DBV: Den Zuckermarkt schützen- den Milchmarkt liberalisieren!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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DBV: Den Zuckermarkt  schützen- den Milchmarkt liberalisieren!

Oder: Der Bauernverband spricht mit gespaltener Zunge!

 

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

 

Es ist schon abenteuerlich, was in der Landwirtschaft zurzeit abläuft. Da versucht man auf der einen Seite die Milchbauern in den freien Markt zu entlassen wohl wissend, dass sie international nicht wettbewerbsfähig sind , um auf der anderen Seite die Rübenbauern wegen derselben Situation vor dem freien Markt zu schützen. Die Milchquote, die als Hemmschuh für die Entwicklung der Milchviehbetriebe gehalten wird und deren Aufhebung der Bauerverband  fordert - wird – wenn es um die  Interessen der Rübenbauern geht- als adäquates Mittel betrachtet und deren Beibehaltung gefordert wird.

 

Conzen: Die Überlegungen der Europäischen Kommission, zentrale Elemente der Zuckermarktordnung wie die Quotenregelung nur noch bis Ende September 2016 fortzuführen, gehen in die falsche Richtung." Das hat, wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) mitteilt, Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV) und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauerverbände (ADR), am Freitag vergangener Woche in Bonn (Quelle: RLV).

Anmerkungen: Es versteht sich von selbst, dass der Bauernverband die Haltung
 des Rübenbauernverbandes voll unterstützt, denn Conzen ist Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes. Darüber hinaus sind die wichtigen Entscheidungsträger der Bauernverbände keine Milchbauern Insoweit sitzt den Entscheidungsträgern das Hemd näher als die Hose
.

Nun zu den Fakten:

 

Ø Versorgungssicherheit:

Conzen, der auch Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes ist, gab sich überzeugt, dass die jetzige Zuckermarktordnung entscheidend zur Versorgungssicherheit und Preisstabilität bei Zucker in Europa beitrage (Quelle:RLV).

 

Anmerkungen:  Erstaunt vernehmen wir, dass eine  Quote mit zur Versorgungssicherheit und Preisstabilität beiträgt. Es hat den Anschein, dass eine  Quote doch etwas Positives hat. Nur für die Rübenbauern ? - Nicht für die Milchbauern?

 

Zentrale Elemente der Zuckermarktordnung

 Dazu die Zuckerindustrie: Die Zuckermarktordnung beruht seit ihrer Einführung auf zwei zentralen Instrumenten, die die Realisierung der oben genannten Ziele sicherstellen: Zum einen wurde ein Quotensystem geschaffen, das die Gemeinschaftserzeugung mengenmäßig reguliert, zum anderen werden Einfuhren zu niedrigen Preisen mit Zöllen belegt. Beide Instrumente sind bis zum heutigen Tag für das Funktionieren der Marktordnung charakteristisch und unverzichtbar. Sie sollen u. a. sicherstellen, dass der EU-Binnenmarktpreis nicht unter ein bestimmtes Preisniveau absinkt, um die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität des Rübenanbaus in der Europäischen Union zu erhalten Quelle: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker).

Milchpreise werden sinken!

Dazu der Milchindustrieverband: Grundsätzlich soll der europäische Milchmarkt künftig ein freier Markt werden, das heißt, er soll sich ohne Stützung oder Subventionen selbst regulieren. Ab 2015, so hat die EU-Kommission mit Zustimmung der Bundesregierung beschlossen, wird es keine Milchquote mehr geben. Jeder Milcherzeuger kann ab diesem Zeitpunkt folglich eine unbegrenzte Menge Milch an die Molkereien verkaufen. Bis 2015 wird die Milchquote Schritt für Schritt erhöht, was derzeit zu einer voraussehbaren Mehrproduktion an Milch führt, die nun auch noch auf eine niedrigere Nachfrage trifft (Quelle MIV).

Anmerkungen: Die gespaltene Zunge des Bauernverbandes ist nicht mehr zu übersehen (überhören). Sie lässt sich auch durch noch so fragwürdige Argumente nicht aus der Welt schaffen. Auf der einen Seite setzt sich der Bauernverband zusammen mit der Zuckerindustrie für die Beibehaltung der Zuckermarktordnung ein, d.h. u.a. auch für einen Mindestpreis,  um auf der anderen Seite , zusammen mit der  Milchindustrie, die Freiheit des Marktes für die Milchbauern zu fordern , die mit sinkenden Milchpreisen einhergeht.

