Die zwei Gesichter des Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner
Die zwei Gesichter des Bauernpräsidenten Gerd Sonnleitner
Oder: Die miesen Tricks des Bauernpräsidenten
Anmerkungen des SV Karl-Dieter Specht
Anmerkungen: Wenn es um die Milchbauern geht lässt Sonnleitner keinen Zweifel daran, dass die Milchbauern sich am Markt orientieren müssen. „Wir müssen“, so Sonnleitner, „die Realitäten anerkennen.“ Die Perspektiven der Milchviehhalter sind auch ohne Quote gut. Eine wie immer geartete Produktionsanpassung führt nicht zum Ziel. Basta!
SZ: Milchbauern wollen die Produktion europaweit flexibel an die Nachfrage anpassen. Was haben Sie dagegen?
Sonnleitner: Ich halte das für völlig unrealistisch. Dafür gibt es in der EU keine Mehrheit. Die Verantwortung liegt bei den Milchbauern und bei den ihnen gehörenden Molkereien. Sie müssen sich im Markt durchsetzen, da der Staat sich aus Marktordnungen zurückzieht.
SZ: Durch den Bauernverband geht ein Riss. Was wollen Sie dagegen tun?
Sonnleitner: Als Verbandspräsident will ich nicht populistisch meinen Mitgliedern etwas vormachen. Wir dürfen die Augen nicht vor der Wahrheit verschließen. Auch auf dem Milchmarkt gelten zunehmend die Gesetze des Marktes. Darauf müssen sich die Milchbauern einstellen. Wenn wir nicht den Blick für die Realität haben, verlieren wir den Anschluss. Ich will aber, dass Deutschland das führende Milchland in der EU bleibt: Quelle: SZ vom 15.09.09).
Sonnleitner: Zur geplanten Abschaffung der Milchquote sagte Sonnleitner, dass europäische Milcherzeuger ohne Milchquoten zu kämen. Die Perspektiven der Milcherzeuger seien auch ohne Quoten gut. Der weltweite jährliche Absatz von 650 Mio. t werde bis 2015 um 120 Mio. t ansteigen, schätzte er (Quelle. topagrar vom 20.05.08
Sonnleitner: In dieser Frage spaltet sich die Bauernschaft. Während DBV-Chef Sonnleitner an den Unternehmer im Bauern appelliert („Sie müssen sich am Markt durchsetzen, da der Staat sich aus Marktordnungen zurückzieht“), fordert der BDM die Beibehaltung der Quote. Es dürfe nur noch so viel Milch produziert werden, wie in Europa gebraucht wird (Quelle: Tagespiegel vom 28.05.09).
Anmerkungen: Wenn es aber um die Sicherung des Rübenanbaues in Deutschland/Europa geht, dann ist der Markt, den Sonnleitner für die Milch fordert, für den Zuckerrübenanbau nicht mehr zielführend. Im Gegenteil: Die Zuckerrübenquote schützt die Verbraucher vorm „freien Markt“ und damit vor höheren Preisen. Gleichzeitig fordert Sonnleitner die Beibehaltung des Außenschutzes für den Zuckerrübenanbau. Was ist denn nun richtig ? Schutz der Verbraucher oder Schutz der Einkommen der Zuckerrübenanbauen? „Die Zuckerrübenquote sichert den Zuckerrübenbauern ein angemessenes Einkommen“, so Sonnleitner.
Sonnleitner: „Eine unveränderte Fortführung der aktuellen Zuckermarktordnung würde den Zuckerrübenanbau dagegen als stabile Einkommensquelle für landwirtschaftliche Betriebe erhalten und damit die Versorgung der europäischen Verarbeiter und Verbraucher sichern. Die Mengenregelung ( Quote) für die europäischen Erzeuger erfüllt ihren Zweck jedoch nur bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Außenschutzes“ (Quelle: dzz, April 2011).
Anmerkungen: Diese Kehrwendung von Sonnleitner, wenn es um die Interessen der Zuckerrübenbauern geht, Ist kaum noch zu überbieten. Was für den Milchmarkt von Sonnleitner „als richtig“ anerkannt wird, lehnt er für den Zuckermarkt ab. Der Abbau des Außenschutzes und der Milchquote soll die Milchproduktion in Deutschland beflügeln. Der Weltmarkt braucht deutsche Milchprodukte. Nur: Für die Zuckerrübenbauern gilt dies alles nicht. Für die Zuckerrübenbauern fordert Sonnleitner beides: Quote und Außenschutz!
Schlimmer geht`s nimmer!