Gentechnik: Patentierung von Pflanzen und Tieren ? - Folge 1

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Gentechnik:Patentierung von Pflanzen und Tieren ?

Folge 1

An  der Gentechnik scheiden sich die Geister: Die Einen bezeichnen sie als“ Teufelszeug“- die Anderen als Quantensprung in der Pflanzen-und Tierzucht. Einen besonders großen Raum in dieser Diskussion nimmt die Patentierung von Pflanzen und Tieren ein.

 

Was ist Gentechnologie?  Jede Art, ob Pflanze, Tier oder Mensch hat so ihren Genbestand erhalten. Dabei ist eine Art eine Gemeinschaft von Lebewesen, die miteinander fruchtbare Nachkommen haben können. Alle Menschen gehören zu einer Art, ebenso wie alle Rapspflanzen oder alle Trauerseeschwalben. Normalerweise findet zwischen diesen Genbeständen kein Austausch statt. Selbst wenn bei einer Kreuzung von Pferd und Esel das Maultier entsteht, führt das nicht zu einem Austausch der Genbestände von Pferd und Esel, denn Maultiere sind unfruchtbar; Pferd und Esel sind eben zwei verschiedene Arten.

In Einzelfällen hat es auch bisher schon den Austausch von Genen aus verschiedenen Artbeständen gegeben. Bestimmte Bakterien z.B. übertrugen schon immer Gene über Artgrenzen hinweg. Dies sind aber aus der Sicht des Menschen Zufallsereignisse und so nicht unmittelbar nutzbringend zu verwenden. Das Neue an der Gentechnologie ist also nicht die Übertragung von Genen über Artgrenzen, sondern die Tatsache, dass dies seit 1983 in der Weise gezielt möglich ist, dass die erste transgene Pflanze entstand. Voraussetzung dafür war eine Entdeckung aus dem Jahr 1972, die es ermöglichte, die DNS gezielt in einzelne Stücke zu zerlegen und auf andere (Quelle: Dr. Hans Peter Stamp).

 

Pro Gentechnik


         

Transgene Nutztiere finden in der Landwirtschaft bislang keine praktische Anwendung. Häufig ist es schwierig, wirtschaftliche interessante Gene zu finden, die in das Genom der Tiere eingeführt werden können. Die Entwicklung von die Umwelt schonenden Schweinen ist am weitesten fortgeschritten. Möglicherweise könnten transgene Schweine, deren Ausscheidungen weniger phosphatbelastet sind, in einigen Jahren in Kanada und den USA auf den Markt kommen.
Die Züchtung von landwirtschaftlichen Nutztieren hat sich sehr gewandelt. Fortpflanzungstechnologien wie künstliche Besamung und Befruchtung gehören inzwischen zum Alltag der Erzeuger. Auch die Gendiagnostik wird häufig genutzt, um die Selektion für die Weiterzucht zu verfeinern. Dazu testet man die Tiere mithilfe von DNA-Sonden auf bestimmte Gene, um gezielt nach gewünschten und unerwünschten Eigenschaften wie auch Erbkrankheiten auszuwählen.
   
2. Veränderung der Eigenschaften tierischer Produkte
Die Qualität von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Eier und Wolle soll mithilfe der Gentechnik verbessert werden. Das bevorzugte Forschungsobjekt ist dabei die Kuhmilch. Ziel ist etwa eine fettarme und besonders nährstoffreiche oder auch laktosearme Milch, von der Menschen mit einer Unverträglichkeit für Milchzucker profitieren würden. Zudem versuchen Gentechniker, den Gehalt an bestimmten Proteinen, den Kaseinen, zu erhöhen, um die Käseherstellung zu vereinfachen.
Auch an mit Omega-3-Fettsäuren angereichertem Schweinefleisch wird intensiv geforscht. Zudem möchten Wissenschaftler die für den unerwünschten Ebergeruch verantwortlichen Gene ausschalten. Dann wäre das Kastrieren der Ferkel nicht mehr notwendig.
3. Verminderung der Krankheitsanfälligkeit
Die intensive Haltung von Nutztieren führt vielfach zu einer erhöhten Empfindlichkeit für Stress und Krankheiten. Daher werden die Tiere oft mit Arzneimitteln behandelt, was mit hohen Kosten verbunden ist.
Die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Die Forscher suchen nach Genen, die diese Eigenschaft vermitteln, isolieren sie und statten die Nutztiere damit aus. Man kann auch auf gentechnischem Weg immunisieren. Dazu überträgt man die Erbinformation für Antikörper, die den jeweiligen Krankheitserreger angreifen.
Bei Rindern wird beispielsweise versucht, gegen Mastitis unempfindliche Tiere zu entwickeln. Mastitis ist eine weit verbreitete Entzündung des Euters, die durch Bakterien verursacht wird und zu erheblichen Verlusten in der Milchproduktion führen kann. Die transgenen Kühe bilden ein Protein in der Milch, das den Erreger vernichtet.
4. Verbesserter Aufschluss des Futters
In den USA könnte man jährlich eine Milliarde US-Dollar an Futterkosten sparen, wenn alle Schweine ihr Futter um zwanzig Prozent besser ausnutzen würden. So versorgen Landwirte ihre Schweine zusätzlich mit Phosphor, da sie den Nährstoff nicht ausreichend aus der Nahrung beziehen können. Mithilfe der Gentechnik wird das Gen für Phytase übertragen – das Enzym, das Phosphorverbindungen abbaut. Ganz nebenbei hat die Entwicklung auch Vorteile für die Umwelt, da sich die Phosphatbelastung durch Schweinemist deutlich reduziert.
   

