DLG: Setzt die DLG nur noch auf die Elite?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34DLG Tagung: Setzt die DLG nur noch auf die Elite?

Anlässlich einer DLG-Tagung in Soest, an der zirka 200 Landwirte teilnahmen,  ging es um die möglichen Entwicklungschancen  landwirtschaftlicher Betriebe. Entsprechend den Anforderungen war auch die Referentenliste. Neben Prof. Dr. Enno Bahrs von der FH-Hohenheim, dem Betriebsberater Cort Bringmann, Dr. Albert Horstmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und „but not least“ der wegen Konkursverschleppung verurteilte Siegried Hofreiter, Vorstandsvorsitzender der KTG Agrar AG aus Hamburg. Eine illustere Gesellschaft von Referenten fand sich hier zusammen, um den jungen Landwirten  mal  so „richte unternehmerische Tugenden zu vermitteln.“ Ganz im Sinne von topagrar, die titelte: Nur die besten Betriebe kommen weiter! Ob es sich hierbei um 5 % oder 10% der Betriebe handelt, ließ „topagrar“ offen. Darauf gibt mit Sicherheit das Elite-Magazin von topagrar eine Antwort. 

Exkurs eines Professors

Auch die Feststellungen der Referenten sind laut „ Text topagrar“  ebenfalls elitereif. Der „Exkurs“ von Prof.Dr. Bahrs gipfelte in dem Satz: „Erfolgreiche Landwirte sind künftig diejenigen, die besser sind als der Durchschnitt“, erklärte Bahrs. Ein erstaunliches Fazit, das man getrost zu den Akten legen könnte, wenn da nicht tausende von Landwirten um ihre Existenzen ringen würden. Im Klartext heißt das: Die Zukunft gehört den Eliten! Den Durchschnittslandwirt schreibt man ganz einfach ab. Das regelt schon der Markt ganz allein!  Man will ja schließlich unter sich sein. Auch unter den Eliten gibt es ebenfalls gute und schlechte. Man darf gespannt sein, wie sich nach Lesart der Experten diese Eliten-Selektion weiterentwickelt (dazu im nächsten Beitrag mehr).

Berater Brinkmann

 Der Berater Brinkmann hatte ebenfalls eine griffige Formulierung bereit, die da lautet:  „Wachsen kann derjenige, der es sich leisten kann, wenn er genügend Produktionsfaktoren sein Eigen nennt, ein ausreichendes Vermögen zum Verzehren besitzt oder einen Partner mit ausreichendem alternativen Einkommen hat.“ In der Tat  ist das eine erstaunliche Erkenntnis! Wenn es denn  mit dem Unternehmer-Einkommen nicht mehr reicht, dann muss eben das Einkommen der Frau her- wenn sie denn eins hat! Das ist die Feststellung eines Beraters, der die Landwirtschaft mit dieser Aussage zum Hobby erklärt.

 

Spekulant Hofreiter

Dann stand noch  ein Referent auf der Liste, der schlagartig die wahren Absichten der Veranstalter offenbarte. Es handelt sich hierbei um eine schillernde Persönlichkeit: Europas ( vermeintlich) größter Bauer, Spekulant und Vorsitzender der KTG Agrar AG, die zurzeit über 35.500 Hektar bewirtschaftet. Der Name  Siegfried Hofreiter ist in Fachkreisen bekannt. Nicht zuletzt durch seine spektakuläre Insolvenzverschleppung, zu der er rechtmäßig verurteilt wurde. Als Tummelfeld des landwirtschaftlichen Treibens hat Hofreiter  den Osten ausgesucht. Hier bieten sich aufgrund der Zwangskollektivierung die richtigen Größeneinheiten mit den entsprechenden Entfaltungsmöglichkeiten. Zusammen mit außerlandwirtschaftlichen Investoren pachtet und kauft er ehemalige LPG`s, natürlich nur Sahnestücke und tritt damit in Konkurrenz zu den bäuerlichen Betrieben, die nicht über außerlandwirtschaftliches Kapital verfügen. Wenn diese Modell Schule macht, dann ist zu befürchten, dass es zu einer zweiten Enteignung bäuerlicher Betriebe im Osten kommt. Und diesmal findet die Enteignung  nicht durch den Sozialisums – sondern durch den Kapitalismus statt !

 

Die Umwandlung in eine AG

Zwischenzeitlich hat Hofreiter das Unternehmen an die Börse gebracht. Dadurch stehen dem umtriebigen Hofreiter  weitere umfassende außerlandwirtschaftliche Geldbeträge zur Verfügung. Die letzte Kapitalerhöhung spülte Hofreiter nochmals 8,3 Mio. Euro in die Kassen. Das Geld will er für die Erweiterung der AG einsetzen; insbesondere will er die Biogasproduktion weiter ausbauen. Geplant sind bis 2013 20 MW. Darüber hinaus kann Hofreiter aufgrund seiner Größe den Großhandel ausschalten, selbst als Getreidehändler auftreten und alle Zwischenhandelsmargen für sich nutzen. Und das alles mithilfe von Subventionen, die eigentlich zur Erhaltung der bäuerlichen Strukturen gedacht sind. Dieses nicht nachahmenswerte Beispiel macht  deutlich, wer „die Profiteure“ von  Subventionen sind. Eine Änderung des Förderungssystems zugunsten der bäuerlichen Landwirtschaft ist dringend geboten. Und daran sollt sich die DLG und „toparar“ aktiv beteiligen.

 

 

 26.04.2010 10;45;34

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