Die Allgäuland-Käsereien GmbH: Wahl zwischen Pest und Cholera?
Die Allgäuland-Käsereien GmbH: Wahl zwischen Pest und Cholera?
Oder: Der „Niedergang “ eines Global-Players
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Es war alles so schön. Modern und international ausgestellt – so richtig nach dem Geschmack der Global-Player.
„Aus einer regional verwurzelten Genossenschaftsmolkerei entstand so ein heute international tätiges Unternehmen mit im Branchenvergleich überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Die Allgäuland-Käsereien rangieren heute unter den 15 größten deutschen Milchverarbeitungsunternehmen. Größter Absatzschwerpunkt ist der Bereich Discounter-Handelsketten. 2009 beschäftigte das Unternehmen 386 Personen, davon 40 Auszubildende. Mit 2.986 Milchlieferanten, einer Jahresmilchmenge von 589 Millionen Kilogramm und ca. 33.600 t Käse incl. Schmelzkäse wurde ein Jahresumsatz von 403 Millionen Euro erzielt. Innerhalb der letzten 10 Jahre wurde der Umsatz verzehnfacht“ /Qelle: Wikipedia)
Und dann das:Die Allgäuland Käsereien GmbH in Wangen hat im Jahr 2009 deutlich von der Substanz gelebt. Laut Geschäftsbericht 2009 schmolz das Eigenkapital der Allgäuland GmbH im Vorjahr von 45,9 Mio. € auf 22,0 Mio. €. Grund: Das Unternehmen fuhr 2009 einen Verlust von 23,9 Mio. € ein. Das Ergebnis setzt sich aus einem operativen Minus von 6,7 Mio. € und außerordentlichen Aufwendungen von 17,1 Mio. € zusammen. Letztere resultieren aus Abwertungen bzw. Wertberichtigungen der Beteiligungen an der Milei GmbH, der Alda GmbH sowie der Allgäuland-Frische GmbH.
Erstaunlich dabei:Im Jahr 2008 ließ die Allgäuland konzernintern die Milei-Anteile noch um über 20 Mio. € höher bewerten. Für den Bilanzverlust müssen vor allem die Teilhabergenossenschaften der GmbH gerade stehen. 11,4 Mio. € und damit rund die Hälfte des Bilanzverlustes sollen aus den Kapitalrücklagen gedeckt werden, die die Teilhabergenossenschaften in die GmbH eingebracht haben. Für weitere Verluste sollen die noch vorhandenen Gewinnrücklagen von 2,6 Mio. aufgebraucht werden(Quelle.toparar)
Anmerkungen: Das Unternehmen hat sich durch Zukauf und Fusionen zum größten süddeutschen Molkerei- Imperium entwickelt. Ein Wachstum von innen, wie viele Meiereien, insbesondere die privaten es praktizieren, hat fast nicht stattgefunden. Es wurde Umsatz und Größe einfach zusammengelegt, gekauft oder fusioniert. Und schon war man wer! An dieser Aufgabe ist das Management des Unternehmens gescheitert.
Aufsichtsrat ging in Deckung
Hat denn der Aufsichtsrat diese Entwicklung nicht kritisch begleitet? Schaut man sich die Berichte des Aufsichtsrates an, dann sind die Berichte aus vorgefertigten Textbausteinen zusammengesetzt, die sich (fast) jedes Jahr in gleicher Regelmäßigkeit wiederholen.
Auch 2008 ging es schon bergab!
G B e r I c h t d e s A u f s I c h t s r a t e s
Der Aufsichtsrat hat den Jahresabschluss und den Lagebericht geprüft und für in Ordnung befunden. Der Vorschlag der Geschäftsführung zur Verwendung des Bilanzgewinns entspricht den Vorschriften des Gesellschaftsvertrages und wird der Gesellschafterversammlung zur Genehmigung vorgeschlagen. Der Jahresabschluss zum 31. Dezember 2008 wurde durch die Geno Stuttgart GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Über das Prüfungsergebnis wurde der Aufsichtsrat eingehend informiert. Der Jahresabschluss hat von der Prüfungsgesellschaft den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass der Lagebericht die erforderlichen Angaben enthält. Der Jahresabschluss wurde vom Aufsichtsrat entsprechend dem Gesellschaftsvertrag festgestellt. Wangen im Allgäu, 27. Juli 2009 -Heinz Lipp -Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Anmerkungen: Hat der Aufsichtsrat nicht unabhängig und kritisch geprüft? Hat der Aufsichtsrat das Prüfungsergebnis der Prüfungsgesellschaft nur abgenickt? Wo sind die eigenständigen Prüfungsergebnisse? Gab es zum Jahresabschluss keine Fragen? Warum haben sich die Bankschulden um 20 Mio. erhöht? Was wurde vom Aufsichtsrat unternommen, um die weitere Verschuldung des Unternehmens zu stoppen? Hat der Aufsichtsrat auf seine Initiative hin einen externen Sachverständigen zur Überprüfung der Geschäftspolitik eingeschaltet? Wenn ja- mit welchem Ergebnis?
