Gesellschaft: Industrielle oder bäuerliche Landwirtschaft – das ist hier die Frage!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TGesellschaft: Industrielle oder bäuerliche Landwirtschaft – das ist hier die Frage!

Anmerkungen vom SV Karl-Dieter Specht

Der jetzige Chefredakteur des Magazins  WirtschaftsWoche, Roland Tichy, der nach dem Studium  der Volkswirtschaft sich auf unterschiedlichen Ebenen der Wirtschaft, der Politik und des Finanzsektors getummelt hat, wendet sich nun der Landwirtschaft zu. Sein Credo: Der romantische Blick auf die Landwirtschaft, den die Bevölkerung so schätzt, hat mit der wirtschaftlichen Realität auf den deutschen Höfen nicht mehr viel gemein, schreibt der Chefredakteur der WirtschaftsWoche, Roland Tichy.“ Weiter heiß es: Seiner Meinung nach steht die frühere bäuerliche Kultur längst unter einem brutalen Modernisierungsdruck. Selbst kleinere Höfe seien heute komplett durchorganisiert und stünden einem Industriebetrieb in nichts mehr nach: Hochtechnisiert, durchrationalisiert, arbeitsteilig und kapitalintensiv. „Der moderne Bauer verkauft seine Ernte längst und ganz selbstverständlich an Terminbörsen. Raum für Romantik und Selbstverwirklichung lassen der brutale Kostendruck und die niedrigen Preise nicht zu“, so Tichy“(Quelle:topagrar)

Die Bauern – ein Heer von Spekulanten?

Anmerkungen: Mit den Augen einer „Industriellen Betrachtungsweise“, die wenig Raum für eine ganzheitliche Landwirtschaft hat, sieht Tichy die Landwirtschaft auf einem industriellen Trip. Und schlussfolgert: Die wirtschaftliche Realität hebelt Romantik und Ökologie aus“, zeigt sich Tichy ernüchtert.“ Als Sahnehäubchen bringt er auch noch die Spekulation an den Terminbörsen mit  ins Spiel. Dabei müsste Herr Tichy eigentlich wissen, dass gerade die Spekulation, insbesondere die der Leerkäufe, jeden Markt kaputtmachen kann. Rund 60% aller Händel der letzten Monate an der New Yorker Warenbörse betrafen nicht existierendes Öl. Die Handelspreise wurden bloß zu 10 % mit realen Dollars bezahlt. Termingeschäfte, Leerkäufe im Karussell bestimmen die Kurse.Große globale Finanzfonds kaufen und verkaufen mit geringem Einsatz – dem „Leverage“, (Hebelwirkung) – Rohstoffe auf Teufel komm raus. Nicht mehr das physische Angebot von Öl ,Getreide, Rohstoffe aller Art (Milch) bestimmen den Preis, sondern die virituellen Mechanismen der Finanzmärkte. Dazu der Europäische Bauernverband : 28.01.2011  - Copa-Cogeca forderte effektive Regeln zur Bekämpfung von Preisspekulationen mit Agrarrohstoffen. So könne extreme Marktvolatilität reduziert werden. Am Weltwirtschaftsforum in Davos mahnte Copa-Präsident Padraig Walshe: „Wenn die Spekulation aus dem Ruder läuft, führt dies zu exzessiver Marktvolatilität. Sowohl die Verbraucher als auch die Landwirte sind dann den Spekulanten ausgeliefert. Diese Art Spekulation muss eingeschränkt werden, um sicherzustellen, dass die Preise wirtschaftliche Fundamentaldaten und nicht die Exzesse der Spekulanten widerspiegeln."  Es muss auch effektivere Kontrollen zu offensichtlicher Manipulation auf den Märkten geben“(Quelle: LID.CH).  In dem System Tichy scheint es nicht ganz zu stimmen, wenn Tichy meint, dass der Bauer sein Geld anstatt im Stall oder auf dem Feld an der Börse verdienen soll. Ist denn die wertschöpfende Arbeit nichts mehr wert? Was ist das für ein Wirtschaftssystem, wo mit Kapital mehr  Geld zu verdienen ist als mit  der Arbeit (Kasino-Kapitalismus). Es wird an der Landwirtschaft heute mehr Geld verdient als mit der Landwirtschaft.

Kommen wir zum Modernisierungsdruck. Hier hätte Tichy Ursache und Wirkung einer eingehenden Analyse unterziehen müssen. Die Ursache des Modernisierungsdrucks liegt in der (fast) permanenten Überproduktion. Diese staatlich geförderte Überproduktion  ist nur möglich durch die unbeschränkte Einfuhr von erheblichen Mengen an Futtermitteln aus Drittländern.  Und  diese unbeschränkte Einfuhr von Futtermitteln, verbunden mit staatlichen Förderungsprogrammen zur Produktionsausweitung ohne Markt, vernichtet zwangsläufig bäuerliche Unternehmen. Die Industrie wittert das große Geschäft auf dem Weltmarkt und will ihn haben, obwohl die Bauern zu Weltmarktpreisen nicht produzieren können. Dann müssen eben nach Ansicht der Industrie die entsprechenden Strukturen geschaffen werden!

Die industrielle Landwirtschaft ist auf dem Vormarsch!

 Es entstehen immer mehr Kapitalgesellschaften, die das Geschäft der industriellen Landwirtschaft im Rahmen von vertikalen Integrationen immer weiter vorantreiben. Selbst der Bauernverband sieht das mittlerweile auch so und fordert eine Novellierung des Landwirtschaftsgesetzes. Aber nur halbherzig, da er( bisher) die Aufhebung der Privilegierung  der industriellen Landwirtschaft im Außenbereich ablehnt. Es ist also keine gottgewollte Entwicklung sondern eine von der Industrie gewollte, die, so ist zu vermuten , auch noch vom Bauernverband unterstützt wird! Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die industrielle Entwicklung der Landwirtschaft ab, denn sie hat klar erkannt, dass eine ganzheitliche Landwirtschaft nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten  zu betrachten ist. Sie will eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft  mit einem regionalen Bezug.  Diese Einstellung der Bevölkerung nun als einen romanischen Blick „zurück“ zu bezeichnen, liegt völlig neben der Sache. Es  geht schlicht und ergreifend um die Frage: Wollen wir eine industrielle oder eine bäuerliche Landwirtschaft?  Und diese Frage, Herr Tichy, gilt es zu beantworten.


 

 

 

 

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