3.200 Milchkühe: So ganz nach dem Geschmack der Milchindustrie.
3.200 Milchkühe : So ganz nach dem Geschmack der Milchindustrie.
Kaum sortieren sich die Molkereien neu und schließen sich zu Global-Playern zusammen, um am Weltmarkt offensiv operieren zu können, wird der nächste Coup schon vorbereitet. Stellte die Nordmilch( heute Deutsches Milchkontor) den 300er Kuhbetrieb aus vorläufige Ideealgröße dar, wird diese Größenordnung durch Aktivitäten in Niedersachsen bei weitem übertroffen. Nicht 300 Kühe müssen es sein, auch 500 Kühe reichen noch nicht-nein - es müssen 3.200 Kühe je Betrieb sein! Sie meinen, das kann nicht stimmen, dann fragen sie mal Jörn Kriesmann aus Baryer im Landkreis Diepholz. Er ist Landwirt aus Leidenschaft ( auch der Slogan des Bauernverbandes!) und will jetzt den Sprung von zurzeit 1.100 Kühe auf 3.200 Kühe wagen. Als Modellobjekt, versteht sich, so die Berichterstatter, ist diese Größenordnung geplant. Man fragt sich natürlich wofür ein Modellprojekt dieser Größenordnung Sinn macht. Wofür steht das Projekt? Fragen über Fragen! Bei dieser Größenordnung muss der Betrieb eine Fläche von ( 4.800 GV : 2 GV/ha) = 2.400 ha vorhalten (Milchkühe plus Nachzucht). Begründung: Bei der einzelbetrieblichen Investitionsförderung darf der Viehbesatz in Investitionen im Bereich der Tierhaltung 2,0 GV/ha selbst bewirtschafteter landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) nicht überschreiten bzw. bei Überschreitung ist im Einzelfall eine ausgeglichene Nährstoffbilanz nachzuweisen (Quelle: BMELV).
Rudolf Fuchs (Leiter der Landwirtschaftskammer-Außenstelle Sulingen) präsentierte Fakten. 107 145 Hektar Ackerfläche. Haben ruinöse Milchpreise zu Betriebsaufgaben bei den Milchviehhaltern geführt? „Nein“, antwortete Rudolf Fuchs. Im Landkreis Diepholz haben 510 Landwirte 28 083 Kühe in ihren Ställen, im Schnitt 55,1 Tiere pro Betrieb. Doch Fuchs ist sicher: „Da findet weiter ein Strukturwandel statt in den nächsten Jahren“ Quelle: sdl
Es werden nur noch 9 Milchbauern benötigt
Und diesen Strukturwandel gibt das Modellprojekt schon mal vor: Im Landkreis Diepholz werden in Zukunft demnach nur noch 9 Milchbauern benötigt anstatt der heute 510 Milchbauern. Ein gefundenes Fressen für die Milchindustrie, deren Milchsammelstellen sich um 501 Sammelstellen im Landkreis Diepholz verringern würde. Da aber , so Fuchs, die Michbauern nicht so schnell aufgeben, ist hier mit einem gnadenlosen Wettbewerb zu rechnen. Hinzu kommt, dass immer noch mehr Milch produziert als im Land verbraucht wird, und somit die Überproduktion auf dem Weltmarkt zu Billig-Preisen verkauft werden muss. Selbst Baudirektor Holger Schwenter verschlug es den Atem. „Eine solche Stallanlage habe ich im Landkreis Diepholz noch nicht genehmigt“, stellte der Baudirektor fest.
Ein Stück aus dem Tollhaus
Vor diesem Hintergrund ist es ein Stück aus dem Tollhaus eine solche alle Dimensionen sprengende Anlage als Modellprojekt zu bezeichnen. Diese Anlage passt einfach nicht In unsere bäuerlich strukturierte Landschaft. Sie hat industriellen Charakter, den sich die Milchindustrie schon lange wünscht. Modellprojekt heißt aber auch, dass erhebliche Steuergelder in diese Anlage fließen und das ist wohl auch das Ziel des Investors. Politik, Landwirtschaftkammer und Landvolkverband scheinen hier kräftig mitzumischen. Das Abgleiten, auch der Milchproduktion, in industrielle Strukturen wird dabei billigend in Kauf genommen. Dank der Lobbyarbeit der Milchindustrie . Für solche Wachstumsschritte darf es keine staatliche Unterstützung mehr geben. In Gegenteil: Solche Investoren müssen in ihre Schranken gewiesen werden. Wann handelt die Politik endlich!
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