Gemeinsame Agrarpolitik bis 2020 – was nun Frau Ministerin Aigner? (3 Folgen)

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TGemeinsame Agrarpolitik bis 2020 – was nun Frau Ministerin Aigner? (3 Folgen)

                                                                 Folge 3

 

Kommentiert vom SV Karl-Dieter Specht

 

 

 

 

Können sich die Bauern auf dem Weltmarkt eine goldene Nase holen?

Der Bedarf an Nahrungsmitteln hängt stark von der Kaufkraft der Bevölkerung ab. Dieser Bedarf stößt da an seine Grenzen, wenn ein Pro-Kopf-Durchschnittsverbrauch von 4.000 kcal und 150g Protein konsumiert werden. Mehr geht(fast) nicht! Nach Angaben von Dr.J.Schmidhuber(FAO Rom)

wird sich der Zuwachs der Weltbevölkerung deutlich von 75 Mio. jährlich( 2010)auf 40 Mio. jährlich bis 2050 um fast die Hälfte reduzieren. In 2050 wird mit einer konstanten Weltbevölkerung von 9,2 Mrd. Menschen gerechnet. Diese Bevölkerungszahl ist zu ernähren. Im Gegenteil: Der verringerte Zuwachs der Weltbevölkerung sprich eher für eine Abnahme des Bedarfs an Nahrungsmitteln. Das zeigt  auch die Initiative“ How to Feed the World“. Zirka 30 Prozent der in den Industrieländern produzierten Nahrungsmittel werden vernichtet. Bis  2050 wird  mit  einem  Mehrbedarf an Nahrungsmitteln von 70 Prozent gerechnet als im Referenzjahr 2006. Daraus errechnet sich  eine jährliche Steigerungsrate von 1,3 Prozent. Diese „bescheidene“ Steigerungsrate kann durch die Aktivierung  weltweit stiller Ressourcen aufgefangen werden.  Bei steigenden Preisen reagieren die Landwirte mit Produktionsausweitungen, die ausschließlich in den Industrieländern erfolgen. Diese dann erzeugte Mehrproduktion ist in der Regel am Markt nicht kostendeckend unterzubringen und führt dann-wie gehabt - zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt.

 Der Schlüssel zur Hungerbekämpfung und damit zur Sicherung der Welternährung liegt nicht in Europa sondern bei den Kleinbauern in Afrika, Asien und Südamerika. Diese müssen besser ausgebildet werden, sie müssen über Eigentum verfügen, Ihnen sind Kredite zu tragbaren Konditionen zu gewähren, sie müssen über ausreichende Produktionsmittel verfügen können, es müssen regionale Vermarktungsstrukturen aufgebaut werden und die Kleinbauern müssen  Zugang zu den internationalen Märkten erhalten.

 

Was die Länder China und Indien anbelangt, so können sich die Europäer wenig Hoffnung machen.

 

Getreidemarkt: In den Jahren 2001-2010 traten diese Länder in sieben von 10 Jahren als Getreideexporteur auf.

Fleischmarkt: Die Importe von Fleischwaren nach Indien und China sind sehr überschaubar. Die Exportmengen dieser Länder werden noch nicht einmal vom US-Agrarministerium erfasst. China  importiert zwar Schweine- und Geflügelfleisch: Diese Mengen halten sich jedoch in Grenzen. Vor Ausbruch der Schweineseuche war China Nettoeporteur. Diese Position wird China in den nächsten Jahren wohl wieder einnehmen. Indien zählt zu den größten Exportländern für Rindfleisch mit insgesamt 700.000 t.

 

Milchmarkt: Der Milchmarkt in Indien ist ausgeglichen. Zudem will Fonterra ( Molkereigenossenschaft aus Neuseeland ) Produktionsanlagen mit Einheiten von 3.000-5000 Kühen errichten, um, so die Lesart der Genossenschaft, für den indischen Markt zu produzieren(nur?). Auch in China halten sich die Exporthoffnungen in Grenzen. So importiert China im Wesentlichen Pulver(210.000t) für die Verarbeitung u.a. von Speiseies.

Diese Importmenge dürfte sich bald wieder verringern, denn nach dem Melaminskandal steigen die Kuhbestände wieder kräftig. Allein in diesem Jahr um 500.000 Kühe. An dieser Entwicklung beteiligt auch Fonterra, so wie in Indien, und wird nicht nur den chinesischen Markt bedienen.

 

Alles in allem muss man nüchtern feststellen, dass diese Länder nicht geeignet sind, um die Überschussprobleme der EU zu lösen. Im Gegenteil: Wenn sich die Milchindustrie für einen offenen Preiskampf am Weltmarkt entscheidet, alle Anzeichen deuten daraufhin, dann werden die Milchbauern die Verlierer sein. Fonterra hat schon mal Pflöcke eingeschlagen. Sie wollen Weltmarktführer in jeder Hinsicht bleiben. Dies untermauert sie auch mit dem Hinweis an ihre Genossenschaftsmitglieder (Milchbauern) noch günstiger zu produzieren.

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass neben Indien und China auch Russland, Japan, Mexiko. Golf-Staaten usw. interessante Märkte für die EU sind. Jedoch müssen sich die EU-Staaten mit der internationalen Konkurrenz messen. Auch hier schreitet die internationale Kooperation voran. Danone ( französischer Lebensmittelkonzern )beteiligt sich mit über 51 Prozent an einem Kuhkombinat mit über 35.000 Kühen in Nordafrika. Warum wohl? Im Ergebnis muss man feststellen, dass Europa am Wachstumsmarkt in Asien und darüber hinaus nicht wesentlich profitieren kann. Im Gegenteil: Die FAO prognostiziert eine Abnahme des Exportanteils der Milchprodukte in Drittländer bis 2019 um 6-7 Prozent.

 

 

Zweite Säule

Ciolos: Die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums fördert mithilfe spezifischerer, gezielter Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit, die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und die ausgewogene Entwicklung der ländlichen Gebiete. Sie bietet den Mitgliedstaaten über eine Kofinanzierung die Möglichkeit, auf die wichtigsten Belange in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet flexibel einzugehen. Andere GAP-Initiativen wie Qualitätspolitik, Absatzförderung und ökologischer Landbau beeinflussen die Situation der Landwirte ebenfalls in erheblichem Maße

Anmerkungen: Die im Rahmen der 2. Säule vorgesehene Kofinanzierung darf nicht dazu führen, dass sich einige Länder mithilfe dieses Modells Wettbewerbsvorteile verschaffen. Allein Italien stellt mit einer Mrd. Euro mehr Mittel bereit als Deutschland und Frankreich. Auch ist es kontraproduktiv, wenn durch Investitionsbeihilfen Überkapazitäten in unterschiedlichen Produktionsbereichen geschaffen werden, die wiederum zum Preisverfall führen. Für die Bewilligung der Mittel aus der 2.Säule müssen strengere und einheitliche Maßstäbe angelegt werden, die eine Verfälschung des Wettbewerbs und eine am Markt vorbeigehende Überproduktion nicht finanziell  noch unterstützen(Mittelauschluss).

 

                                                                      Ende

 

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