Nachschlag: Prof. Dr. Weindlmaier ( Thesen zur Milchwirtschaft)
Nachschlag: Prof. Dr. Weindlmaier ( Thesen zur Milchwirtschaft)
Folgende Mail habe ich von Prof. Dr. Weindlmaier
zu meinen Anmerkungen zu „seinen“ Thesen zur Milchwirtschaft erhalten.
Sehr geehrter Herr Specht,
vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Da ich 3 1/2 Wochen in Neuseeland war, komme ich erst jetzt dazu, kurz zu antworten. Ich meine, dass wir in unseren Auffassungen nicht sehr weit auseinander liegen. Allerdings bin ich sehr skeptisch betreffend Ihres Lösungsvorschlags mit einer mit einer Markt-, Bedarfs- und Strukturanalyse. Im Prinzip würde das wieder auf eine gesamtwirtschaftliche Mengenregelung hinauslaufen. Dass so etwa - auch auf privatwirtschaftlicher Basis - nicht funktioniert, zeigt auch die aktuelle Entwicklung in der Schweiz. Ich meine, dass man die Mengenanpassung tatsächlich dem Markt überlassen sollte, da sowohl politische Gruppierungen als auch Verbände damit letztlich überfordert sind.
Eine Steigerung der Milcherzeugerpreise in der EU wird aber sicherlich mit davon abhängig sein, ob es gelingt, den gegenwärtigen Selbstversorgungsgrad von 108 % weiter zu reduzieren. Steigende Produktionsmengen in wichtigen (Niedrigkosten-) Erzeugerländern weltweit halte ich dafür nicht für so entscheidend, dass diese Produktionsmengen von der erwarteten steigenden Nachfrage in denselben Regionen weitgehend absorbiert werden. Allerdings werden sich weltweite Schwankungen in Angebot und Nachfrage und infolgedessen in den Weltmarktpreisen wesentlich stärker als in der Vergangenheit auf die Preisschwankungen in der EU auswirken (Preisvolatilität!), da durch den weitgehenden Wegfall der Marktsteuerung der EU eine Abschwächung dieser Schwankungen nicht mehr erfolgt.
Beste Grüße aus Bayern
Hannes Weindlmaier
Sehr geehrter Prof. Dr. Windmaier,
natürlich ist es gewagt und zugleich herausfordernd neue Wege der Produktionsanpassung an den Markt zu beschreiten. Nur, wir müssen sie wagen, denn auch der von Ihnen favorisierte „freie“ Markt ist gescheitert. Die USA können hier als Beispiel dienen. Seit 1992- 2008 sind die Kubestände von zirka 90 Kühe/ Betrieb auf zirka 200 Kühe/Betrieb aufgestockt worden. Einher ging mit dieser Aufstockung eine Produktionsausweitung, die zu einer Stagnation der Milchpreise an die Dairy-Farmer seit 1992 führte D.h. im Klartext: Eine am Markt vorbeigehende Produktion führt, gemäß Angebot und Nachfrage, zum Verfall der Preise und damit zur Kapitalauszehrung der Milchviehbetriebe. Die USA suchen jetzt händeringend anderen Lösungsansätzen.
Im Gegensatz zur Milchwirtschaft versucht die Industrie durch Produktionsanpassung an den Markt einen Preisverfall zu stoppen. Und das mit Erfolg.
Was die Anpassung der Milchproduktion an den europäischen Markt anbelangt, habe ich wenig Hoffnung. Schauen Sich mal das (europäische)Umfeld an.
In allen Ländern, bis auf wenige Ausnahmen, wird wieder kräftig Gas gegeben. Die nächste Milchkrise lässt schon heute grüßen!
Der globale Markt ist, bis auf Prämienprodukte, für die EU nicht zielführend. Gemäß Aussage der FAO wird sich der Milchexport in Drittländer bis 2019 um 6-7 Prozent vermindern. Hinzu kommt, dass die Global-Player wie Fonterra und Danone ( andere werden folgen oder sind schon im Geschäft) in den weltweiten Gunststandorten kräftig in Milchkombinate investieren, um , wenn die Doha-Runde das richtige Ergebnis gebracht hat, den europäischen Markt mit Milchprodukten zu beliefern. Da die Vernunft durch die Gier ausgebremst wird, wäre es eine Aufgabe der Wissenschaft hier sachliche Lösungsansätze aufzuzeigen. Der Hinweis auf den Markt allein genügt nicht.
Viele Grüße aus dem schneebedeckten Norden nach Bayern!
Karl-Dieter Specht