 

Kontra Gentechnik

·          Traurige Realität:Haarlose Mäuse mit programmiertem Krebsgeschwür, Schweine als Organ-Ersatzteillager, Kaninchen, die als „Bioreaktoren“ Medikamente produzieren – solche Wesen entstammen keinem Zukunftsroman, sondern Genlabors von heute. Genmanipulierte Tiere sind in der medizinischen Forschung traurige und weitverbreitete Realität. In der Landwirtschaft dagegen werden transgene Rinder, Schweine oder Hühner noch nicht genutzt. Als zu groß erweisen sich bislang die Ablehnung der Verbraucher, aber auch die technischen Limitierungen der Gentechnik selbst. Denn die Erfolgsquoten bei der Genmanipulation von Tieren sind gering, und das veränderte Genkonstrukt wird zudem meist nicht vererbt, oder es wird abgeschaltet. Deswegen forschen Wissenschaftler zusätzlich intensiv an Klontechniken, mit denen die transgenen Tiere vervielfältigt werden sollen.

Schweine mit Wurmgenen: Viele unserer Nutztiere sind bereits hoffnungslos überzüchtet. Dennoch versuchen Wissenschaft und Industrie, ihre Produktivität mit Hilfe der Gentechnik weiter zu steigern. Manipulierte Designertiere sollen so für die Zustände in der Massentierhaltung „optimiert“ oder Verbraucherwünschen angepasst werden.

 
 

Auch Gesundheits- und Umweltprobleme will man durch Genmanipulationen in den Griff bekommen. So entwickelten Forscher transgene Schweine, die Omega-3-Fettsäuren produzieren sollen. Mit solchen Tieren wollen die Wissenschaftler die massiven ernährungsbedingten Gesundheitsprobleme in den Industriestaaten in den Griff bekommen. Ob die Konsumenten begeistert wären, wenn sie wüssten, dass den Schweinen zu diesem Zweck Gene eines Fadenwurms eingebaut wurden?

Forschungsprojekte
beschäftigen sich zudem mit der Herstellung von Kühen, deren Milch sich besser zu Käse verarbeiten lässt oder die resistent gegen Euterentzündung sein sollen. Andere Wissenschaftler arbeiten an vogelgripperesistentem Geflügel5 und an Schweinen, die bei gleichbleibend schlechten Haltungsbedingungen weniger umweltbelastende Stoff produzieren-so-genannte„Enviropigs“6.

Produkte für die Forschung:Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 2,6 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet. 524.000 davon waren gentechnisch verändert. Der Anteil genmanipulierter Tiere, die für die Forschung hergestellt werden, steigt seit Jahren kontinuierlich. Oft sind diese Tiere so programmiert, dass sie leicht an Krebs erkranken oder haarlos auf die Welt kommen. Bei 95 Prozent der manipulierten Tiere handelte es sich um Mäuse, aber auch transgene Ratten, Kaninchen, Schweine, Amphibien und Fische wurden benutzt. Seit Jahren wollen Unternehmen genmanipulierte Forellen, Karpfen oder Lachse auf den Markt bringen.8 Wachstum, Futterverwertung, Kältetoleranz oder Krankheitsresistenz sollen gentechnisch gesteigert werden. Doch genmanipulierte Lachse, die um ein Vielfaches schneller wachsen als normale Zuchtlachse, könnten in freier Natur Ökosysteme nachhaltig stören. Denn die Gen-Fische haben ein erweitertes Nahrungsspektrum und sind durchsetzungsstärker. Eine Verschiebung der Artenzusammensetzung und die Vernichtung ganzer Arten könnten die Folgen sein. Dennoch ist die Zulassung von Gen-Lachsen in den USA bereits beantragt.