Dann ging es Schlag auf Schlag:
Ø Geschäftsführung wurde (mehrfach) ausgewechselt!
Frage: Welche Abfindungssummen müssen bezahlt werden?
Ø Neue strategisches Konzept wurde erarbeitet u.a.
Anmerkungen: Eine neue Struktur soll (sollte)die Zukunft der Allgäuland Käsereien GMBH sichern. Das dafür nötige Finanzierungskonzept sieht vor die Schulden von 70 Millionen Euro um 60 Prozent zu reduzieren. ( gemäß Konzernbilanz betragen die Schulden 66,4 Mio.€)Das Sanierungspaket hat ein Volumen von 50 Millionen Euro. Im Rahmen der Umsetzung des Konzeptes könnten auch etwa 15 Prozent der Stellen abgebaut werden, so Ritter weiter.
Und so sieht (sah) es aus:
Die Konzentration auf das Kerngeschäft Käseproduktion, der Wegfall unrentabler Produktionskapazitäten, die Investition in neue Produkte und die Stärkung von Marketing und Vertrieb.
· Produkte, bei denen Erzeuger aus Norddeutschland aufgrund ihrer Betriebsgröße Kostenvorteile haben, werden bei Allgäuland schrittweise zurückgeführt. Damit bekennt sich Allgäuland zur Landwirtschaft süddeutscher Prägung und akzeptiert, dass die hier vorhandene Struktur höhere Auszahlungspreise mit sich bringt.
· Für die langfristige Überlebensfähigkeit der Landwirtschaft in unserer Region bedeutet dies, dass im Vergleich zu den Rohstoffpreisen im Norddeutschen Raum ein bis zwei Cent mehr Auszahlungspreis je Litererforderlich sind.
· Die Restrukturierung der Allgäuland-Gruppe wird nicht auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen.
· Der Name Allgäuland ist den Kunden ein fester Begriff bei Allgäuer Emmentaler, Allgäuer Berg Käse und bei anderen Käsespezialitäten aus dem Allgäu. Diese Marktsegmente werden in den kommenden Monaten deutlich fokussiert. Vorteil von Allgäuland ist hierbei, dass die Produkte von Allgäuland in einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis angeboten werden
· Mit den Marken Allgäuland, Bergbauern und Bio-Allgäuland verfügt Bei der Vermarktung von Emmentaler und Käsespezialitäten aus dem Allgäu bietet der internationale Markt erhebliche Chancen. Neben dem traditionell starken Frankreichgeschäft werden die Exportmärkte in Europa in Zukunft deutlich stärker in Angriff genommen.
· Die Innovationspipeline des Unternehmens ist gut gefüllt. In den nächsten
Monaten wird eine Reihe von Neuprodukten eingeführt.
· Die Planung für die Geschäftsjahre 2010 und 2011 sind abgeschlossen. Allgäuland wird in beiden Jahren positive Ergebnisse erwirtschaften und alle erforderlichen Investitionen durchführen. Die Rohstoffbasis ist gesichert. Die Auslastung der Standorte ist gewährleistet. Die zielgerichteten Maßnahmen im Vertrieb und bei der Steigerung der Produktivität über die neue Sortimentspolitik werden die vorhandenen Arbeitsplätze sichern. Mit der Schließung der Standorte Augsburg, Tübingen und Dettingen ist zudem die Standortrestrukturierung der Allgäuland-Gruppe auf der Produktionsseite abgeschlossen( Quelle: Allgäuland)
Anmerkungen: Nach Aussagen der Manager von Allgäuland sind – so scheint (schien) es – alle Probleme gelöst.
Weit gefehlt! Allein die Hoffnung, aufgrund der vorhandenen Strukturen einen höheren Milchpreis am Markt zu erzielen, der zunehmend liberalisiert wird, hat mit Marktrealismus nichts mehr zu tun.
Das ist reine Bauernverdummung! Der Realismus ist spätestens in der Milchkrise bei den Milchbauern angekommen( Prämienprodukte haben den „Fall“ auch nicht stoppen können).
Möglich wäre es dennoch, wenn verbindliche Milchpreiskorridore für alle geschaffen würden, die regionale Unterschiede berücksichtigen. Aber dazu kein Wort. Das passt ganz einfach nicht in das Konzept der Milchindustrie.
