Hochrangige Expertengruppe Milch : Nachschlag

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34Hochrangige Expertengruppe Milch: Sieben Empfehlungen –

Die Hü-Hott-Politik des Bauernverbandes

Nachschlag

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Sehr geehrter Herr Dr. Lüpping,

 die Landwirtschaftskammer wird als  Mitglied im Kompetenzzentrum Mich ( KMSM )durch Sie  in diesem Gremium vertreten. Deshalb arbeitet  die Landwirtschaftskammer auch an dem Zukunftsprojet Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein mit. Prof. Dr. Latacz-Lohmann, der ebenfalls dem KMSM angehört, hat sich zur Zukunft der Milchviehbetriebe in Norddeutschland geäußert.

 

Frage: Wie bewertet die Landwirtschaftskammer die Aussagen von Prof. Dr. Latacz-Lohmann?

(siehe auch  die rot eingefügten Passagen)

 

Für eine baldige Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

 

Mit freundlichen Grüßen aus der Nachbarschaft !

 

Karl-Dieter Specht

 

Prof. Dr. Latacz-Lohmann

 

 Die Ergebnisse der Erfolgsanalyse zeigen, dass der typische 90-Kuh-Familienbetrieb bei durchschnittlichem Management und den zukünftig zu erwartenden Milchpreisen nicht in der Lage sein wird, die Vollkosten der Produktion zu decken und eine angemessene Entlohnung der betriebseigenen Produktionsfaktoren zu erzielen. Im bundesdeutschen und EU-weiten Vergleich steht der Betrieb jedoch noch relativ gut da. Mit Hilfe des aus Wissenschaftlern, Landwirten und Beratern besetzten Panels wurden alternative Entwicklungsstrategien für den typischen 90-Kuh-Betrieb entwickelt und betriebswirtschaftlich analysiert. Dabei zeigt sich, dass insbesondere Wachstumsstrategien zu einer deutlichen Steigerung des Unter-nehmergewinns und somit zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit beitragen können, während Diversifizierungsstrategien sich als weniger effektiv erweisen.

Aus den erfolgversprechenden Entwicklungsstrategien und Einzelmaßnahmen wurden mit Hilfe des Expertenpanels vier Zielbetriebstypen definiert. Diese umfassen einen 240-Kuh-Betrieb mit einem Fischgrätenmelkstand, einen 270-Kuh-Betrieb mit einem automatischen Melksystem, einen 700-Kuh-Betrieb mit Melkkarussell sowie den ursprünglichen 90-Kuh-Betrieb mit einer 500 KW Biogasanlage. Von diesen schneiden die ersten drei genannten Zielbetriebe hinsichtlich der Produktionskosten, der zu erzielenden Einkommen sowie der Arbeits- und Flächenverwertung deutlich besser als der Ursprungsbetrieb ab. Die deutlich höhere Produktivität der Produktionsfaktoren führt dazu, dass die Zielbetriebstypen im Gegensatz zum Ursprungsbetrieb auch ohne Direktzahlungen auf den Faktormärkten konkurrenzfähig sind (ist das auch global zu verstehen?) Sie erzielen eine Verwertung der Produktionsfaktoren Fläche und Kapital, die auch ohne Direktzahlungen deutlich über den gängigen bzw. zu erwartenden Pachtpreisen und Zinssätzen liegt. Hinsichtlich des Risikos der Illiquidität erweist sich der 90-Kuh-Betrieb mit der Biogasanlage am vorteilhaftesten. Hier zeigt sich die risikomindernde Wirkung einer Biogasanlage mit festen Einspeisevergütungen. Die anderen drei Zielbetriebstypen sind im Vergleich zum Ursprungsbetrieb mit einem höheren Liquiditätsrisiko belastet.

Insgesamt zeigt sich, dass es bei einer entsprechenden Risiko- und Anpassungsbereitschaft der Landwirte möglich sein wird, auch unter zukünftigen Rahmenbedingungen rentabel Milch in Norddeutschland zu erzeugen. 

Gute Betriebe haben den Wettbewerb in der EU  (auch international?) nicht zu fürchten, aber Strukturwandel muss vorangebracht werden! Wie ?

Email Anfrage vom 17.August 2010

 

 

Sehr geehrter Herr Specht,

 

im Rahmen des KMSH werden derzeit eine Reihe von Versuchen durchgeführt, die zur Klärung züchterischer, produktionstechnischer und betriebswirtschaftlicher Fragen dienen. Aus den abgesicherten Ergebnissen sollen Beratungsaussagen für die Milchviehhaltung in SH abgeleitet werden.

 

Die Versuche werden mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert und von den Wirtschaftspartnern sowie den beteiligten Versuchsanstellern finanziert. Da die Untersuchen erst 2009 begonnen haben, können endgültige Ergebnisse aus diesem Projekt noch nicht vorliegen.

 

Hinsichtlich der von Ihnen zitierten (Presse ?)mitteilung über Ergebnisse der Arbeitsgruppe von Prof. Latacz-Lohmann empfehle ich dringend, sich mit dem gesamten Beitrag auseinanderzusetzen. Nach meinem Kenntnisstand hat die Arbeitsgruppe auf Basis von Betriebsdaten verschiedene Alternativen für einen typischen Milchviehbetrieb mit guter Produktionstechnik durchgespielt. Dieser Milchviehbetrieb ist in D und Europa durchaus konkurrenzfähig aufgestellt. Das zeigen auch zahlreiche andere Betriebsvergleiche. Die kalkulierten Auswirkungen verschiedener Entwicklungsstrategien müssen differenziert betrachtet werden. Positiv und auch unbestritten ist, dass ein Wachstum in den aufgezeigten Bereichen das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Einzelbetriebes verbessern kann. Allerdings sind die Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf andere Aspekte (z.B. Liquidität, Risiko etc.)zu beachten, die die Arbeitsgruppe ebenfalls analysiert hat.

 

mfg

 

Dr. Werner Lüpping

 

Landwirtschaftskammer SH
Futterkamp
24327 Blekendorf

 

Telefon  04381 900939
Fax                 900918
Email      
wluepping@lksh.de

 

 

Anmerkungen : Im Gegensatz zur Landwirtschaftskammer habe ich auf eine gleichlautende  Anfrage an den  Bauernverband Schleswig-Holstein bisher keine Antwort erhalten. Wenn sie denn kommt,  dann werde ich diese natürlich zur allumfassenden Information ins Netz stellen. Sie können aus der Gegenüberstellung ebenfalls klar ersehen, welche Fragen beantwortet wurden und welche nicht.

Wir sind alle auf den Abschlussbericht (oder Zwischenbericht?) gespannt. Nach meinen Informationen soll dieser im Frühjahr 2011 vorliegen!

Wir bleiben weiterhin am Ball!

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