 
 

der Zukunft gilt die Nutzung von transgenen

die Organe genmanipulierter Schweine

Ersatzteillager Tier: Als lukrativer Markt
Tieren als lebende Organfabriken. Vor allem     

sollen in Zukunft transplantiert werde.

 

Beim „Gene Pharming“ will die Industrie pharmazeutisch wirksame Substanzen in Blut, Milch oder Eiern9 transgener Tiere herstellen. Ein Blutgerinnungsmittel aus der Milch genmanipulierter Ziegen wurde in der EU bereits zugelassen und ist seit 2008 auch in Deutschland auf dem Markt. Ein Medikament zur Behandlung von Ödemen, das aus der Milch transgener Kaninchen gewonnen wird, soll folgen.

Gentechnisches Krabbeln:Auch die Insektenwelt bleibt nicht von den Phantasien der Gentechnik-Forscher verschont. Firmen wollen zum Beispiel gentechnisch steril gemachte Insekten erschaffen, die Populationen von Schadinsekten ausrotten sollen.12 In verschiedenen Ländern gab es schon Freilandversuche mit transgenen Insekten.

Selbst vor Haustieren machen die Gentechniker nicht Halt. In den USA wurden Katzen so manipuliert, dass sie beim Menschen keine Allergien mehr auslösen sollen. Buntes Treiben im Aquarium verspricht der in den USA bereits zugelassene Glofish – ein genmanipulierter Zebrafisch, der in verschiedenen Farben angeboten wird.13 In der EU sind die Gen-Fische verboten.

Patente als Anreiz: Ökonomische Anreize für die Entwicklung transgener Tiere schafft unter anderem das Patentrecht, das solche Lebewesen technischen Erfindungen gleichsetzt und patentierbar macht. Als erstes Tier wurde 1992 die so genannte Krebsmaus vom Europäischen Patentamt in München patentiert. Dieses Tier erkrankt gentechnisch bedingt besonders leicht an Krebs. Mittlerweile gibt es allein in der EU über 500 Patente auf genmanipulierte Tiere, weltweit sind es mehr als 4000. So wurde bereits ein Patent auf transgene Kühe erteilt, die besonders viel Milch geben. Mittlerweile versuchen Unternehmen wie Monsanto sogar, konventionell gezüchtete Tiere zu patentieren. Neben Patentanträgen auf Gene und Zuchttechniken bei Schweinen, die der Konzern mittlerweile an ein anderes Unternehmen abgetreten hat, will sich Monsanto jetzt die Kontrolle über 260.000 natürlich vorkommende DNA-Abschnitte bei Rindern exklusiv zusprechen lassen.

Keine Kontrolle: Bis heute haben die Wissenschaftler die Herstellung von Gen-Tieren nicht im Griff. Geringe Erfolgsquoten, Missbildungen und hohe Todesraten sind die nüchternen Ergebnisse. Schon bei den ersten Mäusen mit menschlichen Wachstumsgenen wurde deutlich, dass diese massiven Eingriffe in den komplexen Stoffwechsel eines Lebewesens nicht ohne negative Folgen bleiben können. Krankhafte Veränderungen der inneren Organe verkürzten das Leben der Versuchstiere. Ähnliche Phänomene wurden auch bei Gen-Fischen und manipulierten Säugetieren festgestellt. Gen-Schweine litten unter anderem an Magengeschwüren, Gelenkentzündungen sowie Herz-, Haut- und Nierenerkrankungen. Auch aus Gründen des Tierschutzes sollte daher die ethisch bedenkliche Entwicklung von genmanipulierten Tieren verboten werden
( Quelle: Umweltinstitut München e.V.).

 

 

             Dazu der DBV: DBV-Präsidium verabschiedet Entschließung

Das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) lehnt Patente auf Tiere und Pflanzen grundsätzlich ab und fordert eine Änderung der EU-Biopatentrichtlinie. Anlässlich des widerrufenen „Schweinepatentes“, gegen das der DBV erfolgreich Einspruch eingelegt hat, forderte das Präsidium in einer Entschließung die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene verstärkt für ein Verbot der Patentierung von landwirtschaftlichen Nutztieren und Nutzpflanzen einzusetzen, so wie es im Koalitionsvertrag vereinbart wurde (Quelle:DBV).