Darüber hinauswollen sie das Programm straffen: Auf Massenprodukte zugunsten des Nordens zu verzichten!Wo dann die frei werdenden Milchmengen eingesetzt werden sollen, ist ebenfalls nicht geklärt. Sollen sie zu Dumpingpreisen auf den Spotmarkt geworfen werden-oder?
Auch die Rohstoffbasisist ebenfalls nicht sicher. Wie kann es sein, dass die Billigung des Sanierungskonzeptes durch die Banken davon abhängig gemacht wird, dass eine Milchmenge in Höhe von mindestens 200 Mio. kg/Milch gesichert wird.
Dazu Manager Ritter: Der Verzicht der Banken und die Bereitstellung des frischen Kapitals seien jedoch an Bedingungen geknüpft. Die sechs Erzeugergenossenschaften sollen bis Ende Juni zu einer großen Einheitsgenossenschaft mit neuer Satzung, der «Allgäuland-Bergbauern eG», verschmelzen. Eine weitere Bedingung sei die Sicherstellung von mindestens 200 Mio. kg/Milch. Ab 2013 sind es nur noch 170 Mio. kg/Milch gegenüber 340Mio.kg/Milch. Ritter verspricht den Bergbauern einen Milchpreis von 35 Cents für gentechnikfreie Milch.
Kurzum: Das sind zum Teil unausgegorene Denkansätze von „möchte gerne“ Globalisten!
Das Unternehmen feiert sich selbst!
Ø Als Meilenstein innerhalb des Restrukturierungs-Prozesses bezeichnen die Allgäuland-Käsereien die zunächst bis Ende 2011 gültige Finanzierungs-Zusage der Banken. „Die Kreditinstitute stehen weiterhin hinter den Allgäuland Käsereien und ihrem Management, das nach wie vor schwarze Zahlen im operativen Geschäft vorweisen kann“, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.
Verhältnis verbessert
Ø Auch das zuletzt angespannte Verhältnis des Herstellers zu seinen 2.745 Milchlieferanten scheint sich zu verbessern. Zum neunten Mal in Folge haben die Allgäuland-Käsereien im November 2010 das Milchgeld für die Vertragslandwirte auf aktuell 32 Cent pro Kilogramm Milch erhöht. Eine Maßnahme, mit dem das Unternehmen das Vertrauen der Milcherzeuger zurückgewinnen will. Nach einem jahrelangen Missmanagement hatten zahlreiche Milchlieferanten Anfang 2010 angedroht, ihre Lieferverträge mit den Allgäuland Käsereien zu kündigen( Quelle: Unternehmen)
Jetzt beginnt die Zeit der Ernte.“Mit diesen Worten kommentiert Marcel Mohsmann, Geschäftsführer der Allgäuland Käsereien GmbH, die Gerüchte, die in jüngster Zeit rund um das Unternehmen entstanden sind. „Wir haben im August 2009 einen anspruchsvollen Restrukturierungsprozess begonnen, der sich nun seinem Ende nähert. Sieben Monate später kann ich sagen: Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Die Geduld, die unsere Lieferanten derzeit aufbringen müssen, wird sich bald auszahlen.“ Die Schließung des Werks in Augsburg zum 31. März sowie die Schließung der Werke Tübingen und Dettingen( Quelle: open PB).
Aufsichtsratsvorsitzende Kuno Rumpel. Er kämpfe für das "Stand alone-Konzept" und ein "Wir-Gefühl". Am 1. Juli 2011 wolle man mit der "neuen Firma" starten. Mit der Fusion der Liefergenossenschaften haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht.Quelle:(dlz agrarmagazin/jo)
Sucht das Unternehmen nun das rettende Ufer?
Die Rolle rückwärts
Der Paukenschlag: Die dänisch-schwedische Großmolkerei Arla Foods amba hat ein Angebot für den Kauf der süddeutschen Allgäuland-Käsereien abgegeben. Das Unternehmen mit 306 Beschäftigten und 1.800 zuliefernden Milchproduzenten ist seinerseits geneigt, das Angebot anzunehmen – der Vorstandsvorsitzende jedenfalls empfiehlt die Übernahme.
Erst im März war Arla mit der norddeutschen Hansa-Milch fusioniert.
Die Milchproduzenten der Allgäuland-Käsereien müssen nun auf einer Generalversammlung dem Schritt zustimmen, der Arla seinem Ziel, die größte Molkerei in Deutschland zu werden, ein großes Stück näher bringt.
