Schweinepreise im Keller – dann läuft der Bauernverband zur rituellen Hochform auf!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Schweinepreise im Keller – dann läuft der Bauernverband zur rituellen Hochform auf!

 Oder:  Bauernverdummung Immer nach dem gleichen Muster!

 

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

 

 Bauernboss Rukwied (BW): Das Preistief muss schnell überwunden werden. Jetzt sind klare Nachfrage- und Preisimpulse der Schlachtbranche und des Lebensmitteleinzelhandels notwendig, um endlich die Trendwende bei den Schlachtschweinepreisen einzuleiten. Damit würde auch der Ferkelmarkt an Stabilität gewinnen“, so Rukwied weiter.

 

Erst im Mai, in dem üblicherweise die Notierungen für Schlachtschweine steigenden Trend zeigen, mussten die Schweinemäster binnen zweier Wochen herbe Preisabschläge von zwölf Cent auf nur noch 1,50 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht hinnehmen. Bis Mitte Juli stiegen die Preise leicht auf 1,60 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Bei den Ferkelerzeugern zeigt der Preistrend seit Monaten nach unten. Der Preis sank inzwischen auf nur noch 37,50 je 25-kg-Ferkel. (ad)

Keine Dumpingpreise für Schweinehalter!

Bauernboss Sonnleitner(DBV):Die Ferkelpreise gaben mittlerweile um weitere 3 Euro auf 38 Euro nach. „Diese Preise für die Schweinehalter und Ferkelerzeuger liegen unter den Gestehungskosten und gefährden die Existenz der Veredelungsbetriebe in Deutschland. Eine Kehrtwende in der Preisgestaltung durch die Unternehmen der Lebensmittelkette ist bitter notwendig“, fordert Bauernpräsident Sonnleitner. Es sei völlig unverständlich, dass einige Schlachtunternehmen mit einem niedrigeren Auszahlungspreis diesen Preisrutsch eingeleitet hätten und damit ein weiteres verheerendes Signal an den Lebensmitteleinzelhandel abgeben würden. „Die Renditen der Unternehmen in der Lebensmittelkette werden derzeit auf dem Rücken unserer Schweinehalter verdient“, kritisiert Sonnleitner. Dies gelte angesichts immer neuer Tiefstpreisangebote an den Fleischtheken auch für den Lebensmitteleinzelhandel.

Anmerkungen. Ob in der Milch- oder in der Fleischproduktion (hier: Schweinefleisch) ist, es ist  immer die gleiche Show, die vom Bauernverband abgezogen wird. Erst wird auf die Schlachtunternehmen und  den Einzelhandel geschimpft, explizit auf  die Discounter, die sich erdreisten den Schweineproduzenten keinen angemessen Preis zu zahlen und wenn`s nicht klappt, dann muss der Staat rann. Immer dann, wenn  die Wachstumsphilosophie   des Bauernverbandes  gescheitert ist, wird nach dem Staat gerufen.   D.d. nicht, dass die Schachtunternehmen und der Einzelhandel Engel wären. Im Gegenteil: Es sind knallharte Marktpartner, die ihre Preise nach Angebot und Nachfrage ausrichten. Sie folgen  – schlicht und einfach formuliert – den Gesetzen des Marktes. Und dieser Markt ist gesättigt. Insoweit gehen die Parolen der Bauerbosse ins Leere. Sie werden schon längst nicht mehr ernst genommen. Sie dienen nur noch dazu, dass Fußvolk bei der Stange zu halten. Wie lange sich die Bauern diesen Irrsinn  ihrer Verbandsfunktionäre noch gefallen lassen, ist für viele ein Rätsel.

