industrielle Milchproduktion nicht mehr zu bremsen.

 

 b) Durch Rückzug des Staates aus der Marktordnung wird die unternehmerische Qualifikation der Milcherzeuger wichtiger denn je. Nur wer seine Produktionskosten fest im Griff hat, wird nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich Milch produzieren können. Auch für Milcherzeuger gilt, dass sie eine Strategie für die betriebliche Entwicklung in den nächsten Jahren haben müssen. Dabei müssen die Betriebsleiter entscheiden, ob Spezialisierung oder Diversifizierung für sie der richtige Weg ist.

 

Anmerkungen: Alle diese Forderung sind eine Selbstverständlichkeit, die schon heute von den meisten Betriebsleitern beherzigt werden. Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse legen Zeugnis darüber ab. Die Fähigkeiten der Betriebsleiter  haben da ihre Grenzen, wo trotz guter Wirtschaft die Vollkosten nicht mehr gedeckt werden. Das ist zurzeit der Fall. Durch die vom Bauerverband proklamierte Produktionsausweitung ohne Markt wird alles getan, um den Zustand der Vollkostendeckung  nicht( mehr) zu erreichen. Gegen einen  solchen marktwirtschaftlichen Unsinn kann selbst der beste Betriebsleiter nicht gegen an arbeiten.

 

c) Bei allen betrieblichen Entscheidungen muss die finanzielle Stabilität des Betriebes im Mittelpunkt stehen. Die Eigenkapitalbildung und -sicherung ist der entscheidende Faktor. Schwankende Märkte werden die Betriebe immer wieder vor finanzielle Herausforderungen stellen.

 

Anmerkungen: Am Beispiel der USA kann man erkennen, was Wachstum um jeden Preis bedeutet. Seit 1992 sind die Milchviehbestände der USA von 65 Kühen auf 200 Kühe je Betrieb gestiegen. Die Produktionsmenge wurde ebenfalls kräftig erhöht. Im gleichen Zeitraum sind aufgrund der (fast) permanenten Überproduktion  die Milchpreise für die Farmer nicht gestiegen( Ausnahme 2007). Das  hat zur finanziellen Auszehrung der Farmen geführt. Heute denkt mit in dem freien Wirtschaftsraum USA über mengenbegrenzende Maßnahmen nach.

 

d) Die Deregulierung der Agrarmärkte stellt auch die Milcherzeuger vor neue kaufmännische Anforderungen. Wir sehen daher Anpassungsbedarf in der Aus- und Fortbildung der Landwirte. Insbesondere das Liquiditätsmanagement muss neben Kosten- und Produktionsmanagement und dem Verständnis für Märkte stärkere Bedeutung erhalten.

Auf unseren wachsenden Familienbetrieben werden zunehmend Fremdarbeitskräfte in der Milchproduktion beschäftigt. Auch für diese Arbeitskräfte ist eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung außerordentlich wichtig. Für die Betriebsleiter werden zunehmend Fragen der Personalführung bedeutsam.

 

Anmerkungen: Siehe meine Bemerkungen zu b und c. Darüber hinaus grenzt es schon an Zynismus, wenn der Bauernverband den Milchviehbetrieben Wachstum empfiehlt, aber alles unterlässt, um dieses Wachstum marktwirtschaftlich, d.h. bedarfsangepasst zu begleiten. Milchviehbetriebe, die in eine Lohnarbeitsverfassung hineinwachsen, erhöhen ihre Festkosten und sind damit anfälliger gegenüber Einkommensschwankungen als „reine“ Familienbetriebe.

 

6. Futtermittel

These: Die Milcherzeuger müssen die Entscheidungsfreiheit haben, ob sie mit GVO-freien Futtermitteln Milch produzieren wollen oder nicht. Diskriminierung oder Polarisierung sind unverantwortlich.

 

a) Basis unserer Milchproduktion ist eine gute Grundfutterversorgung. Zusätzlich muss die Versorgungssicherheit mit proteinhaltigen Futtermitteln aus dem In- und Ausland gewährleistet werden.

 

Anmerkung: Das sind Allgemeinplätze, die durch Angebot und Nachfrage geregelt werden.

 

b) Dies setzt auch die Beschaffung und den Einsatz von GVO-Ware voraus. Eine flächendeckende Versorgung der europäischen Nutztierbestände mit kennzeichnungsfreien Futtermitteln ist nicht möglich. Derzeit sind ca. 93% der im Nutztierbereich verwendeten Futtermittel GVO-gekennzeichnet.

 

Anmerkung: Es ist das  Futtermittel in der Tierproduktion einzusetzen, was der Markt verlangt (die Bauern sollen ja laut Bauernverband Unternehmer werden). Das bedeutet, dass sie den Wünschen der Verbraucher Rechnung tragen müssen(sollten). Und die Verbraucher lehnen in ihrer Mehrheit die Verfütterung von GVO- veränderten Futtermitteln ab. Insoweit müssen die Waren für den Verbraucher deutlich gekennzeichnet werden, damit die Verbraucher sich für GVO oder dagegen entscheiden können.

 

c) Einige in Nord- und Südamerika zur Anwendung kommende GVO-Sorten sind in Europa nicht zugelassen und wegen des langwierigen Zulassungsverfahrens auch in näherer Zukunft nicht verfügbar. Dadurch besteht die Gefahr einer Verknappung von eiweißhaltigen Futtermitteln mit der Folge entsprechender Verteuerung. Das Null-Toleranz-Problem muss daher politisch schnell gelöst werden. Wir fordern deshalb die EU auf, geringe Mengen (bis 0,5%) in der EU nicht zugelassener GVO in Futtermitteln als unvermeidbare Verunreinigung zuzulassen. Eine entsprechende Toleranzgrenze ist auch bei Saatgut erforderlich.

Anmerkungen: Mit der Aufhebung von Toleranzgrenzen wird die Koexistenz ad absurdum geführt. Deshalb müssen die schon vorhandenen  löchrigen Toleranzgrenzen beibehalten bzw. geschlossen werden. Das Gutachten der Deutschen Bank kommt zum Ergebnis: „Die Lebensmittelproduktion mit genmanipolierten Organismen überprüfen: Forschung zu Chancen und möglichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt verstärken. „ Das wäre der richtige Ansatz!

Dazu der EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli: Zum ersten Mal wurde den Mitgliedstaaten das Recht eingeräumt, GVO-freie Zonen zu errichten.“Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt", sagte Dalli, "dass unter bestimmten ökonomischen oder natürlichen Bedingungen eine Koexistenz nicht möglich ist." Dalli zeigte sich überzeugt, dass mit den neuen Koexistenz-Leitlinien die "richtige Balance" gewahrt werde zwischen den Erfordernissen einer GVO-freien Landwirtschaft und dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen“ (Qelle:Protaplanta).

 

 

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M
These kinds of is quite beneficial tips for really visible families.
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