Das Milchgeld an die Bauern steigt – die Milchproduktion aber auch!
Das Milchgeld an die Bauern steigt – die Milchproduktion aber auch!
Oder: Sind die Hoffnungen auf Sand gebaut?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Das ist das System der Marktwirtschaft: Steigt das Milchgeld-steigt die Milchproduktion. Fällt das Milchgeld – fällt die Milchproduktion. Ein ganz normales Marktverhalten, deren Gesetze sich alle Marktteilnehmer mehr oder weniger zu unterwerfen haben. Dieses Marktverhalten setzt eine Wettbewerbsgleichheit voraus, die es allen ermöglicht unter gleichen Bedingungen am Markt teilzunehmen. Da diese Bedingungen oft nicht gegeben sind, greift der Staat in das Marktgeschehen ein. D.h. er gleicht oft die Nachteile am Markt zugunsten der Benachteiligten am Markt aus. Das ist vom Prinzip her richtig, wenn es sich um situationsbedingte Nachteile handelt, die von vorübergehender Natur sind. Ganz anders sieht es in der Landwirtschaft aus; insbesondere in der flächenabhängigen Milchproduktion. Hier bestehen unverrückbare Unterschiede zwischen einzelnen Staaten, Ländern und Regionen, die nicht wettbewerbsmäßig nivelliert werden können. Natürliche Standortvorteile und Strukturunterschiede lassen sich nun einmal nicht gleichschalten. Oder wollen wir die Zwangskollektivierung des Ostens auch auf den Westen übertragen? Oder wollen wir die Standort- und Größenvorteile der „Nordländer“ auf die „Südländer“ übertragen mit allen Folgen für die kulturelle und strukturelle Eigenart dieser Länder? Oder wollen wir - trotz der Warnung des Europäischen Rechnungshofes - verstärkt für den Weltmarkt produzieren? Wenn wir das alles nicht wollen, dann darf die „erste Säule“ nicht alle Betriebe gleichschalten. Dann können wir der Aussage der Milchindustrie und des Bauernverbandes zur Exportoffensive nur bedingt zustimmen.
Angebot und Nachfrage heißt global.........
Angebot und Nachfrage heißt global: Bei versorgten Märkten bestimmen jene Marktteilnehmer den Preis, die über die günstigsten Produktionsstandorte verfügen. Diese Standorte liegen nicht in Europa. D.d. die Milchindustrie kann nur dann am Weltmarkt im Sinne der Milchbauern kostentendeckend agieren, wenn das Angebot knapp ist. Dieser Marktzustand ist in den letzen 10 Jahren nur zwei Mal eingetreten. Vor diesem Hintergrund ist die Produktionsausweitung - auch in Deutschland hat der Kuhbestand ebenfalls zugenommen - sehr kritisch zu betrachten. Deshalb müssen Rahmenbedingungen her, die ein erneutes Kollabieren des Marktes verhindern. Auch vor dem Hintergrund, dass eine Überproduktion, die dazu noch staatlich durch Prämienzahlungen an die Milchbauern gefördert wird, in Zukunft nicht mehr von der Bevölkerung toleriert wird. Ein Beispiel macht deutlich, dass die Milchindustrie keine bäuerlichen Ziele verfolgt.
Beispiel Frankreich:
Paris - Der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire besteht auf einer korrekten Vertragspolitik. Die Molkereien müssten ihren Lieferanten ein neues Angebot unterbreiten. Der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire hat erste Abnahmeverträge der Molkereien mit ihren Lieferanten als "inakzeptabel" bezeichnet und zugleich die Milchproduzenten aufgerufen, sie in dieser Form keinesfalls zu unterzeichnen. Er befindet sich damit auf einer Linie mit dem Milcherzeugerverband (FNPL). Bei einem Treffen mit FNPL-Präsident Henri Brichart und rund 300 Milchproduzenten in Aurillac stellte Le Maire klar, die Abnehmer müssten ihren Lieferanten ein neues Angebot unterbreiten.
Keine Knebelverträge zu Lasten der Milchbauern
Keinesfalls dulden will der Minister "Knebelungsverträge" der Molkereien zum Nachteil der Milchproduzenten. Ebenso wenig könne im Rahmen der Vertragspolitik von den Abnehmern das Recht der Milchproduzenten zu Zusammenschlüssen in Frage gestellt werden. Die Vertragspolitik der Milchbauern und ihrer Erstabnehmer ist in Frankreich am 1. April, also zu Beginn des Milchwirtschaftsjahres 2011/12 in Kraft getreten und soll Le Maire zufolge einen konkreten Beitrag zur Einkommenssicherung der Milchviehbetriebe leisten(Quelle: agrarheute).
Anmerkungen: Der Fall Frankreich macht schlaglichtartig deutlich, worum es der Milchindustrie geht. Jedenfalls nicht um das Wohl der Milchbauern. Sie wollen den Rohstoff Milch so billig wie möglich einkaufen (ein natürliches Geschäftsgebaren der Milchindustrie). Diesen Tatbestand müssen die Milchbauern erkennen und sich organisieren.
Der Markt ist das Ziel
Denn der Weltmarkt duldet keine auskömmlichen Milchpreise für die Milchbauern. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass genossenschaftlichen Konzerne wie Erzeugergemeinschaften behandelt werden, obwohl das Bundeskartellamt die Zielrichtung der Genossenschaften infrage stellt. Auch bei den genossenschaftlichen Milchkonzernen ist der Markt das Ziel und nicht der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern.
Ministerin Aigner bleibt auf halbem Weg stehen!
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner fordert den Zusammenschluss jener Michbauern, die zu den privaten Molkereien liefern. Es handelt sich hierbei um 30 Prozent der Gesamtmilchmenge.“ Wenn das nicht reicht“, so die Ministerin, “ müssen wir über weitere Maßnahmen nachdenken.“ Vielleicht traut die Ministerin den Genossenschaften unter „vorgehaltener Hand“ ebenfalls nicht! - Man wird sehen!