Hintergrund: Allgäuland scheint tiefer in der Krise zu stecken als bislang vermutet. Nach Elite vorliegenden Informationen, hatte Goldsteig nach dem Blick in alle Bücher offenbar die Fusion platzen lassen. Den Bayern war das Risiko zu hoch, sie fürchteten um ihr Milchgeld. Zu tief scheint Allgäuland in den roten Zahlen zu stecken (Quelle: Elite).
Anmerkung: Andere Meiereien lehnten ebenfalls wegen zu hoher Verschuldung eine Übernahme bzw. Kooperation ab.
Aufsichtsratsvorsitzender Kuno Rumpel: Die Allgäuland-Milchlieferanten würden die Partnerschaft zwischen den Allgäuland-Käserein und dem Molkereiriese Arla- Food begrüßen. Das gab der Aufsichtsratsvorsitzende der Allgäuland-Käsereien Kuno Rumpel im RSA Interview bekannt. Wir freuen uns sehr über das Angebot von Arla, da die geplante Übernahme einen wichtigen und notwendigen Schritt zur Sicherung unseres Unternehmens darstellt», sagte Kuno Rumpel, Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäuland-Käsereien, laut Mitteilung. Mit der skandinavischen Milchgenossenschaft gewinne Allgäuland einen starken Partner. Die Abnahme der Milch sei Mitgliedern garantiert.
Anmerkungen: Trotz dieser angeblich guten Entwicklung wird ein von Arla vorgelegtes Übernahme-Angebot als Glücksfall bezeichnet. Waren alle bisher vorgelegten Sanierungsergebnisse nur heiße Luft? Oder ist das Angebot von Arla so gut, dass man nicht nein sagen kann!
Fragen über Fragen!
Wie kommt es zum plötzlichen Sinneswandel des Aufsichtsratsvorsitzenden Rumpel, der doch mit Vehemenz die Eigenlösung (bisher) anstrebte?
Wie kann Rummel das Angebot von Arla jetzt schon als Glücksfall bezeichnen, obwohl er das Angebot von Arla noch nicht geprüft hat? Das soll ja erst in den nächsten Tagen erfolgen!
Sind alle anderen Alternativen nur heiße Luft? – oder gibt es überhaupt welche?
Sind die Verantwortlichen des Unternehmens überhaupt noch glaubwürdig?
Steht das Unternehmen, trotz einer zurzeit relativ guten Marktsituation, kurz vor der Pleite?
Wie begründen die Verantwortlichen diese plötzliche Kehrtwende?
Hat Arla das, was andere nicht haben? Wenn ja- muss die Erklärung glaubhaft und nachvollziehbar mitgeliefert werden!
Fragen über Fragen, auf die die Milchbauern zu Recht Antworten vom Management verlangen können!
Arla Foods amba ist ein Unternehmen, das elektrisiert!
Anmerkungen: Arla ist ein dänisch-schwedisches Unternehmen, das sich in relativ kurzer Zeit durch Zukauf und Fusionen zu einem der größten Global- Player entwickelt hat. Das Unternehmen ist also nicht organisch gewachsen, d.h. von innen heraus, ganz so wie Allgäuland – nur zwei Nummern größer! In Dänemark erfasst das Unternehmen über 90 Prozent der Rohmilch. Insoweit hat das Unternehmen eine Monopolstellung, die sie nicht immer zugunsten der Milchbauern einsetzt. Aufgrund internationaler Ambitionen hat das Unternehmen kein Interesse daran, den Milchpreis hochzufahren. Das haben auch die dänischen, schwedischen und englischen Milchlieferanten schon erfahren müssen.
Der dänisch/schwedische Molkereiriese Arla Foods senkt seinen Milchauszahlungspreis um einen Cent. Mit einem Milchauszahlungspreis von 33,3 Ct/ kg Milch fällt dieser damit wieder auf das Niveau von November 2010 (Quelle:Elite).
Dänemark:LDM-Vorsitzende Peder Mouritsenbemängelt, dass Arla Foods beim Milchpreis deutlich hinter der Konkurrenz zurückliegt. „In anderen Branchen würde die Konzernspitze in solch einer Situation ersetzt werden, wir müssen das eventuell auch mal überdenken", fordert Mouritsen mit deutlicher Vehemenz.
Ergänzung:Der Durchschnittsbetrieb in Dänemark hält über 100 Kühe. Trotz starkem Wachstum ist es den Betrieben mehrheitlich nicht gelungen, ausreichendes Eigenkapital zu bilden. Im Gegenteil: Die Verschuldung der Betriebe nimmt zu. Rat von Arla: Wenn zwei- bis dreihundert Kühe nicht reichen, dann müssen eben 500 Kühe her!
