Burnout-Syndrom ist inzwischen auch bei den Bauernfamilien angekommen!
Burnout-Syndrom ist inzwischen auch bei den Bauernfamilien angekommen!
Oder: Die neue Erkenntnis des Bauernverbandes!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Das bestätigt der Landvolkverband in einem Gespräch mit der Nordsee-Zeitung. Mehr noch: Seit der Milchkrise hat die Zahl der „Fälle“ deutlich zugenommen. Worum geht es? Bemühen wir mal Wikipedia:
„Ein Burnout-Syndrom (englisch (to) burn out: „ausbrennen“) bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt“( Quelle:Wikipedia).
Die Angst als Versager abgestempelt zu werden!
Anmerkungen: Burnout, so lesen wir, ist also keine Krankheit, sondern eine ständige Überforderung der Betroffenen im Berufs-und Privatleben. Die berufliche Überforderung der Bauernfamilien ist das Ergebnis einer enthemmten Agrarpolitik die Wachstum propagiert, obwohl die Gewinne zur Finanzierung des Wachstums meistens nicht reichen. D.h. die Verschuldung der Betriebe nimmt zu!
Mehr noch: Diese vom Bauernverband, der Milch-und Fleischindustrie vorgetragene Wachstumsphilosophie führt zum Verfall der Erzeugerpreise, die die Bauernfamilien wiederum veranlassen noch mehr zu wachsen (produzieren), um diesen Preisverfall zu entrinnen (siehe aktuell das Ergebnis der Preisverhandlungen im Milchsektor). Und wer aus diesem Teufelskreis ausbrechen will oder muss, gilt oft als Versager (Verlierer). Gerade in Versammlungen der Bauern wird das deutlich: Referenten „werfen Produktionszahlen an die Wand“, die von der Mehrheit der Anwesenden betriebswirtschaftlich nicht erreicht werden. Meistens handelt es sich um Zahlen von Vorzeigebetrieben oder um wissenschaftliche Optimierungen von Produktionszahlen – wie bei uns in Schleswig-Holstein - die nicht zu verallgemeinern sind( aber verallgemeinert werden). Und kein Bauer ( Bäuerin) regen sich darüber auf!
Eine Bäuerin redet Klartext!
Eine Bäuerin formulierte es treffend: „Wenn ich etwas dagegen sage und auf meine eigene Situation hinweise, oute ich mich vor der Versammlung als Versagerin, obwohl die meisten Versammlungsteilnehmer innerlich bei mir sind. Als Versagerin will ich natürlich nicht gelten und somit halte ich meine Klappe.“ Eine Verhaltensweise, die sich natürlich die Wachstumsfetischisten zunutze machen, um weiteres Wachstum zu fordern. Dabei soll der Weltmarkt es richten. Zu Weltmarktbedingungen können wir weder im Milch-noch im Mastbereich produzieren. Diese Erkenntnis wird einfach ignoriert indem auf das Wachstum der Weltbevölkerung hingewiesen wird. Dieses Wachstum findet vermehrt in der Dritten Welt statt, die sich oft Lebensmittelexporte nicht leisten kann. Darüber hinaus vernichtet „unsere“ aggressive Exportoffensive bäuerliche Existenzen nicht nur bei uns sondern auch in der Dritten Welt. Nach dem Motto: „Erst plattmachen und dann auf Kosten der Steuerzahler mit Exporten helfen.“
Der Bauernverband ist Teil des Problems!
Das Erstaunliche an der Erkenntnis des Landvolkverbandes (sprich Bauernverband) ist, dass er das Problem „Burnout“ zwar erkennt, aber selbst Teil des Problems ist. Wann endlich begreift der Bauernverband, dass seine Politik des Wachsens um jeden Preis die bäuerliche Landwirtschaft gefährdet. Wann endlich begreift der Bauernverband, dass er die Interessen der Bauern zu vertreten hat und nicht die der Milch-und Fleischindustrie.