Deutscher Bauernverband: Vorwärtsstrategie ist das Gebot der Stunde!
Deutscher Bauernverband: Vorwärtsstrategie ist das Gebot der Stunde!
Oder: Die Mittel, die den Milchmarkt kaputtmachen
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Die Vollkostendeckung in der Milchproduktion ist noch nicht erreicht, da bläst Folgart, seines Zeichens Milchbaron des Deutschen Bauernverbandes, gemeinsam mit der Milchindustrie und Raiffeisen zur Produktionsoffensive. Nach dem Motto: „Mir san mir!“
Superabgabe, marktangepasste Produktion und das Herauskaufen von Lieferrechten ist nach Ansicht von Folgart alles Quatsch. Der Markt ist das Ziel und damit basta!
Versteijlen (Direktor der EU-Kommission) :Sollte es am Milchmarkt zu einem schwerwiegenden Ungleichgewicht kommen, könnte die EU nach Sollte es am Milchmarkt zu einem schwerwiegenden Ungleichgewicht kommen, könnte die EU nach Angaben von Versteijlen ein System in Betracht ziehen, wonach Milcherzeuger ihre Lieferungen gegen einen finanziellen Ausgleich freiwillig einschränken dürfen(Quelle :PM Raiffeisen).
Folgart: Ein solches Herauskaufen von Lieferrechten mit europäischem Geld ist für den DBV kontraproduktiv und geht für den Verband in die falsche Richtung. Der sanfte Ausstieg sollte stattdessen durch die Reduzierung der Superabgabe begleitet werden. Der Milchstandort Deutschland bietet aus Sicht von DBV-Milchpräsident Folgart die besten Voraussetzungen für eine Vorwärtsstrategie. Auf den Märkten wie auch in der Politik müsse die gesamte Wertschöpfungskette Milch jetzt gemeinsam den Vorwärtsgang einlegen: „Wir müssen durchstarten und eine Aufbruchstimmung schaffen“ Quelle. PM Raiffeisen).
Anmerkungen: Zwar ist gegen Aufbruchstimmung nichts zu sagen, wenn sie sie denn begründet ist. Und diese realitätsbezogene Begründung wird nicht geliefert. Auch die internationale Überhöhung des Milchstandortes Deutschland nimmt schon fast groteske Züge an. Auch ist zu hinterfragen, welche Milchstandorte der Milchbaron in Deutschland meint und welche Milchstandorte nach Lesart des Milchbarons die Verlierer sind. Wie viele Milchbauern werden denn in Zukunft die Segel streichen müssen? Wie viele Milchbauern werden denn in Zukunft überhaupt noch benötigt? Fragen über Fragen, die der Milchbaron nicht beantworten kann oder nicht beantworten will!
Die Fakten: Deutschland produziert noch immer mehr Milch, als in Deutschland und in der EU abgesetzt werden kann. Zirka 7 Prozent der produzierten Milch, das sind immerhin 2 Millionen Tonnen müssen auf dem Weltmarkt, ob man will oder nicht, abgesetzt werden. Bis auf die Jahre 2007/08 konnten vom Jahr 2000 an diese Übermengen nur mit Steuergeldern der Bürger auf dem Weltmarkt untergebracht werden. Zurzeit erleben wir eine Situation, die es ermöglicht, ohne Exportsubventionen den Weltmarkt zu bedienen. Aber: Wie lange noch? Denn weltweit wird wieder Gas gegeben!
Produktionskosten in Europa = 100 %
| Produktionsart | EU- Länder (NL,D) | USA ( IFCN)/Nutreco | Brasilien (IFCN)/Nutreco) |
| Geflügelfleisch | 100% | 73 % | 65% |
| Schweinefleisch | 100% | 88 % | 80% |
| Rindfleisch | 100% | 70% | 50% |
| Milch | 100% | 85% | 50% |
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Quelle: Prof. Dr. Isermeyer
Wer diese Fakten nicht anerkennen will, der arbeitet in Wirklichkeit gegen die bäuerlichen Familienbetriebe!
Im ersten Quartal dieses Jahres konnte gemäß PM der pressestelle@bmelv.bund.de ein durchschnittlicher Milchpreis von 32 Cents je Kilogramm Milch erreicht werden, jedoch unter veränderten Abrechnungsbedingungen, die von 3,7 Prozent auf 4 Prozent angehoben wurden. Insoweit ist eine Verbesserung der Milchpreissituation für die Milchbauern gegenüber 2010 (noch) nicht eingetreten. Dieser Exporterfolg (finanziell positiv) in Drittländer schlägt sich auf dem heimischen Markt noch nicht nieder. Die nächsten Preisverhandlungen der Milchindustrie mit den Discountern und dem Einzelhandel werden zeigen, ob die Verhandlungen im Interesse der Milchbauern geführt werden oder nicht. Geht es der Milchindustrie um Marktmacht oder um auskömmliche Milchpreise für die Milchbauern? Das ist die Frage! Man darf gespannt sein!
Folgart: Die jüngsten Kooperationen im Molkereisektor, wie dem Deutschen Milchkontor (DMK) und der ersten länderübergreifenden Fusion zwischen dem dänisch-schwedischen Arla Foods und der Hansa-Milch eG, seien Schritte in die richtige Richtung( Quelle.: PM Raiffeisen).
Anmerkungen: Ob diese Kooperationen im Molkereisektor der Milchindustrie oder den Milchbauern dienen, muss sich erst noch herausstellen. Größe allein führt zu keiner Verbesserung des Milchgeldauszahlungspreises für die Milchbauern. Das hat eine Studie der „Uni München“ ergeben. Die „wirtschaftlichste Größe“ haben demnach die oben erwähnten Konzerne weit überschritten. Deshalb ist anzunehmen, dass im Mittelpunkt der Fusionen nicht der Milchpreis an die Milchbauern stand, sondern die Marktstellung der Unternehmen auf dem internationalen Markt. Das scheinen auch die Milchbauern so zu sehen. In einer Umfrage von „toparar“ hat sich die Mehrheit der Befragten gegenüber der Fusion Mordmilch/Humana sehr skeptisch geäußert. Warum sich diese Befürchtungen nicht im Abstimmungsergebnis zur Fusion niederschlugen, bleibt ein noch zu lösendes Geheimnis. Eines scheint jedoch schon heute klar zu sein: Die Konzernbosse konnten( bisher) ihre Eigentümer (Milchbauern) von der Notwendigkeit der Fusionen nicht überzeugen. Die Konzernbosse müssen also kräftig nachlegen. Worte sind genug gewechselt. Die Milchbauern wollen Taten sehen!