Ø  Preisausschläge

Conzen:“ Die Preisausschläge, die wir bei Zucker auf dem Weltmarkt beobachten, hat es in Europa bislang nicht gegeben. Und dies ist eindeutig ein Ergebnis der Zuckermarktordnung“ (Quelle:RLV).

 

Anmerkungen: Fürwahr!  Eine Quote, wie immer sie gestaltet wird, gibt allen Marktpartnern eine relative Sicherheit und schließt Spekulationen weitgehend aus. Das scheint der Bauernverband für die Rübenbauer erkannt zu haben. Warum diese Erkenntnis nicht auch für die Milchbauern gilt, muss der Bauernverband noch beantworten.

 

Ø Preisverfall

 

 Conzen: Nach den Berechnungen der Kommission würden bei einer Umsetzung ihrer Reformüberlegungen die Rübenpreise bis 2020 im Vergleich zu 2009/10 um rund 20 % sinken. Gleichzeitig erwarte die Kommission jedoch einen Anstieg der EU-Erzeugung. „Bei einer erneuten Preissenkung um 20 % ist jedoch der Rübenanbau in vielen Regionen wie beispielsweise dem Rheinland kaum noch konkurrenzfähig", so Conzen (Quelle:RLV)

 

Anmerkungen: Gilt dies nicht auch für die Milchbauern? Auch die Milchbauern können nicht zu Weltmarktbedingungen produzieren. Bei Produktionskosten von zurzeit zirka 37 Cents/kg/Milch liegen sie um zirka 35 Prozent über den Produktionskosten im pazifischen Raum. Das bedeutet bei einer weiteren Liberalisierung das endgültige Aus für viele (die meisten) Milchbauern. Im Gegensatz  zu den Rübenbauern, die von der Zuckerindustrie und dem Bauernverband unterstützt werden, erhalten die Milchbauern keine Unterstützung. Grund der Verweigerung sind die Exportgelüste der Milchindustrie, die vom Bauernverband unterstützt werden.

Der Milchviehhalter als Unternehmer

Der Milcherzeuger unserer Zeit ist ein Unternehmer, der im nationalen und internationalen Wettbewerb steht. Ein moderner Milcherzeugungsbetrieb ist ein landwirtschaftliches Unternehmen, das nur dann rentabel ist und langfristig bestehen kann, wenn der Landwirt neben der Kosten-Ertrags-Kalkulation stets auch die Entwicklung an den Märkten bis hin zu den Verbrauchern, die Regulierungen der Politik sowie, nicht zuletzt, die strategische Ausrichtung der Molkerei im Auge behält(Quelle: MIV).

 

Anmerkungen: Die Aussage des Milchindustrieverbandes macht deutlich, dass es der Milchindustrie nicht um einen „gerechten“ – was immer man darunter verstehen mag- Milchpreis für die Milchbauern geht, sondern gerecht ist nach der Ansicht des MIV nur, was dem Weltmarkt dient. Und dieses globale Geschäft lässt keine auskömmlichen Milchpreise für die Milchbauern zu. Hinzu kommt, dass die Milchindustrie die Milchbauern für ihre Ziele missbraucht, indem sie versucht, die Milchbauern  mit in die Verantwortung zu nehmen. Der Hinweis auf unternehmerischen Handlungsspielraum mutiert zum Treppenwitz angesichts der Konzentration in der Molkereiindustrie.

Was lernen wir daraus?

 

Ø  Die Milchbauern müssen sich dem freien Markt stellen –ob sie wollen oder nicht!

Ø  Sie müssen sich dem Diktat des Bauernverbandes und der Milchindustrie beugen!

Ø  Die Rübenbauern lehnen mit voller Unterstützung der Zuckerindustrie und des Bauernverbandes den freien Markt als existenzbedrohend ab!

Ø  Die Milchbauern müssen sich als Unternehmer dem Weltmarkt stellen!

Ø  Die Rübenbauern schützt man vorm Weltmarkt!

 

Angesichts dieser ungleichen Behandlung durch den Deutschen Bauernverband kann man von einer Interessenvertretung der Milchbauern im Bauernverband nicht mehr reden. Zunehmend haben jene im Bauernverband das Sagen, die eh mit den Milchbauern (mittlere Betriebe) nichts im Sinn haben. Die „unheilige Allianz“ zwischen Milchindustrie und Bauernverband   wird hiermit in seiner ganzen Tragweite offenkundig.

 

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