 

Anstatt Verdummung der Bauern  – hier die Fakten:

Trotz Nachfrageabnahme ist die Schweinefleischproduktion in Deutschland von 4,4 Mio. Tonnen (2000) auf nunmehr 5,47 Mio. Tonnen (2010) gestiegen. Das ist immerhin eine Steigerung von 25 Prozent. Da der Verbrauch nicht mit gestiegen ist- im Gegenteil- er ist noch gefallen, muss die Überproduktion exportiert werden. Im Jahr 2000 lag der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch noch bei 85 Prozent. Heute liegt der Selbstversorgungsgrad bei über 108 Prozent. D.h. der Überschuss muss auf dem Weltmarkt verkauft werden. Und wie die Produktionskosten weltweit aussehen macht diese Tabelle deutlich:

 

Internationaler Produktionskostenvergleich

 

Länder

Futterkosten (kg/SG*) in €

Sonst. Produktionskosten (kg/SG* in €)

Gesamtkosten

(kg/SG*)  €

Brasilien

0,89

0,20

1,09

USA

0,78

0,36

1,14

Canada

0,74

0,42

1,16

Niederlande

0,92

0,69

1,61

Frankreich

0,96

0,66

1,62

Dänemark

1,00

0,63

1,63

Belgien

1,00

0,63

1,63

Spanien

1,10

0,57

1,67

Irland

1,08

0,62

1,70

Deutschland

O,93

0,78

1,71

GB

O,95

0,77

1,72

Österreich

0,96

0,77

1,72

Schweden

1,04

0,79

1,83

Italien

1,25

0,67

1,92

Quelle: herocon * Schlacht-Gewicht

 

 Anmerkungen: Angesichts dieser Faktenlage ist es unverständlich, dass der Bauerverband die Wachstumsgier der Fleischindustrie voll unterstützt. Diese kann und wird nur zu Lasten der Schweinebauern gehen. Der Kostenvorteil Brasilien, das sich anschickt die Schweineproduktion erheblich auszubauen, beträgt 0,62 €/kg/SG  gegenüber Deutschland. Die USA/Canada haben einen Kostenvorteil von 0,57/55 €/kg/SG.

 

Blick über den Tellerrand

Die nordamerikanische Schweinefleischindustrie weist einen exzellenten Schweinegesundheitsstatus auf, welcher der Grund für die führende Position der Vereinigten Staaten und Kanada innerhalb des Schweinefleisch-Exportgeschäftes ist. Nach dem Gesundheitsstatus ist das Vorhandensein von Futtergetreide das entscheidende Kriterium für Erfolg im weltweiten Schweinefleischgeschäft. Dies ist der Grund, dass die Vereinigten Staaten und Kanada an erster Stelle stehen, dicht gefolgt von Brasilien und Argentinien. Brasilien und Argentinien fangen an, sich in anderen Futtergetreidesegmenten zu versuchen. Dies bedeutet eine sehr viel stärkere Schweinefleisch-Position.

 

Giordano betont, dass der Export amerikanischen Schweinefleisches in den letzten Jahren stark angezogen ist, trotz eines starken Dollars und einer gedrückten Stimmung in der Wirtschaft einiger der Haupt-Schweinefleisch-Märkte. Um den amerikanischen Schweinefleisch- Export weiterhin auszuweiten, muss, laut Giordano, die amerikanische Regierung weiter für transparente Märkte und verbesserten Zugang zu diesen kämpfen. Handelsbarrieren zu entfernen, würde mit größter Sicherheit das Ende mindestens eines Top-Wettbewerbers der USA bedeuten. „Abgesehen von Umweltauflagen und höheren Produktionskosten wird Dänemark durch hohe Zölle und Subventionen des Schweinefleisches geschützt“, so Giordano. „Weil weiterhin Handelsabkommen erörtert werden und Handelsbarrieren fallen, wird Dänemark (Deutschland)nicht in der Lage sein, mit den USA und Kanadazu konkurrieren“ Quelle: Tyler Kelley, „Exploring the Global Pork Scen.

