Botulismus: Ein Fall fürs Sommerloch? – oder?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Botulismus:  Ein Fall fürs Sommerloch? – oder?

Bauernverband Schleswig-Holstein: Was stört mich mein Geschwätz von gestern!

 

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Aufgeschreckt durch diverse Medienberichte wird das Thema  Botulismus bei Tieren (insbesondere bei Rindern) mit Macht zurzeit an die Öffentlichkeit gespült. Dabei ist Botulismus nichts Neues.

Botulismus ist eine lebensbedrohliche, meist durch verdorbenes Fleisch oder nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufene Vergiftung (auch „Fleischvergiftung“, „Wurstvergiftung“), die von Botulinumtoxin, einem vom Bakterium Clostridium botulinum („botulus“ ist das lateinische Wort für Wurst) produzierten Giftstoff, verursacht wird (Quelle.Wikipedia).

Botulismus beim Rind:Bei Verzehr von kontaminiertem Futter kann es zu schweren Vergiftungen kommen. Hierbei lassen sich drei Verlaufsformen unterscheiden[1]:

Bisher erkrankten ausschließlich Milchkühe, was jedoch an dem sehr langsamen Krankheitsverlauf liegen kann. Klinische Symptome werden erst nach rund drei Jahren ausgebildet. Diese sind nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung[6] (2004) anhaltende Verdauungsstörungen mit abwechselnd Verstopfung und Durchfall, häufigen Labmagenverlagerungen, Pansenverfestigungen, fortschreitender Abmagerung und Festliegen bis zum Verenden. Als weitere Symptome werden genannt: Nichtinfektiöse Klauen- und Gelenkerkrankungen, Koordinationsstörungen bis zum Koordinationsverlust, Lähmungen, Bewusstseinstrübungen mit Verhaltensstörungen und Benommenheit. Auffallend sind ferner eine gespannte, hochgezogene Bauchdecke sowie im fortgeschrittenen Stadium Schluckstörungen und erschwerte Wasseraufnahme. Häufig werden akute fiebrige Euterentzündungen festgestellt Die Erkrankungsrate ist nach bisherigen Beobachtungen mit 30–40 % der Tiere des betroffenen Bestandes sehr hoch. Zudem führt schleichender Leistungsabfall zu empfindlichen wirtschaftlichen Schäden, die existenzgefährdende Ausmaße annehmen können. Eine Impfung der Rinderbestände kann nur auf Grund einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden. Problematisch ist dabei, dass dieses Krankheitsbild keine meldepflichtige Erkrankung darstellt und die Exkremente erkrankter Tiere frei auf die Felder aufgebracht werden können. Dabei ist bekannt, dass dabei für Menschen und Tiere gefährliche Giftstoffe entstehen können. Tierärzte, Landwirte und Forscher fordern aus diesem Grund die Erforschung dieser Gefahr. Vom Verbraucherschutzministerium wurden Maßnahmen, die auch von Landwirtschaftsministern der Länder gefordert worden sind, bisher abgelehnt(Quelle Wikipedia).

Eine neue  Dimension! Die Schreckensberichte reißen nicht ab. Seit mehr als 10 Jahren gibt es eine neue Herdenerkrankung von Milchkühen. Sie verläuft schleichend und führt zu verheerenden Tierverlusten und existenziellen Nöten der Landwirte. Als meldepflichtige Tierseuche ist die Krankheit nicht anerkannt, so dass keinerlei Leistungen aus der Tierseuchenkasse gezahlt werden. Von dieser Krankheit betroffene Betriebe gibt es inzwischen in nahezu allen Regionen Deutschlands( Quelle: Prof.Dr.Weißbach).

 

Anmerkungen: Die von Landwirten, Forschern , Tierärzten und von einigen Ländern geforderten zusätzlichen Maßnahmen gegen Botulismus werden von Ministerin Aigner abgelehnt. Es gibt kein Problem, so die offizielle Meinung.  In dieser Gesellschaft des nichts Sehens, nichts Hörens und des nichts Tuns reiht sich Schleswig-Holstein und der Bauerverband vorbildlich ein.

Groß war auch deshalb die Aufregung, als das Fernsehen  in einer sonst nicht immer üblichen Sachlichkeit sich des Problems annahm ,obwohl es ja laut Stellungnahme des Bauerverbandes und des Ministeriums kein Problem gibt.

Bauernverband Schleswig-Holstein: Diese unseriösen Darstellungen taugen allein dazu, das Sommerloch zu füllen", sagt Bauernpräsident Werner Schwarz. Er kritisiert Berichte über eine angebliche Rinderseuche. Medien in Norddeutschland vermelden seit kurzem die Ausbreitung einer Seuche: des chronischen Botulismus' bei Rindern. Das ist weder neu noch bestätigt, wird vom Landwirtschaftsministerium als "nicht signifikant" bezeichnet und vom Bauernverband aufs Schärfste kritisiert. "Verantwortungslos, reine Effekthascherei und ein Geschäft mit der Angst der Verbraucher" seien die Darstellungen, kritisiert Bauernpräsident Werner Schwarz.