 

ü  Anmerkungen: Wie soll denn diese Forderung durchgesetzt werden? Sie betrifft nationales und internationales Recht.  Warum schließt sich der Bauerverband nicht mit Umwelt-Berufsverbänden  und den Kirchen zusammen, um gemeinsam das Ziel zu erreichen? Gerade vor kurzem hat die EU-Kommission weiteren fünf Genmais-Sorten die Zulassung erteilt, in der EU verzehrt, verarbeitet und verfüttert werden dürfen. Diese Entscheidung hat die Kommission auf der Grundlage eines positiven Bescheides der Europäischen Agentur für Lebensmittel (EFSA) getroffen, da der Rat der Mitgliedstaaten sich zu einer mehrheitlichen Meinung nicht durchringen konnte. Dieses Patt führt nun dazu, dass das Problem auf die Nationalstaaten verlagert werden sollen. Eine entsprechende Verordnung ist schon vorgestellt worden. Wie das alles bei den sehr unterschiedlichen Interessenlagen der Nationalstaaten in das europäische und internationale Recht eingebunden werden soll, bleibt mir ein Rätsel.  Mehr noch: Die Bundesregierung will es den einzelnen Bundesländern überlassen, wie in ihrem „Hoheitsbereich“ zu verfahren ist. Hinzu kommt, dass das Europäische Patentamt für die Anerkennung von Biopatenten einen erheblichen Spielraum hat. Dieser findet sich auch in der Rechtsprechung und in der Rechtsanwendung wieder. Der vorgegebene Spielraum wird  immer mehr zugunsten der Anerkennung ausgelegt. Die Beantragung von Biopatenten  und deren „Durchboxen“ setzt ein hohes Maß an Standfestigkeit und finanziellem Engagement voraus, die sich in der Regel nur Großkonzerne leisten können. Im Klartext: Biopatente sind  u.a. die Voraussetzungen für eine industrielle Landwirtschaft , da Gesetzmäßigkeiten der  Natur außer Kraft gesetzt werden können, die der industriellen Landwirtschaft im Wege stehen. Gemäß den Vorgaben der EU-Biorichtlinie steht nicht nur der Erfinder sondern auch der Investor im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung. Im Klartext: Die Investitionen der Konzerne sollen durch  Patentierungen abgesichert werden, um dadurch erhebliche Gewinne zu generieren. Auch die zwischenzeitliche Entscheidungspraxis des Europäischen Patentamtes lassen ethische Einwände nicht gelten.  Der  Artikel 53 des Europäischen Patentübereinkommens  (EPV)  ist so gefasst, dass es den Konzernen div. Möglichkeiten der Patentierungen bietet. Insoweit wird es aufgrund der heutigen Rechtslage zu keinem  generellen Verbot von Patentierungen im Bereich von Tieren und Pflanzen geben. Im Rahmen einer weiteren Diskussion zur zukünftigen Entwicklung des Patentrechts sind die tangierenden Rechtsbereiche wie Rechtssoziologie, Rechtsökonomie usw. in Bezug auf die Auswirkungen von Biopatenten auf Umwelt,  Gesellschaft und Wirtschaft   gleichberechtigt in den Anerkennungsprozess  mit einzubeziehen. Hier muss der Hebel angesetzt werden!

 
 

26.04.2010 10;45;34
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D
<br /> Moin Herr Specht,<br /> vielen Dank, dass sie sich auch des Themas Gentechnik annehmen. Auch in diesem Bereich reduziert sich die Berichterstattung der landwirtschaftlichen Fachpresse auf Pressemeldungen der<br /> Gentechnikfirmen. Der redaktionelle Teil folgt dieser einseitigen Berichterstattung. Kritisches zum Thema findet sich nur auf den Leserbriefseiten. Deshalb empfehle ich für die wissbegierigen unter<br /> den Lesern die Seite von Josef Feilmeier. Sie ist zu finden unter dem folgenden link:<br /> http://www.feilmeier-mischfutter.de/28-0-Ohne+Gentechnik.html<br /> <br /> Übrigens: Agravis stellt auf Nachfrage jede beliebige Futtersorte auch gentechnikfrei her!<br /> <br /> Viele Grüße<br /> Dirk Glaser<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Hallo Herr Glaser,<br /> <br /> <br /> Themen, die ich behandele, versuche ich immer so aufzuarbeiten, dass "beide Seiten" zu Wort kommen. Ihr Hinweis kann die Sicht der Dinge noch weiter vertiefen.<br /> <br /> <br /> Nasse Grüße aus dem hohen Norden.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />