Deutscher Bauernverband: Vorwärtsstrategie ist das Gebot der Stunde!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TDeutscher Bauernverband: Vorwärtsstrategie ist das Gebot der Stunde!

Oder:                                     Die Mittel, die den Milchmarkt kaputtmachen

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

 

Die Vollkostendeckung in der Milchproduktion ist  noch nicht erreicht, da bläst Folgart, seines Zeichens Milchbaron des Deutschen Bauernverbandes, gemeinsam mit der Milchindustrie und Raiffeisen zur Produktionsoffensive. Nach dem Motto: „Mir san mir!“

Superabgabe, marktangepasste Produktion und das Herauskaufen von Lieferrechten  ist nach Ansicht von Folgart alles Quatsch. Der Markt ist das Ziel und damit basta!

Versteijlen (Direktor der EU-Kommission) :Sollte es am Milchmarkt zu einem schwerwiegenden Ungleichgewicht kommen, könnte die EU nach Sollte es am Milchmarkt zu einem schwerwiegenden Ungleichgewicht kommen, könnte die EU nach Angaben von Versteijlen ein System in Betracht ziehen, wonach Milcherzeuger ihre Lieferungen gegen einen finanziellen Ausgleich freiwillig einschränken dürfen(Quelle :PM Raiffeisen).

Folgart: Ein solches Herauskaufen von Lieferrechten mit europäischem Geld ist für den DBV kontraproduktiv und geht für den Verband in die falsche Richtung. Der sanfte Ausstieg sollte stattdessen durch die Reduzierung der Superabgabe begleitet werden. Der Milchstandort Deutschland bietet aus Sicht von DBV-Milchpräsident Folgart die besten Voraussetzungen für eine Vorwärtsstrategie. Auf den Märkten wie auch in der Politik müsse die gesamte Wertschöpfungskette Milch jetzt gemeinsam den Vorwärtsgang einlegen: „Wir müssen durchstarten und eine Aufbruchstimmung schaffen Quelle. PM Raiffeisen).

 Anmerkungen: Zwar ist gegen Aufbruchstimmung nichts zu sagen, wenn sie sie denn begründet ist. Und diese realitätsbezogene Begründung wird nicht geliefert. Auch die  internationale Überhöhung des Milchstandortes Deutschland nimmt schon fast groteske Züge an. Auch ist zu hinterfragen, welche Milchstandorte der Milchbaron in Deutschland meint und welche Milchstandorte nach Lesart des Milchbarons die Verlierer sind. Wie viele Milchbauern werden denn in Zukunft die Segel streichen müssen?  Wie viele Milchbauern werden denn in Zukunft überhaupt noch benötigt?  Fragen über Fragen, die der Milchbaron nicht beantworten kann oder nicht beantworten will!

Die Fakten: Deutschland produziert noch immer mehr Milch, als in Deutschland und in der EU abgesetzt werden kann. Zirka 7 Prozent der produzierten Milch, das sind immerhin 2 Millionen Tonnen müssen auf dem Weltmarkt, ob man will oder nicht, abgesetzt werden. Bis auf die Jahre 2007/08 konnten  vom Jahr 2000 an diese Übermengen nur mit Steuergeldern der Bürger auf dem Weltmarkt untergebracht werden. Zurzeit erleben wir eine Situation, die es ermöglicht, ohne Exportsubventionen den Weltmarkt zu bedienen. Aber: Wie lange noch? Denn weltweit wird wieder Gas gegeben!

Produktionskosten in Europa = 100 %

Produktionsart

EU- Länder (NL,D)

USA ( IFCN)/Nutreco

Brasilien (IFCN)/Nutreco)

Geflügelfleisch

100%

73 %

65%

Schweinefleisch

100%

88 %

80%

Rindfleisch

100%

70%

50%

Milch

100%

85%

50%

 

 

 

 

Quelle: Prof. Dr. Isermeyer

Wer diese Fakten nicht anerkennen will, der arbeitet in Wirklichkeit gegen die bäuerlichen Familienbetriebe!

Im ersten Quartal dieses Jahres konnte gemäß PM der  pressestelle@bmelv.bund.de ein durchschnittlicher Milchpreis von 32 Cents je Kilogramm Milch erreicht werden, jedoch unter veränderten Abrechnungsbedingungen, die von 3,7 Prozent auf 4 Prozent angehoben wurden. Insoweit ist eine Verbesserung der Milchpreissituation  für die Milchbauern gegenüber 2010 (noch) nicht eingetreten. Dieser Exporterfolg (finanziell positiv) in Drittländer schlägt sich auf dem heimischen Markt noch nicht nieder. Die nächsten Preisverhandlungen der Milchindustrie mit den Discountern und dem Einzelhandel werden zeigen, ob die Verhandlungen im Interesse der Milchbauern geführt werden oder nicht. Geht es der Milchindustrie um Marktmacht oder um auskömmliche Milchpreise für die Milchbauern? Das ist die Frage! Man darf gespannt sein!

 Folgart: Die jüngsten Kooperationen im Molkereisektor, wie dem Deutschen Milchkontor (DMK) und der ersten länderübergreifenden Fusion zwischen dem dänisch-schwedischen Arla Foods und der Hansa-Milch eG, seien Schritte in die richtige Richtung( Quelle.: PM Raiffeisen).

Anmerkungen: Ob diese Kooperationen im Molkereisektor der Milchindustrie oder den Milchbauern dienen, muss sich erst noch herausstellen. Größe allein führt zu keiner Verbesserung  des Milchgeldauszahlungspreises für die Milchbauern. Das hat eine Studie der „Uni München“ ergeben. Die „wirtschaftlichste Größe“ haben demnach die oben erwähnten Konzerne weit überschritten. Deshalb ist anzunehmen, dass im Mittelpunkt der Fusionen nicht der Milchpreis an die Milchbauern stand, sondern die Marktstellung der Unternehmen auf dem internationalen Markt. Das scheinen auch die Milchbauern so zu sehen. In einer Umfrage von „toparar“ hat sich die Mehrheit der Befragten gegenüber der Fusion Mordmilch/Humana sehr skeptisch geäußert. Warum sich diese Befürchtungen  nicht  im Abstimmungsergebnis zur Fusion  niederschlugen, bleibt ein noch zu lösendes Geheimnis. Eines scheint jedoch schon heute klar zu sein: Die Konzernbosse konnten( bisher) ihre Eigentümer (Milchbauern) von der Notwendigkeit der Fusionen nicht überzeugen. Die Konzernbosse müssen also kräftig nachlegen. Worte sind genug gewechselt. Die Milchbauern wollen Taten sehen!

 

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O
<br /> Erschreckend, mit welcher Dreistigkeit Folgart der Überlieferung das Wort redet. Er weiß genau: Sollte die Superabgabe noch einmal fällig werden, fahren seine "Zukunftsbetriebe" vor die Wand.<br /> Deshalb kämpft der DBV auch so vehement für die Abschaffung der Superabgabe und eine europaweite Saldierung. Er vertritt eben nicht die Interessen der Masse der Milcherzeuger, die sich an geltendes<br /> Recht halten, sondern die Interessen einiger schwarzer Schafe, die sich auf Kosten ihrer Kollegen Vorteile verschaffen.<br /> <br /> <br />
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