Der Höllenritt des Global-Players
Anmerkungen:International ist Arla auf 19 wichtigen Exportmärten präsent. Diese Anstrengungen sollen weiter auf Pump verstärkt werden. Neustes Kind ist ein Joint Venture mit dem größten deutschen Molkereiunternehmen Deutsches Milchkontor GmbH sowie die Übernahme der Allgäuland-Käsereien. Die Strategie heißt: Wachsen um jeden Preis. Angesichts einer solchen Unternehmensphilosophie klingt es wie glatter Hohn, wenn mit dieser Strategie die Wirtschaftskraft der“ Milch-Genossen“ stärken werden soll. Im Gegenteil: Die unbegrenzte Produktionsgarantie gegenüber ihren Milchbauern in Kombination mit den international nicht wettebewerbsfähigen Produktionskosten der Milchbauern in Europa, macht diesen Höllenritt des Global-Players zum einem Himmelfahrtskommando für die Milchbauern.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet!
- Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang! -
Vor diesem Hintergrund ist das Angebot von Arla auf Herz und Nieren zu prüfen. U.a. müssen folgende Fragen abgearbeitet werden! Um was für ein Angebot handelt es sich? Bei einem Kauf: Welches Bewertungsverfahren wurde angewandt? Versprechungen und Zusagen sind auf ihre juristische Belastbarkeit hin zu überprüfen. Insbesondere die Zusicherungen höherer Milchgeldauszahlungspreise an die Milchbauern in Kombination mit einer zugesicherten und unbegrenzten Milchabnahme durch den Konzern. Erfassungskosten der Milch genau definieren. Sind Mengen-Zu -und Abschläge geplant? Wenn ja – genau darlegen. Welche Qualitätskriterien werden angestrebt? Wenn la- näher erläutern. Ist eine preisliche Milchmengenstaffelung vorgesehen? Wenn Ja- erläutern. Wer übernimmt die Schulden? Bitte genaustens darlegen. Stehen die Banken bei Übernahme durch Arla noch zu ihrem Kapitalschnitt? Welchen Einfluss haben die Milchbauern in Zukunft auf das Unternehmen? Ist eine Sperrmajorität geplant? Wenn ja-in welchem Zusammenhang? Sind Veränderungen im Stimmrecht geplant? Wenn ja- welche? Wie sehen die Milchlieferverträge zwischen den Milchbauern ( Genossen ) und dem Unternehmen aus? Wie werden die Genossenschaftsanteile der Mitglieder bewertet und verzinst? Welche Verzinsung erhalten fremde Kapitalgeber für ihre Einlagen? Sind Kündigungsklauseln vorgesehen bei Nichteinhaltung von Versprechungen des Konzerns durch die Milchlieferanten? Wenn ja- welche! Sind Mindestlaufzeiten der Lieferverträge vorgesehen? Wenn ja- wie lange! Wurde ein Verfahren im Fall einer Rückabwicklung des Kaufes oder der Fusion bei Nichteinhaltungen von Zusagen oder Scheitern von Konzepten gleich mitvereinbart worden? Wenn ja- auf welche Modalitäten und Verfahren hat man sich geeinigt! Usw.usw.usw.
Die Milchbauern haben es in der Hand!
Rat an die Milchbauern
Grundsätze: Verlangen sie zur Entscheidungsfindung im Vorwege der Entscheidung belastbare Unterlagen zu ihrer Meinungsbildung. Lassen sie sich nicht nur mit mündlichen Informationen während der Versammlung abspeisen. Ziehen sie in Absprache mit den Kollegen - wenn nötig- einen Fachmann ihres Vertrauens zur Versammlung mit hinzu.
Es bleibt nun den Milchbauern (Genossen) überlassen in den anstehenden Versammlungen das Management mit Fragen einzudecken, denen sie nicht ausweichen können. Wichtig dabei ist, dass alle Fragen und deren Antworten durch das Management genaustens (neutral) protokolliert werden( die Fragen sollten sie auch dem Management zukommen lassen). Lassen sie das (offiziell) verfasste Protokoll vorlesen( umgehend). Ev. Bedenken und Unstimmigkeiten geben sie bitte sofort zu Protokoll. Lehnen sie eine Abstimmung ab, wenn sie vieles nicht verstehen! Eine kleine Hilfe: Formulieren Sie schriftlich ihre Fragen und verteilen sie diese zu Beginn der Versammlung an alle Teilnehmer. Schreiben sie ein Gedächtnisprotokoll mit und lassen es von möglichst vielen Anwesenden unterschreiben. Nur wenn sie engegiert mitarbeiten, kann ein Schuh daraus werden.