Anmerkungen: Doch die Medien und die betroffenen Bauern ließen nicht locker. Eindrucksvoll schilderten sie ihre Schicksale und fühlen sich vom Bauerverband im Sich gelassen. Mehr noch: In einem eindrucksvollen Interview stellte der Landwirt Hansen klar, dass Bauernpräsident Schwarz sich nicht als Unwissender outen kann, denn er  war auf seinem Betrieb und hat sich über Botulismus informieren lassen. Schwarz  waren also die Probleme bekannt.  Hansen dazu: „Der Bauernverband hat  bis heute für uns nichts getan.“  Eine erschreckende Haltung des Bauernverbandes! Nun kamen auch die Tierärzte aus der Deckung und berichteten über eine in manchen Gebieten flächendeckende Verbreitung des chronischen Botulismus. Dieses ständige Nachschieben von Fakten brachte das Vertuschungsgebäude (um nicht zu sagen Lügengebäude) des Bauernverbandes ins Wanken. Kurz vorm Einsturz versuchte der Bauernverband  durch eine 180 Grad Wende noch zu retten was zu retten ist. Mehr noch: Er widerspricht plötzlich – durch  Bauern und  Öffentlichkeit getrieben- auch der Auffassung des Ministeriums, das er bisher vehement  in seiner Auffassung unterstützt hatte.  Nach dem Motto: Jeder ist sich selbst der Nächste!

.Der Bauernverband ( Schleswig-Holstein) hat der Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums widersprochen. Das Ministerium hatte erklärt, die Rinderhaltung im Land sei nicht massiv von der Krankheit betroffen. Der Präsident des Bauernverbandes, Werner Schwarz, sieht das völlig anders. Er bestätigte, dass chronischer Botulismus ein Problem in schleswig-holsteinischen Tierherden sei. Schwarz sagte dem Schleswig-Holstein Magazin, die Landwirte arbeiteten bereits seit zwei Jahren mit der Landesregierung und den Veterinärämtern daran, eine Lösung zu finden. Ein Landwirt hatte die Debatte ausgelöst. Er hatte dem Schleswig-Holstein Magazin berichtet, dass sich sechs seiner Tiere angesteckt hätten - 20 würden Symptome zeigen.

Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA):  Aber eine Vielzahl von „Fachleuten“ und Politikern sprechen von „Panikmache, Unsinn und Quatsch“. „Eine solche Erkrankung gäbe es nicht es sei letztendlich die Unfähigkeit der Landwirte, Kühe zu füttern.

Und sie gibt sie doch! Deutlich wurde von den entsprechenden Referenten herausgestellt, dass es diese Erkrankung des „chronischen Botulismus“ gibt, auch wenn sie noch nicht in die Lehrbücher aufgenommen wurde. Bereits Versicherungen haben den „chronischen Botulismus“ aufgenommen und z.B. bei der Ostangler Versicherung namentlich von der Haftung ausgeschlossen. Äußerst bedrückt waren die über 170 Teilnehmer bei den Aussagen des Medizinprofessors Dr. Dirk Dressler, Neurologe der MH Hannover: Chronischer Botulismus wurde bei Menschen in infizierten Milchviehbetrieben diagnostiziert, die „nahe den Kühen“ waren. Mittlerweile leiden auch einige Tierärzte an Erscheinungen des chronischen Botulismus. Es sind also Menschen und Tiere gleichermaßen betroffen, was deutlich von Referenten (Tierärzte und Mediziner) bestätigt wurde. Warum die „Kritiker der Erkrankung“ immer noch von „Quatsch“ und „Verunsicherung der Landwirte“ sprechen, wurde von einer Reihe von persönlich betroffenen Landwirten schon als „sehr dreist“ bezeichnet. Das Land Schleswig-Holstein hat aktuell aufgrund der erkannten Problematik ein Screeningprogramm zur Erforschung dieser Faktorenerkrankung aufgelegt und nimmt diese Problematik der zum Teil sehr hohen Verlustraten sehr ernst: (Quelle: AVA)

 Ministerium in KIEL: In der Landwirtschaft und insbesondere in der Rinderhaltung in Schleswig-Holstein gibt es derzeit kein signifikantes Problem mit der Faktorenerkrankung, die auch als so genannter "chronischer Botulismus" bezeichnet wird. Das teilt das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume heute (20. Juli) mit.

 Ministerin Dr. Juliane Rumpf: Weder das Landwirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein noch das Bundeslandwirtschaftsministerium bewerten die Erkrankung als Seuche. Die Krankheit müsse erst noch weiter erforscht werden. Dr. Juliane Rumpf, Vorsitzende der Agrarministerkonferenz und Landwirtschaftsministerin in Schleswig-Holstein, erklärt gegenüber "Report Mainz": "Bevor wir nicht wissen, worauf diese Krankheit zurückzuführen ist, können wir keine konkreten Maßnahmen ergreifen "(Quelle:Report:Mainz).