 

Anmerkungen: D. h. im Klartext, man bereitet sich in den USA und darüber hinaus schon einmal auf einen internationalen Preiskampf vor. Dabei sind die Aussichten der USA, Brasilien usw.   , diesen Preiskampf zu gewinnen, nicht schlecht. Verfügen doch diese Länder über  ausreichende eigene Futtergrundlagen, die in Deutschland fehlen. Die Futtermittelindustrie  in Deutschland muss jährlich über 38 Mio. Tonnen an Futtermitteln importieren, um diesen Wachstumswahnsinn und Wettlauf sicherzustellen.

 

 Prof. Dr. Windhorst: Er stellte die starke Entwicklung des deutschen Exports vor und warnte vor dem knallharten Wettbewerb mit den USA und Brasilien. Das südamerikanische Land mit den niedrigsten Produktionskosten möchte bis 2018 seine Schweinefleischproduktion mehr als verdoppeln.

Der deutsche Markt für Schweinefleisch sei weitgehend gesättigt. Aber hielten sich 2005 Import und Export noch ungefähr die Waage, nahm Deutschland 2009 schon weltweit Platz zwei hinter den USA und noch vor Dänemark in der Liste der führenden Exportländer für Schweinefleisch ein(Quelle: ISN).

Anmerkungen: Für diese öffentliche Äußerung ist Prof. Dr. Windhorst von der Fleischindustrie gescholten worden. Diese Auffassung passt so ganz und gar nicht  zum Wachstumskonzept der Fleischindustrie  - und er schiebt nach:

Prof. Hans Wilhelm Windhorst :Deutschland ist zwar eines der größten Erzeugerländer für Schweinefleisch jedoch einer zunehmenden Konkurrenz ausgesetzt. Länder wie die USA, Kanada, China oder Brasilien wiesen in den letzten Jahren enorme Steigerungsraten in der Produktion auf. Charakteristisch für die Produktion in den USA sind vertikal integrierte agrarindustrielle Unternehmen mit geschlossenen Produktionssystemen. Der in den letzten Jahren verlaufende Strukturwandel führte zu Konzentrationsprozessen, so das heute mehr als 50 % der Mastschweine in Betrieben mit über 5.000 Mastplätzen gehalten werden. Die Schweinehaltung in Deutschland hingegen weist deutliche strukturelle Defizite aus. (Quelle: Innovations-Report)

Anmerkungen: Es ist schon kurios!  Da analysiert Windhorst die Wettbewerbsbedingungen für die Schweinehalter weltweit und kommt „wissenschaftlich“ zum Ergebnis, dass „wir“ uns einen Preiskampf mit den USA, Kanada, Brasilien usw. nicht leisten können, da die Produktionskosten in diesen Ländern wesentlich niedriger  sind.

Gleichzeig beklagt Windhorst die strukturellen Defizite der Schweinehaltung in Deutschland und verweist auf die Entwicklung in den USA hin. Die, so Windhorst, sich zu  vertikalen industriellen Kombinaten mit geschlossenen Produktionssystemen entwickelt hat. Was will uns der Professor damit sagen?

Ø  Soll die deutsche Schweinehaltung in diese industriellen Größenordnungen hineinwachsen  - obwohl sie auch dann noch nicht wettbewerbsfähig ist?

Ø  Welche Rolle soll und kann die bäuerliche Landwirtschaft dabei spielen?

Ø  Welche Rolle wird ihr in Zukunft zugewiesen?

Ø  Wie sieht es mit der Futtermittelversorgung in Zukunft aus?

Ø  Kann Deutschland ohne Ressourcen die Welt mit Nahrungsmitteln versorgen?

Ø  Kann sich Deutschland überhaupt eine weitere Verdichtung der industriellen Fleisch-und Milchproduktion leisten?

Ø  Heißt  Wachstums ohne eigene Futtermittelgrundlage nicht auch, dass Umweltprobleme der Veredelung sich auf jene Standorte konzentrieren, die die Flächenbindung außer Kraft gesetzt haben?

Diese Fragen beantwortet Windhorst mit der philosophischen Erkenntnis, dass Wachstum auch für die deutsche Fleischindustrie in Zukunft möglich ist, wenn- und dann driftet er in Allgemeinplätze ab, wie: Die Strukturen müssen stimmen (was immer das sein mag), Kostenführerschaft muss erreicht werden, Qualitätsprodukte müssen exportiert werden usw.usw.

 Das muss er auch, denn Windhorst ist nach seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Hochschuldienst noch Mitglied (oder geworden) derGeographischen Kommission von Westfalen“, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik e.V., Vorstandsmitglied der „Deutschen Vereinigung für Geflügelwirtschaft e.V.“ (Deutsche Gruppe der „World's Poultry Science Association“, WPSA), sowie seit 2007 „Statistical Analyst“ der „International Egg Commission“ (IEC, London). Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Union Agricole Holding, Pinneberg (Landwirtschaftssparte de.(Quelle:Wikipedia). 

An diesen Äußerungenkann man klar erkennen, wessen Position Windhorst vertritt. Schade, denn als Rentner, losgelöst von allen Rücksichtnahmen, hätte Windhorst mal klar und deutlich die Folgen eines solchen Wachstumsfetischismus der Fleischindustrie offenlegen können. Die Qualifikation hat er dazu. Anscheinend hat die Verbindungen zur Industrie bei Windhorst einen höheren Stellenwert als die Unabhängigkeit eines Rentners.

Die Folgen einer solchen Politik sind für den rational  denkenden Menschen schon heute erkennbar.

Ø  Die bäuerliche Landwirtschaft wird schleichend von der industriellen Landwirtschaft abgelöst.

Ø  Die Konzentration der Milch-und Fleischproduktion auf angebliche Gunststandorte       führt zu erheblichen Umweltbelastungen.

Ø  Die Flächen-und Futtermittelunabhängige Veredelung ist der Treibsatz für das  ungebremste Wachstum der Fleisch-und Milchindustrie.

Ø  Dieses ungebremste Wachstum vollzieht sich auf Kosten der Bauern.

Ø  Unkontrolliertes Wachstum führt zur Überproduktion und damit zum Preisverfall.

Ø  Angesichts der internationalen  Kostenstruktur können die Bauern da nicht mithalten.

Ø  Globales Wachstum heiß: – Kapitalauszehrung der bäuerlichen Familienbetriebe.

 

 Aufschrei eines hessischen Schweinebauern: Es findet keine faire Preisfindung mehr statt. Die großen Marktteilnehmer auf der Abnehmerseite drohen nicht nur mit Hauspreisen, sondern setzen diese auch radikal durch. Wenn wir als Landwirte bestehen und nicht von der Industrie geschluckt werden wollen, müssen wir von der Ablieferungsmentalität verabschieden und unsere Produkte aktiv vermarkten. Dies ist eine große Herausforderung! Leider werden die Märkte nicht nur von Angebot und Nachfrage beeinflusst, sondern auch Gerüchte und Spekulationen sind maßgeblich an der Preisfindung beteiligt (Quelle:ISN).

Diese Faktenlage erkennen immer mehr Bauern und lassen sich von der Milch-und Fleischindustrie und vom Bauernverband nicht weiter für dumm verkaufen. Es regt sich Widerstand. Das Ergebnis und die Diskussion zu die Vorstandswahlen bei der ISN – (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.)waren ein deutliches  Zeichen für Veränderungen. Diese müssen bald folgen, wenn die bäuerlichen Familienbetriebe noch gerettet werden sollen. Selbst die holländischen Bauern denken über geeignete Maßnahmen zur Produktionsanpassung nach. Also kommt Bewegung in die Sache. Die Frage ist nur: Wie schnell wird sich bewegt – und reicht die Zeit?

 

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