Anmerkungen: Es wird vom Bauernverband und von der Politik nur das zugegeben, was öffentlich gemacht wird und nicht zu widerlegen ist. Diese Verhinderungsstrategie führt zu unglaubwürdigen Ausflüchten und Wahrheitsverdrehungen, die der objektiven Sachlage

nicht gerecht werden. Das ist der Nährboden, wo Spekulationen ins Kraut schießen und  die den Bauern undendlichen Schaden zufügen können. Die Einstellung – wo nichts ist- kann man nicht forschen- hat dazu geführt, dass bewusst oder unbewusst das Problem unter dem Teppich gehalten wurde. Dabei hätte man durchaus mal über den Tellerrand schauen können, denn Israel und Süd-Afrika kennen das Problem ebenfalls. Nur diese Länder haben was getan. Sie entwickelten einen Impfstoff gegen Botulismus. Dieser Impfstoff ist in Deutschland nicht zugelassen und darf somit nur unter erschwerten Bedingungen ( wenn überhaupt) eingesetzt werden. Man lässt lieber Bauern vor die Hunde gehen,  als dass man auf Formalien verzichtet.

Dazu die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Ein sicherer Schutz gegen Botulismus ist durch die aktive Immunisierung (Schutzimpfung) zu erzielen. Dies zeigen zum einen die Erfahrungen in Israel, wo aufgrund gehäuft auftretender Erkrankungen von ganzen Rinderbeständen sogar eine Impfpflicht eingeführt worden ist. In Deutschland werden in Nerzfarmen routinemäßig jährliche Impfungen gegen Botulismus durchgeführt. Zur Anwendung am Rind ist in Deutschland jedoch zur Zeit kein Impfstoff zugelassen. Im Rahmen eines Feldversuches wurden in Hessen von Botulismus betroffene sowie gefährdete Rinderherden nach Erteilung einer durch die zuständige Behörde erteilten Ausnahmegenehmigung mit einer aus Südafrika importierten Vakzine geimpft. Neue Erkrankungen an Botulismus traten danach in den geimpften Herden nicht auf. Aufgrund dieser Erfahrungen und in Kenntnis der bis zum wirtschaftlichen Ruin der von Botulismus betroffenen Rinderbestände reichenden Verluste ist auch in Deutschland die generelle Zulassung eines Impfstoffes gegen den Botulismus des Rindes dringend erforderlich

Anmerkungen:Vom Bauernverband und der Politik ist zurzeit nicht viel zu erwarten. Deshalb müssen die von Botulismus betroffenen Betriebe und alle jene, die das Problem erkannt haben, sich zusammenschließen, um Druck auf die Entscheidungsträger zu machen. Das ist unbedingt  im Interesse  der Bauern und Verbraucher nötig, denn dieses Versteckspiel schadet allen.

Die Landwirtschaftkammer Schleswig-Holstein  hat auf  der Grundlage von Forschungsergebnissen der Tierärztlichen Hochschule Hannover ein Managementprogramm erstellt. Dieses Managementprogramm umfasst 4  Stufen.

Dazu Dr. Lüpping von der LWK: In teilnehmenden Betrieben, die dem VPS ( Rinderspezialberatung) angeschlossen sind, wird dieser im Rahmen der Mitgliedschaft kostenfrei tätig. In nicht angeschossenen Betrieben erfolgt eine gesonderte Berechnung. Darüber hinaus hat sich die Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein e.V. bereiterklärt, als Impulsfinanzierung die Kosten für die ersten anstehenden Untersuchungen von Grassilagen zu übernehmen. Das Programm ist zunächst auf die Dauer von einem Jahr angelegt. Die Teilnahme wird durch das Fachgebiet Tierhaltung und Tierzucht der Landwirtschaftkammer koordiniert (Quelle: Tierärztekammer S-H)

Anmerkung:Angesichts der Massivität des Problems kann die angebotene Betreuung nur ein erster Schritt sein. Allein die Begrenzung des Projektes auf ein Jahr ist nicht zielführend. Darüber hinaus erhalten die Mitgliedsbetriebe der Rinderspezialberatung diese Dienstleistung kostenlos. Die anderen Milchbauern müssen zahlen, das sind immerhin zirka 75 Prozent der gesamten  Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein. Das kann es nicht sein! Allen Milchviehbetrieben, die nachfragen, müssen diese Dienstleistung kostenfrei erhalten. Zudem sollten die Haustierärzte  bei „ihren Kunden“ offensiv für diese kostenlose Dienstleistung werben. Nur gemeinsam kann das Problem gelöst werden. Vertuschungen und Lügen helfen da nicht weiter.

 

 

 

 

 

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